Vom Bestell-Katalog zum Online-Shop – Wie Apps diesen Weg unterstützen können

Intro

„Wer bestellt eigentlich noch über Kataloge? Ich bin doch die ganze Zeit online und bestelle dann auch online…“ Sicherlich eine Aussage die im Jahr 2012 weit verbreitet ist, jedoch sicherlich nicht auf alle Zielgruppen bzw. Bevölkerungsschichten zutrifft.

An der Stelle finde ich es sehr interessant, das Zusammenspiel von Bestell-Katalogen und Online-Medien (Apps) zu beleuchten. Zum Beispiel bieten Heine und SportScheck beides an. Wie kann nun der Nutzer einen Mehrwert aus beiden Medien ziehen? Wie wird die Bedienung der Apps bewertet? Dies habe ich in einem Usability-Test im Lab mit 8 Testpersonen untersucht.

Der Weg vom Bestell-Katalog in den Online-Shop

Heine und auch SportScheck bieten eine sehr interessante Funktion innerhalb ihrer Smartphone-App an. Mit „Catalog2mobile“ bzw. „Print-2-Mobile“ hat der Smartphone-Nutzer die Möglichkeit ein Produkt aus dem Katalog zu fotografieren, sodass anschließend die Katalogseite identifiziert und deren Produkte im Online-Shop angezeigt werden.

Ein Beispiel aus der SportScheck-App:

SportScheck-App Scanfunktion

Scan-Funktion bei der Sportscheck-App

Nachdem die Funktion „Print-2-Mobile“ aufgerufen wurde, macht man ein Foto vom gewünschten Produkt aus dem Katalog. Das Produkt wird auf Basis des Fotos identifiziert und anschließend im SportScheck-Online-Shop herausgesucht. Es wird nicht nur das fotografierte Produkt dargestellt, sondern auch die anderen Produkte der Katalogseite. Anschließend kann das Produkt wie gewohnt online bzw. direkt über die App bestellt werden.

Genau das gleiche Prinzip wird bei der Heine-App angewandt. Im Vergleich der Apps bzw. der Scan-Funktion hat sich im Test gezeigt, dass SportScheck die Fotos/Scans noch besser dem gewünschten Produkt zuordnen kann. Bei Heine muss möglichst die gesamte Katalogseite fotografiert werden, sodass die Produkte korrekt identifiziert bzw. zugeordnet werden können.
Im Test wurde diese Funktion von den Probanden sehr gelobt. Sie ergänzt die jeweilige App sehr gut und wird auch als sehr nützlich empfunden.

Einfache und unkomplizierte Bedienung

Insbesondere die einfache und unkomplizierte Bedienung, die gute Nutzerführung (z.B. gute Erläuterungen zu den einzelnen Schritte/ToDos) sowie das schnelle und erfolgreiche Auffinden der gescannten Produkte werden sehr positiv bewertet. Gelobt wird zudem, dass der Katalog-Nutzer dadurch viel Zeit bei der Bestellung sparen kann.

Informationen aus dem Katalog online ergänzen

Die Informationen zum Produkt innerhalb des Katalogs sind auf das Wesentliche beschränkt und teilweise nur wenig gehaltvoll. An dieser Stelle wird der Wunsch nach mehr und detaillierteren Informationen zum Produkt geäußert. Es bietet sich an diese zusätzlichen Produktinformationen nach der Nutzung der Scan-Funktion innerhalb des Online-Shops anzubieten.
Der Nutzer scant/fotografiert das gewünschte Produkt aus dem Katalog und bekommt anschließend umfassende Informationen zum Produkt bereitgestellt (z.B. bei Bekleidung: Stoffzusammensetzungen, Pflegehinweise etc.).

Lieferstatus/Verfügbarkeit im Katalog nicht ersichtlich

Ein großer Vorteil der Funktion „Catalog2mobile“ bzw. „Print-2-Mobile“ ist, dass die gescannten Produkte gleich auf Verfügbarkeit geprüft werden. Der potentielle Käufer erhält sofort Rückmeldung ob das Produkt geliefert werden kann oder nicht. Diese wichtige Information fehlt im Katalog.

IKEA Katalog-App: „Weckt die Neugier, hat aber wenig Nutzen“

IKEA-App Startseite

Neben den oben genannten Funktionen wurden auch der IKEA-Katalog, die IKEA Katalog-App und deren Zusammenspiel untersucht. Im IKEA-Katalog sind auf einigen Seiten zusätzliche Informationen hinterlegt/versteckt, welche mit der Scan-Funktion in der Smartphone-App abgerufen werden können. Als zusätzliche Informationen stehen entweder Videos zur Kollektion/Produktfamilie (Erstellung/Produktion, Darstellung im realen häuslichen Umfeld etc.), 3D-Animationen von Produkten oder weitere Produktbilder bereit.


Im Test hat sich gezeigt, dass die Bedienung der Scan-Funktion in manchen Fällen sehr schwierig war. Das Smartphone musste teilweise sehr weit vom Katalog weggehalten werden, um die „versteckten“ Informationen wahrzunehmen.

Es war jedoch zu beobachten, dass insbesondere die 3D-Darstellungen von Produkten die Testpersonen zu einem Schmunzeln bewog. Die App bzw. der Katalog wurde sehr spielerisch erkundet. Im Test war zu beobachten, dass die Testpersonen eigenständig versuchten weitere hinterlegte Informationen aus dem Katalog mittels der App zu erforschen. Das Interesse konnte schnell geweckt werden.
Eine detailliertere Betrachtung der IKEA Katalog-App finden sie im Beitrag Die neue IKEA Katalog-App: Augmented Reality im Hausfrauen-Test von Herrn Beschnitt.

Das Fazit des Tests lautet: Anbieter von Bestell-Katalogen und Smartphone-Apps sollte eine derartige Scan-Funktion anbieten. Der Katalog-Nutzer kann mit Hilfe dieser Scan-Funktion Zeit sparen und erhält zudem wichtige zusätzliche Informationen; wie zum Beispiel die aktuelle Lieferbarkeit eines Produktes.

Interessant bewerte ich diese Funktionalität auch bei Reisekatalogen. Hier können über gescannte Reiseangebote noch zusätzliche Informationen zum Reiseziel etc. bereitgestellt werden. Zudem können gescannte Reiseangebote auch online schneller miteinander verglichen werden.

Die dargestellten Ergebnisse stammen aus der Studienreihe Mobile Shopping der eResult GmbH. Im Rahmen eines Usability-Tests mit Android- und iPhone-Nutzern wurde die Usability der beiden Apps getestet.

2 Gedanken zu „Vom Bestell-Katalog zum Online-Shop – Wie Apps diesen Weg unterstützen können

  1. michael

    Hallo Herr Schultze,

    toller Beitrag, danke. Die Apps wirken sehr interessant laut Ihrer Beschreibung. Wie siehts denn mit den Bezahlmöglichkeiten aus? die üblichen Verdächtigen wie im Web-Shop oder eingeschränkt? Wenns um die mobile Bezahlung geht, könnt ich mir vorstellen dass die größten Abbruchraten zu verzeichnen sind…

    lg michael

    Antworten
  2. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » shopbetreiber-blog.de

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