Workshops nach iterativen Tests – Was gilt es zu beachten?

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Vor einiger Zeit bin ich an dieser Stelle schon einmal auf die Vorteile von iterativen Nutzertests eingegangen. Einer der größten Vorteile aus meiner Sicht ist die Option, Verbesserungen am Produkt bzw. am Entwurf direkt abzuleiten und umzusetzen. Besonders gut gelingt dies, wenn Usability-Experten, Auftraggebern und Designern am Ende einer Testschleife den Empfehlungsworkshop gemeinsam durchführen. Wo genau die Vorteile dieses Vorgehens liegen und was es dabei zu beachten gilt – darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Empfehlungsworkshop im Anschluss an eine Testschleife – Wer sollte teilnehmen?

Iterative Usability-Tests zeichnen sich (wie der Name schon sagt) dadurch aus, dass in mehreren Schleifen getestet wird. Testobjekt ist dabei zumeist ein Klickdummy, der z. B. ein neues Konzept für einen Bestellprozess visualisiert.

Auf Basis der Erkenntnisse von Schleife A werden dann Anpassungen am Klickdummy vorgenommen, sodass in Schleife B eine optimierte Variante getestet werden kann. Damit die Testschleifen möglichst zeitnah aufeinander folgen können, ist es ideal, direkt im Anschluss an eine Testschleife einen Workshop durchzuführen, mit dem Ziel:

  • Identifizierte Usability-Probleme zu diskutieren und zu gewichten und
  • Konkrete Empfehlungen für die Anpassung für die nächste Schleife abzuleiten (z. B. in Form von verbalen Empfehlungen, aber auch über erste Scribbles und Wireframes).


Typischer Ablauf eines iterativen Tests

Typischer Ablauf eines iterativen Tests – dem Workshop kommt hierbei eine zentrale Rolle zu.


Idealerweise sollten bei diesem Workshop folgende Parteien teilnehmen:

  • 1-2 Usability-Experten
  • mind. 1 Vertreter von Seiten des Auftraggebers (z. B. der Projektverantworliche)
  • mind. 1 Mitarbeiter, der für die Anpassung des Klickdummys verantwortlich ist (z. B. von einer Designagentur).

Vorteile des Empfehlungsworkshops mit unterschiedlichen Parteien

Man könnte nun sagen: Viele Köche verderben den Brei. Aber: Wie bereits erwähnt, ist vor allem der Zeitfaktor bei iterativen Test meistens sehr wichtig. Die Vorteile eines Empfehlungsworkshops mit der o. g. Teilnehmerkonstellation liegen in der Effizienz, mit der Anpassungen für den Klickdummy erarbeitet werden können. Denn:

  • Empfehlungen können unter Berücksichtigung der Interessen bzw. Zielsetzungen aller Beteiligten entwickelt werden: Die initialen Empfehlungen werden in einem solchem Workshop natürlich von den Usability-Experten geliefert. Dennoch können Empfehlungen im Plenum diskutiert und wenn nötig angepasst oder weiterentwickelt werden. Daraus ergibt sich zugleich der nächste Punkt:
  • Keine Zeitaufwendigen Übergaben: Da alle Parteien die Empfehlungen gemeinsam erarbeiten, sind im Anschluss keine bzw. kaum Übergaben notwendig. Der Mitarbeiter, der den Klickdummy anpasst, benötigt im Anschluss keine Einweisung mehr durch den Usability-Experten, der die Empfehlungen entwickelt hat. Ebenfalls entfällt die Reflexion „kritischer“ Empfehlungen mit dem Auftraggeber (z. B. „Kann Schritt XY im Bestellprozess vorgezogen werden oder gibt es hier dann Probleme mit der Datenverarbeitung?“).
  • Schnelle Ergebnisse: Die Ergebnisse können direkt nach dem Workshop übermittelt werden (z. B. in Form eines Fotoprotokolls), wodurch die Optimierung bereits am kommenden Tag starten kann.
  • Kostenreduktion: Durch die o.g. Punkte fällt die Auswertungszeit zwischen den Schleifen wesentlich geringer aus, was auch die Kosten entsprechend reduziert.


Problemsammlung auf Haftnotizen

Problemsammlung auf Haftnotizen zu verschiedenen Seitenbereichen. Diese werden im Anschluss an den Workshop gewichtet.


Voraussetzungen für einen erfolgreichen Workshop

Die Vorteile des Workshops habe ich aufgezeigt. Es gibt aber auch einige Voraussetzungen, damit ein solcher Empfehlungsworkshop gelingt und alle Teilnehmer am Ende mit den Ergebnissen und Empfehlungen zufrieden sind.

  • Zeitplanung beachten: Idealerweise sollte Tests und Workshop an einem Tag stattfinden. Bei einer „klassischen“ iterativen Testschleife mit ca. 4-5 Personen und einer Testdauer von 30-45 min lässt sich ohne Probleme ein Workshop direkt anschließen. Werden pro Schleife mehr als 6 Personen getestet oder dauert ein Test mehr als 60 min, so ist es empfehlenswert, die Tests auf zwei Tage aufzuteilen und den Workshop an den zweiten Tag anzuschließen. Nach 8 Stunden Testbeobachtung noch einen 3-stündigen Workshop anzuschließen, ist weniger ratsam.
  • Die Beteiligten sollten zumindest einige der Tests beobachtet haben: Stellen Sie sich vor, der Mitarbeiter, der die Anpassungen durchführt, hat nicht einen der Nutzertests live gesehen. Es wird ihm sicher schwer fallen, die Probleme konkret nachzuvollziehen und zu gewichten. Daher sollten alle Beteiligten zumindest 2-3 Tests beobachtet haben, um einen guten Überblick über die zentralen Optimierungspotenziale zu haben.
  • Moderator und Agenda sind Pflicht: Auch wenn es in einem solchen Workshop viel um Kreativität und Ideensammlung geht – ein Empfehlungsworkshop kann nur gelingen, wenn ein gewisser Rahmen vorgegeben ist. Dementsprechend sollte die Moderation durch einen Usability-Experten erfolgen, der die Diskussion leitet und Erkenntnisse festhält. Zudem sollten im Vorhinein mit allen Beteiligten eine Agenda und die zentralen Ziele des Workshops festlegt werden. So ist sichergestellt, dass alle Beteiligten das Gleiche erwarten und erreichen wollen.

Auf diese Weise sind ein erfolgreicher Workshop und eine effiziente Anpassung am Klickdummy zwischen den Schleifen garantiert.

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