Die 5 größten User Centered Design Irrtümer

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Wer interaktive Anwendungen gestaltet – egal ob Software, Website, mobile Anwendung oder Geräte – der sollte seine Zielgruppe kontinuierlich in den Gestaltungsprozess einbeziehen. Dieser User Centered Design Gedanke ist mittlerweile schon bei vielen Unternehmen angekommen – dennoch gibt es aber nach wie vor einige „Mythen“ rund um diese Vorgehensweise, die sich hartnäckig halten. Höchste Zeit also, mit diesen einmal aufzuräumen.

“Unsere Anwendung ist schon live – Jetzt müssen wir ja nicht mehr mit User Centered Design anfangen!“

Ein Gerücht, dass sich zum Glück aktuell nicht mehr ganz so hartnäckig hält. Dennoch hört man als UX Consultant immer noch Aussagen wie „Die Anwendung steht, die Leute nutzen die Anwendung – da kann sie ja nicht so schlecht sein“ oder „Wir wissen schon selber, was unsere Nutzer wollen“ und natürlich „Bisher hat es auch ganz gut ohne UCD funktioniert“.

Aber: Nur, dass eine Anwendung genutzt wird, heißt noch lange nicht, dass die Nutzer diese mit Begeisterung nutzen und sie weiterempfehlen. Und nur, dass einige Nutzer z. B. in Ihrem Shop kaufen heißt noch lange nicht, dass Sie die Conversion nicht noch wesentlich erhöhen könnten, wenn Sie die Gestaltung der Anwendung noch enger an den Bedürfnissen Ihrer Nutzer ausrichten.


UCD

Mit anderen Worten: Es ist nie „zu spät“ seine Nutzer aktiv in den Gestaltungsprozess einzubeziehen. Denn: Die Bedürfnisse und Anforderungen Ihrer Nutzer verändern sich kontinuierlich – was heute vollkommen ausreicht, kann morgen schon „veraltet“ sein. Ein Grund, warum User Centered Design immer als iterativer Prozess dargestellt wird, bei dem man kontinierlich am Ball bleiben muss. Um mal einen Werbeslogan zu bemühen: Es gibt immer was zu tun. 🙂

„User Centered Design läuft doch eh immer auf Usability-Tests hinaus“

Natürlich ist ein Usability-Test immer noch eine der zentralen Methoden, um qualitatives Feedback von der Zielgruppe einzuholen. Allerdings glauben viele, dass User Centered Design zwangsläufig auf wöchentliche (oder zumindest monatliche) Usability-Tests hinauslaufen muss.

Aber: User Centered Design ist zunächst einmal ein kontinuierlicher Prozess, bei dem Nutzer in den Gestaltungsprozess einbezogen werden. Welche Methoden Sie dafür miteinander kombinieren, hängt stark von der Designphase und Ihrer Fragestellung ab.

In sehr frühen Phasen in denen bisher nur statische Wireframes oder einzelne Screens vorliegen (mit denen noch keine Interaktion möglich ist), sind Kundenblogs weitere Methode um qualitatives Kundenfeedback zu erheben – kombiniert mit z. B. einer Panel-Befragung kommen Sie an hochwertiges Feedback. Dies bietet sich z. B. auch für Detailoptimierungen an.

Mit anderen Worten: Um User Centered Design Prozess lassen sich eine Vielzahl qualitativer, quantitaiver und toolbasierter Verfahren sinnvoll kombinieren – immer in Abhängigkeit von der aktuellen Designphase und dem Umfang der Fragestellungen. Um regelmäßige Usability-Tests kommen Sie (wenn Sie User Centered Design ernsthaft betreiben) aber trotzdem nicht herum. Gerade für komplexe Interaktionsprozesse und Status Quo Analysen liefern diese wertvollen Input. Vielleicht denken Sie jetzt…

„Es ist viel zu zeitaufwendig, User Centered Design Projekte durchzuführen.“

Ein weiterer Punkt, der häufig zu Bedenken führt, ist der Zeitfaktor. Häufig fallen Sätze wie „Die Seite soll schon in 2 Monaten live gehen – da können wir keine mehrstufigen Tests und aufwendige Befragungen durchführen.“

Aber: Es gibt viele flexible Methoden im User Centered Design, mit denen man zeitnah Feedback einholen kann. Viele Methoden im User Centered Design Prozess sind gut skalierbar und auch in wenigen Tagen durchführbar. Erste Website-Konzepte und klickbare Wireframes können Sie z. B. mit einem iterativen Klickdummytest in ca. einer Woche durchführen (inkl. Rekrutierung und Auswertung). Und auch Expertengutachten und Kundenblogs sind eine gute Möglichkeit, um schnell Feedback zu einer Anwendung zu erhalten und dieses umzusetzen.

Mit anderen Worten: Der User Centered Design Prozess funktioniert auch mit sehr flexiblen Methoden, die zeitnahes Feedback liefern. Und: Sie können „klein“ anfangen – es ist besser, erst einmal eine kurze Onsite-Befragung oder eine Fokusgruppe durchzuführen, als die Zielgruppe aus vermeintlichem Zeitmangel gar nicht einzubeziehen.

„Für ein kleines Projekt braucht man das nicht!“

Wer nur „mal eben“ seine Trefferliste überarbeitet oder eine neue Suchmaske implementieren möchte, der denkt sich oft „Nutzer fragen? Dafür nicht, das geht auch so. Wir machen das einfach wie Wettbewerber xy und dann läuft das schon.“

Aber: Wettbewerber xy hat vielleicht trotzdem noch eine etwas andere Zielgruppe, die er vielleicht (ebenso wenig wie Sie) auch nicht gefragt hat. Zudem haben auch kleine Veränderungen oft große Auswirkungen auf die Akzeptanz der Seite. Oft reicht ein kleiner Fehler in einer kleinen Funktion schon aus, um Nutzer nachhaltig zu verärgern.

Mit anderen Worten: Beziehen Sie die Nutzer auch bei scheinbar kleinen Anpassungen aktiv mit ein. Dass es nicht immer auf eine 4-wöchige Usability-Testphase hinauslaufen muss, habe ich ja oben bereits skizziert. Oftmals genügt es, bereits ein bis zwei Methoden miteinander zu verzahnen (z. B. ein Expert Review und eine Fokusgruppe), um schwerwiegende Usability-Schwächen schon vor dem Livegang zu erkennen und zu beheben.


3d human with a pig bank

„Das kostet doch alles viel zu viel!“

Viele denken beim Begriff „User Centered Design“ nicht nur an hohen Zeitaufwand, sondern vor allem an hohe Kosten und an die Frage „Es ist es das eigentlich wert?“.

Aber: Wie Sie sich aus meinen bisherigen Ausführungen herleiten können, ist User Centered Design meistens flexibler und damit auch oft kostengünstiger als sein Ruf. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, User Centered Design zu betreiben, ohne alle 2 Wochen einen Usability-Test mit 30 Probanden durchführen zu müssen – egal ob vor dem Launch oder im Betrieb.

Mit anderen Worten: User Centered Design zahlt sich am Ende aus. Wenn Sie Ihre Nutzer nicht kontinuierlich einbeziehen, wird’s meistens noch viel teurer – denn die Konkurrenz ist ja bekanntlich nur einen Klick entfernt.

3 Gedanken zu „Die 5 größten User Centered Design Irrtümer

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