Lebensraum Internet – von Einheimischen und Zugezogenen (Teil 1: Informationssuche im Web)

Group of Teenage Students at Park with Computer and Books

Jeder kann sich heutzutage etwas unter dem Begriff „Internet“ vorstellen und verbindet gewisse Dinge mit ihm. Welche Dinge das jedoch sind, hängt von unserer individuellen Wahrnehmung dieses Mediums ab und die kann beträchtlich voneinander abweichen.

Besonders zwei Gruppen unterscheiden sich hier voneinander, die einen sind mit dem Internet aufgewachsen… und die anderen eben nicht. Zu Ersteren, den Digital Natives, zählen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 12 und 25 Jahren. Ungeduldig, oberflächlich und sowieso nur am Facebook-Status überprüfen. Oder? Gruppe Nummer zwei bilden mit den Personen zwischen 35 und 45 Jahren die Digital Immigrants. Die Art von Mensch, die so rasant wie frisch aufgewachte Faultiere durch das Netz pflügen und in Foren für Fachliteratur mühsam ihre wohl portionierten Beiträge pflegen. Aber ist das wirklich so?

Seit über 2 Jahren beschäftigt sich eResult nun mit dem Thema „Digital Natives“. Johanna hat bereits im Rahmen einer quantitativen Studie zahlreiche Antworten auf Fragen wie „Wo bewegen sich Digital Natives im Netz? oder Welchen Zweck erfüllt das Internet in ihrem Alltag und wie wird es genutzt?“ gegeben.

Wenn Sie das Potenzial dieser wichtigen Zielgruppe noch besser verstehen und nutzen möchten, dann müssen Sie ihre Bedürfnisse ganz genau kennenlernen. Wir haben deshalb einen qualitativen Test im Use-Lab durchgeführt und den Digital Natives mal „über die Schulter geschaut“. Diese Usability-Studie liefert weitere Erkenntnisse und zeigt Unterschiede zwischen ihnen und den Digital Immigrants auf:

  • Digital Natives sind im Gegensatz zu ihren nicht ganz so entfernten Verwandten tatsächlich „kurzlebiger“, was sich darin äußert, dass sie schneller gelangweilt und allgemein ungeduldiger sind (Viele Testpersonen (TPen) wurden bei Interesse an für sie relevanten Informationen aber auch wesentlich geduldiger und hielten sich auf diesen Websites länger auf.).
  • Die „junge Generation Internet“ liest weniger und flüchtiger (Sobald die Informationen interessant waren, haben die TPen allerdings ausführlich und genau gelesen und wünschten sich an bestimmten Stellen sogar weitere Informationen.).
  • Jugendliche und junge Erwachsene denken weniger durchstrukturiert – „Sich treiben lassen und stöbern“ heißt hier das Motto (Viele TPen hatten kein konkretes Ziel und wussten demzufolge nicht genau, was sie tun sollten. Ist noch mehr Inspiration hier der Schlüssel zur Zielgruppe?).

Und weil wir es ganz genau wissen wollten, haben wir die Digital Natives noch einmal in zwei separate Gruppen unterteilt (12 bis 17-Jährige und 18 bis 25-Jährige), um zu sehen ob selbst hier noch Unterschiede bestehen. Und ja, das tun sie:

  • Die 12 bis 17-Jährigen riefen merklich weniger Onlineshops auf (Dies kann vor allem daran liegen, dass die unter 18-Jährigen noch nicht selbst bestellen können. Aber hey, der heute 17-Jährige ist der 18-Jährige von morgen!).
  • Weiterhin fiel auf, dass die Jüngeren ihre Surferfahrung häufig gern auf mehrere eigenständige Tabs verteilen (Viele TPen sprangen lieber zwischen den einzelnen Websites hin- und her, als über die Navigation vor- und zurück. Ist hier vielleicht eine Neuerung in Sachen Navigation gefragt?).
  • Und ja, wie kann es anders sein, Facebook ist bei den unter 18-Jährigen der absolute Favorit für eine Startseite (Die 18 bis 25-Jährigen riefen das Social-Network kaum oder nur zögerlich auf. Es zeigte sich, dass diese Gruppe wesentlich mehr Bedenken hat, wenn es um die Preisgabe ihrer privaten Daten geht. Sollte man bei den Jüngeren vielleicht noch stärker auf Datenschutzhinweise achten?).

Unsere Methodik

Zu unserer qualitativen eResult Usability-Studie luden wir insgesamt 48 TPen ein; 24 davon zwischen 35 und 45 Jahren und die anderen 24 zwischen 12 und 25 Jahren (auch diese wieder halbiert: 12 zwischen 12 und 17 Jahren und 12 zwischen 18 und 25 Jahren). Im ersten Teil des Usability-Tests gab es keine Vorgabe von szenariobasierten Aufgaben und Internetangeboten, die TPen konnten in einer freien Nutzungsphase im Web tun und lassen was sie wollten.

Erst im zweiten Teil des Usability-Tests gab es konkrete, typische Aufgabenstellungen für bestimmte Internetangebote. Weitere, vielleicht sogar unerwartete Ergebnisse, vor allem zum Shoppingverhalten, werden in Kürze auch hier im Blog veröffentlicht.

Doch was bedeuten unsere bisherigen Entdeckungen nun für die Praxis?

Digital Natives sind eine anspruchsvolle Zielgruppe. Es ist wichtig, dass Sie ihre Wünsche und Anforderungen verstehen oder verstehen lernen und die sich daraus ergebenen Maßnahmen (sowohl im Web als auch mobil) berücksichtigen.

Erreicht werden kann dieses Verständnis beispielsweise durch einen Zielgruppenblog. Hier erhalten sie die Unterstützung ihrer Nutzer und können mit ihrer Hilfe ein Web-Angebot oder auch eine mobile Anwendung stetig optimieren und weiterentwickeln. Auch der direkte Dialog mit den Usern, sowie schlichtes und einfaches Erfragen und Nachlesen ihrer Meinungen und Lösungen zu bestimmten Ideen und Problemen, hilft.

Ein Gedanke zu „Lebensraum Internet – von Einheimischen und Zugezogenen (Teil 1: Informationssuche im Web)

  1. Pingback: Lebensraum Internet – von Einheimischen und Zugezogenen (Teil 2: Shoppingverhalten auf Onlineshops) | Usabilityblog.de

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