Produktvideos – aktuelle Trends & Empfehlungen

Bilder sagen bekanntlich mehr als 1000 Worte und Videos sind mehr als 1000 Bilder. Das gilt auch für die Darstellung von Produkten in Online-Shops für Mode. Videos transportieren mehr Stimmung, Erlebnis, Charakter. Mehr Produkteigenschaften – mehr Conversion. Also auf in die Videoproduktion! Ein Risiko? Kaum. Statistisch gesehen, steigt bei Nutzern, die sich ein Video anschauen, die Kaufwahrscheinlichkeit um 174% an. Die Selbstauskunft der Nutzer korreliert damit, wie die aktuelle Umfrage im Rahmen des eResult Omnibusses zeigt: 40,6% der Befragten geben an, dass sie weniger Zweifel haben ein Produkt zu kaufen, wenn sie es vorher im Video angesehen haben; jeder 4. bevorzugt Online-Shops, die Videos anbieten. Was genau sind aber die aktuellen Anforderungen und Erwartungen der Nutzer an Produktvideos? Ein Video ist ja nicht gleich ein gutes Video. Wenn ich an Mode und Videos denke, habe ich spontan ein Laufstegvideo vor Augen. Doch ist es auch für den Online-Shop geeignet? Und wie und wo binde ich das Video ein? Folgende Good Practices für die Einbindung und den Inhalt von Produktvideos in Online-Shops für Mode möchte ich Ihnen ans Herz legen.

Nutzerorientierter Inhalt: weg vom Laufsteg

Die Präsentation auf dem Laufsteg ist gut für Modenschauen, für den Online-Shop sind die Laufstegvideos jedoch viel zu hektisch. Viele Nutzer beschweren sich in Usability-Tests, dass solche Videos zu schnell sind, so dass das Produkt nicht im Detail betrachtet werden kann. Sie sehen entsprechend keinen Mehrwert darin. In der aktuellen Umfrage zu Videos bewertetet die Befragten ein Produktvideo, bei dem auf den Laufsteg verzichtet wurde besser. Als Begründung gaben einige an, dass sie das Produkt besser rundum betrachten können. Ein Laufstegvideo wirke dagegen hektisch, abgehoben, realitätsfern.

Eine Alternative zu Laufstegvideos ist die Präsentation wie auf einem Podest. Auf amazon.com z. B. bewegt sich das Model ganz leicht auf einer Stelle und dreht sich anschließend um sich selbst. Dies verursacht keine Hektik bei dem Nutzer und reicht aus um zu erkennen wie der Stoff fällt.


Ein anderes gutes Beispiel für ein dezentes, ruhiges Video habe ich beim britischen Online-Shop Marks & Spencer (M&S) gefunden. Hier ist das Video zweigeteilt, um auch eine vergrößerte Videoaufnahme des Produkts anzuzeigen. Der Videoausschnitt bewegt sich ganz langsam über das Produkt von oben nach unten. Daneben ist eine Volldarstellung des Models zu sehen.


Marks & Spencer: zweigeteiltes Video

Marks & Spencer: zweigeteiltes Video


Während im Modebereich das Video überwiegend dazu genutzt wird die Wirkung des Produkts zu transportieren, ist bei Funktionskleidung mehr der Expertenrat gefragt. Für diesen Bedarf erwarten Nutzer, dass das Produkt im Detail vorgeführt wird und sind auch bereit das Video länger anzuschauen. Der britischen Anbieter von Ski-Kleidung SimplyPiste wird diesen Nutzererwartungen gerecht. Hier wird das Produkt im Video erklärt. Es werden Eigenschaften und Vorteile des Produkts aufgezeigt. Die Situation im Video gleicht der Beratungssituation im Geschäft vor Ort. Durch fast persönliche Beratung wird beim Nutzer Vertrauen geschaffen und Unsicherheit beseitigt.


SimplyPiste: Beratung im Video & Cross-Selling

SimplyPiste: Beratung im Video & Cross-Selling


Aufmerksamkeitsstarke Einbindung: automatischer Start

Auch wenn der Inhalt des Videos stimmt, nutzt es wenig, wenn der Nutzer es übersieht. Mehr Aufmerksamkeit kann auf das Video durch einen automatischen Start gelenkt werden. Damit muss man jedoch sehr vorsichtig sein. Automatisch startende Videos erinnern an Werbung, überfordern und können beim Nutzer den Weg-Klicken-Reflex auslösen. Das Video muss also sehr dezent und langsam sein und nicht wie ein Fremdkörper wirken. Auch das macht amazon.com sehr gut (siehe oben). Das Video startet hier automatisch, wenn die Produktdetailseite aufgerufen wird. Dies wirkt jedoch weder aufdringlich noch überfordernd, denn es wird ein nahtloser Übergang von der Produktabbildung zum Video geschaffen. Das Video startet nämlich mit einer eingefrorenen Sequenz, die etwa 5 Sekunden andauert. Man hat das Gefühl eine Produktabbildung zu betrachten. Danach erwacht die Produktabbildung zum Leben: das Model dreht sich und präsentiert das Produkt. Die letzte Sequenz gleicht dann wieder der Produktabbildung, die darauf folgt.

Kontaktwahrscheinlichkeit erhöhen: schon vor der Produktdetailseite anbieten

Videos können auch an frühere Stationen auf der costumer journey eingebunden werden. Z. b. werden im Online-Shop KIOMI Videos bereits auf der Kategorieeinstiegsseite eingebunden. Hier werden dem Nutzer neben den Kategorieeinstiegen im linken Bereich verschiedene Looks präsentiert. Über den im Video integrierten Link „Shop the Style“ gelangt der Nutzer zum Look und kann sich die einzelnen Bestandteile im Detail ansehen. Auch hier starten die Videos automatisch nach einer kurzen Verzögerung sind jedoch langsam und dezent, so dass der Nutzer damit nicht überfordert wird.


KIOMI: Video auf der Kategorieeinstiegsseite

KIOMI: Video auf der Kategorieeinstiegsseite


Bei dem Online-Shop Saks Fifth Avanue sind Produktvideos bereits von der Produktübersichtseite abrufbar. Auf diese Weise kann der Nutzer sich das Produkt bereits in der Übersicht in action ansehen. Hierdurch wird bestimmt der eine oder andere unnötige Wechsel auf die Produktdetailseite eingespart.


Saks Fifth Avanue: Video auf der Produktübersichtsseite

Saks Fifth Avanue: Video auf der Produktübersichtsseite


Und darüber hinaus…

Ist der Inhalt und die Einbindung geglückt, können Videos noch weiteren Mehrwert bieten. Z. B. kann über Videos Cross-Selling betrieben werden. Hat der Nutzer nämlich ein gutes Produktvideo gesehen und für seine Entscheidungsfindung als relevant eingestuft, möchte er ggf. weiterhin nur Produkte ansehen, bei denen ebenfalls ein Video verfügbar ist. Ein Verweis auf andere Produkte mit Videos aus der gleichen Kategorie wäre an dieser Stelle sinnvoll. SimplyPiste (siehe oben) verweist auf den Produktdetailseiten auf weitere Produktvideos.

Weiterhin können Videos stärker zur Produktbindung beitragen, indem sie die Individualität der Produkte unterstreichen und Stimmung schaffen. Ein gutes Beispiel ist bei asos anzutreffen. Hier spielt zu verschiedenen Produkten unterschiedliche Musik. Im Anschluss an das Video wird der Nutzer auch über die Band und den Songtitel informiert. Zusätzlich zu der Verstärkung der Produktbindung entsteht auf diese Weise der Eindruck, dass die Produktdetailseiten mit Sorgfalt und Detailliebe zusammengestellt werden.


asos: individuelle Musik für die Produkte

asos: individuelle Musik für die Produkte


Auch die Verbreitung der Bekanntschaft des Online-Shops über soziale Netzwerke könnte durch Videos gesteigert werden. Laut einer Studie der e-tailing group und invodo würden 41% der Online-Käufer ein Video eher als andere Medien (Bild, Text) über soziale Netzwerke teilen. Der amerikanische Online-Shop für Schmuck Ross-Simons bietet daher den Share-Link direkt im Video an. Bewegt der Nutzer die Maus über das Video wird zusätzlich zu der Kontrollleiste ein Share-Link angeboten. Empfehlungen sind über Facebook oder Twitter möglich.


Ross-Simons: Share-Link im Video

Ross-Simons: Share-Link im Video


Tipps für Videos mit Mehrwert zusammengefasst:

  • Nutzerorientierter Inhalt: Laufsteg ist für die Modenschau gut, für den Online-Shop aber nicht die beste Lösung – wichtiger ist, je nach Produkt,
    • dass es im Detail betrachtet werden kann (dafür muss das Video langsam sein und/oder Details anzeigen) oder
    • dass es erklärt wird.
  • Aufmerksamkeitsstarke Einbindung durch automatischen Start, aber um den Nutzer Nutzer nicht zu überfordern…
    • mit Verzögerung starten,
    • dezentes Tempo wählen,
    • nur einmal abspielen,
    • bestenfalls einen Übergang zwischen Produktabbildungen und -video schaffen.
  • Frühe Einbindung damit Videos bereits bei der Vorauswahl wirksam werden können:
    • auch auf Kategorieeinstiegen und
    • Ergebnisseiten möglich.
  • Wozu man Videos noch nutzen kann:
    • Cross-Selling über Verweis auf andere Produkte mit Videos
    • Bessere Verankerung im Gedächtnis durch individuelle Musik
    • Bekanntschaft erhöhen durch eingebundene Share-Links

11 Gedanken zu „Produktvideos – aktuelle Trends & Empfehlungen

  1. VCC VideoContentCompany

    Produktvideos werden immer wichtiger für Online-verkauf.
    Ich bin davon überzeugt das Produktfilme wo ein Moderator das Produkt erklärt und demonstriert immer wichtiger werden. Der „Onlineshop-Moderator“ gibt das Produkt nicht nur ein Gesicht aber auch mehr Vertrauwen und Glaubwürdigkeit. Genau was ein Verkaufer im Laden tut. Und hier kann mann noch viel lehren vom Teleshopping.

    Mit freundlichen Gruß aus Holland,

    René Kogelman

    Antworten
  2. Pingback: Welsch-Lehmann | Für Sie gelesen: Underdogs, - Welsch-Lehmann

  3. Pingback: Welsch-Lehmann | Für Sie gelesen: Underdogs, Produktvideos und Marketingtypen - Welsch-Lehmann

  4. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » shopbetreiber-blog.de

  5. Pingback: So steigern Produktvideos den Erfolg von online-Shops | Content Crew

  6. Pingback: Google Offers startet in Deutschland – Chance für Händler? [5 Lesetipps] | Handelskraft – Das E-Commerce und Social-Commerce-Blog

  7. katharina

    Aus unserer Erfahrung mit Online Usability Tests zeigt sich deutlich wie wichtig gut gemachte Produktpräsentationen für unsere Tester und somit den potenziellen Kunden sind. Sie legen großen Wert auf qualitativ hochwertige Bilder, informative Produkttexte sowie möglichst eine 360°Ansicht des Produkts. Aus den Beispielen im Artikeln lässt sich erkennen, dass es eben doch gar nicht so leicht ist wie es sich anhört. Um benutzerfreundliche Produktpräsentionen anzubieten muss auf einige Usability Richtlinien geachtet werden. Mit Online Usability Tests können Reaktionen auf Produktvideos in einem Webshop auf schnellem Weg getestet und so mögliche Bedien- und Verständnisprobleme aufgespürt werden. Die Tests liefern bereits innerhalb 24h erste Ergebnisse, aus denen konkrete Optimierungsvorschläge abgeleitet werden können. (siehe http://rapidusertests.com/apid=37)

    Antworten
  8. Pingback: Top-Themen der letzten 30 Tage | Usabilityblog.de

    1. Redaktionsteam

      Guten Tag, BRIDALONLINE.DE bridalonline,

      um das Video abspielen zu können, müssen Sie Adobe Flash aktivieren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Das Usabilityblog-Team

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *