Bleib doch noch… – so können Nutzer gebunden und zur Wiederkehr motiviert werden

Roter Teppich

Hat ein neuer Kunde den Weg auf die Site oder den Online-Shop gefunden, ist die erste Hürde genommen. Ob durch teure Marketing-Maßnahmen oder schlichte Weiterempfehlung, Social Media-Kanäle oder Offline-Präsenz – auf irgendeine Weise ist der Nutzer auf die Site aufmerksam geworden und schaut sich interessiert um. Doch auch beeindruckende Besucherzahlen nützen nichts, wenn der Nutzer zur „Eintagsfliege“ wird: Um die Site positiv in Erinnerung zu behalten und im besten Falle wiederzukommen oder etwas zu kaufen, müssen Erlebnisse geschaffen werden. Der Nutzer muss positiv überrascht, begeistert oder durch irgendetwas gefesselt werden. Doch wie kann dies erreicht werden? Welche aktuellen Ideen und Trends lassen sich hier identifizieren?

Insgesamt ist zu beobachten, dass bereits klassische Seitentypen wie beispielsweise eine Produktübersicht im Online-Shop ansprechender und inspirierender geworden sind. Eine schlichte und starre Auflistung von Produkten ist meist nicht mehr zeitgemäß. Immer mehr Shops ermöglichen es den Nutzern, Ansichten individuell zu verändern, heben Bilder stärker hervor als Merkmale und gestalten Übersichtsseiten interaktiver. Dies kommt vor allem jüngeren Zielgruppen entgegen, die sich meist länger auf diesen Seiten aufhalten und hier ihre Entscheidung treffen.

Ein nicht mehr ganz neues aber dennoch gutes Beispiel für Interaktivität findet sich zum Beispiel bei Marc O‘Polo. Hier sind zum einen die Abbildungen recht groß und zusätzlich können innerhalb des Bildes weitere Ansichten durch Pfeilsymbole aufgerufen werden. Im Gegensatz zu den klassischen Vorderansicht/Rückansicht-Wechseln können hier mehrere Abbildungen integriert werden:

 

 

Marc O´Polo Übersichtsseite

Übersichtsseiten sind interaktiver geworden und ermöglichen z.B. das Betrachten mehrerer Ansicht wie hier über Pfeilsymbole, die bei Mausberührung erscheinen.

Gelingt die Suche nach Produkten oder Inhalten leicht und sind die angebotenen Funktionen intuitiv bedienbar, ist ein erster großer Schritt in Richtung „Verweilen“ getan. Denn gerade bei Erstnutzern ist die Toleranzschwelle oft sehr gering: Funktioniert etwas nicht wie erwartet, finden sie sich nicht zurecht oder lädt die Seite zu lang, verlassen sie das Angebot auch schnell wieder.

Noch stärker in den Vordergrund rücken die Produkte in der Kollektionsansicht von Barts. Eine Abbildung erstreckt sich fast über den gesamten Screen. Die Navigation wird nur bei Bedarf über das Logo angezeigt, die Auswahl der Produkte erfolgt über ein Laufband am unteren Seitenrand. Die Artikelmerkmale treten also zunächst komplett in den Hintergrund, der Nutzer soll vor allem zum Stöbern und Ausprobieren angeregt werden und sich dadurch intensiv mit der Seite beschäftigen.

 

 

Barts Kollektionsansicht

Die Produkte bzw. deren Abbildungen treten stark in den Vordergrund, wie hier bei Barts. Ein interaktives Laufband ermöglich das Erkunden der Kollektion und direkte Anwählen eines Produktes.

Einen ähnlichen Weg zu einer emotionaleren Produktpräsentation hat das Label Strellson eingeschlagen: In einer separaten Kategorie „Brand Experience“ werden die Kollektionen großflächig inszeniert. Die Bilder ordnen sich quasi erst beim Scrollen im Sichtfeld des Nutzers an, wodurch ein sehr dynamischer Eindruck entsteht, der zum Weiterscrollen animiert, weil bei jeder Mausbewegung sofort eine Reaktion erfolgt:

 

Besonders individuell und interaktiv sind die ebenfalls nicht selten anzutreffenden Produktkonfiguratoren. Im Bereich Mode oder gar Schuhe gibt es jedoch bisher recht wenig positiv Beispiele. Gelungen ist der Creator von Converse. Der Schuhe kann in jedem Detail individuell verändert werden. Eine Vorschau des Ergebnisses ist jederzeit sichtbar, was den Spaß-Faktor definitiv erhöht. Zudem ist für den Nutzer jederzeit erkennbar, wie weit seine Kreation fortgeschritten ist und er muss nicht zwingend sofort kaufen, sondern kann den Status auch speichern oder mit anderen teilen. Diese Transparenz gepaart mit einer einfachen Bedienung und ansprechendem Layout animieren dazu, immer neue Kreationen auszuprobieren. Da der Schuh quasi die ganze Zeit „zum Greifen nah“ ist und das ganze dazu noch Spaß macht, bleibt die Nutzung im Gedächtnis.

 

 

Converse Creator

Der Converse Schuh-Konfigurator ist intuitiv und transparent gestaltet. Durch das sofortige Erfolgserlebnis (Sichtbarkeit der Einstellungen) wird der Nutzer motiviert, viele Farben und Styles auszuprobieren und sich somit intensiv mit dem Schuh zu beschäftigen.

Ein weiteres Beispiel wie die Verweildauer auf einer Site gesteigert werden kann, sind Artikel oder Informationen, die nur marginal mit dem eigentlichen Thema zu tun haben, die Zielgruppe aber potenziell trotzdem interessieren. So unterstellt Marc O’Polo seinen Nutzern, dass Kreatives und Schönes aus aller Welt sie anspricht. In den so genannten „Stories“ geht es deshalb nicht nur um Mode, sondern um Architektur, Technik, Möbel, Wein oder Personen. Durch ansprechende Fotos soll der Nutzer aufmerksam gemacht werden und die Artikel lesen. Diese Rubrik ist vielleicht vergleichbar mit Blogs oder Magazinen, die man auf anderen Sites findet, aber weniger interaktiv, sondern eher inspirierend.

 

 

Marc O´Polo Stories

Bei Marc O’Polo sollen Artikel zu verwandten Themen oder Hintergrundinformationen zum Lesen und damit Verweilen anregen.

Auf die Spitze treibt es das Label Lacoste, welches neben dem Shop das Lacoste Universe sowie die Website Lacoste Live! eingerichtet hat. Hier finden sich zahlreiche Hintergrundinformationen, Videos, Events, Kampagnen, Städte-Tipps sowie ein Blog. Auch Spiele hat Lacoste im Angebot, um den Nutzer zu unterhalten und spielerisch immer wieder die Produkte vor Augen zu führen.

 

 

Lacoste Einstieg World

Über die Lacoste World sind Spiele wie der „Polo-Zauberwürfel“, das „Polo-Kaleidoskop“ und ein interaktiver Zeitstrahl durch die „Polo-Vergangenheit“ aufrufbar.

Interaktiver Zeitstrahl

 

 

Lacoste Live!

Lacoste Live! Bietet zahlreiche Hintergrundinformationen und Markeninformationen losgelöst vom Online-Shop. Die abgebildete Navigation soll einen Überblick über die Inhalte geben. Die Darstellung verschiedener Looks ist nur eins von vielen Beispielen zur Erkundung der Marke.

Zusammenfassend lässt dich festhalten, dass eine intuitive Bedienung und eine optisch sowie funktional erwartungskonforme Website die Basis für verweilende und wiederkehrende Nutzer darstellen. Je nach Zielgruppe können zudem spielerische Elemente, Hintergrundinformationen, große Bilder und dynamische Darstellungen den Nutzer positiv überraschen und binden. Gelingt es Interaktivität, Zusatzinformation und Spaß mit den angebotenen Produkten sinnvoll zu verknüpfen, bleibt das Nutzungserlebnis im Gedächtnis und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederkehr oder Weiterempfehlung steigt.

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2 Kommentare zu „Bleib doch noch… – so können Nutzer gebunden und zur Wiederkehr motiviert werden

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