Das Auge isst mit. „Good Practices“ von und für Online-Lebensmittellieferservices

Portioniere Lebensmittelboxen

Abb. 1. Online Lieferservices für portioniere Lebensmittelboxen

Heutzutage ist die Zeit für die Nahrungsmittelzubereitung knapp bemessen. Neben Arbeit, Freunden und Hobbys bleibt nur noch selten Zeit selbst zu kochen. Auch bei Familien wird die Zeit für den alltäglichen Einkauf immer knapper, obwohl der Stellenwert einer ausgewogenen und gesunden Ernährung zunimmt. Denn es zählt laut der einer Nestle Studie gut ein Viertel der Deutschen zu den so genannten „Quality Eaters“, denen ein guter Geschmack sowie Aspekte wie Qualität, Sicherheit, Gesundheit und Nachhaltigkeit wichtiger sind als ein günstiger Preis.

Online-Lebensmittelhändler bieten eine gute Qualität sowie Service und könnte den täglichen Einkaufstress ersparen. Das Interesse daran, im Internet Lebensmittel und Getränke zu bestellen, besteht bei fast 67% der deutschen Internetnutzer, so die AGOF-Studie internet facts. Jedoch kaufen nur erstaunliche 10,5% die Waren des täglichen Bedarfes auch tatsächlich online.

Die Biokiste

Abb. 2: Die Biokiste nur weitergedacht...

Doch verschiedene neuartige Verkaufskonzepte versuchen diesen Markt zu erobern. Eines davon brachte die Schwedin Lisa Rentrop nach Deutschland: Lebensmittelkisten mit portionierten Zutaten und passenden Rezeptvorschlägen, die direkt an die Tür geliefert werden. Die Inhalte sollen eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ohne Einkaufstress garantieren. Die wöchentlich neu zusammengestellten Pakete enthalten -je nach Wunsch- drei bis fünf Mahlzeiten. Nur gekocht werden muss dann noch selbst.


Persönliche Gestaltung und Ehrfahrungsberichte schaffen Vertrauen

Seit 2010 kann man auf ihrer Webseite kommtessen.de unter anderem biologisches Gemüse und nachhaltig gefangenen Fisch in vorportionierten Lebensmittelboxen bestellen. Die Seite fällt durch ihre herzliche und persönliche Gestaltung auf, die gleich Vertrauen in einen guten Service fassen lässt. Die enthusiastischen Kundenkommentare wirken überzeugt davon, dass man auf die Qualität der Ware vertrauen kann und sind so begeistert geschrieben, dass ich gleich Lust bekommt selbst zu kochen.

Zielgruppenspezifische Produktangebote

Abb. 3: Zielgruppenspezifische Produktangebote

Einfache Produktauswahl durch Personas

Auf kochzauber.de wird das Konzept auf der Homepage durch ein niedliches Video verdeutlicht. Die Auswahl des passenden Produktes wird durch Mittel von Personas erleichtert. Diese stellen bestimmte Lebenssituationen dar, und die Produkte sind genau auf die speziellen Bedürfnisse dieser Nutzergruppen abgestimmt.

Außerdem hat man die Möglichkeit die Box weiter zu konfigurieren (laktose oder glutenfreie Varianten) und die Möglichkeit den Lieferrhythmus sehr flexibel zu bestimmen.

Gelungene Produktinszenierung und übersichtliche Gestaltung

Auf der Seite kochabo.de werden die Inhalte der Boxen detailliert und dennoch übersichtlich präsentiert. Neben den hochwertigen Fotos der Gerichte, werden alle Zutaten und die benötigte Kochzeit angegeben. Die vorausgesetzten Basisprodukte sind angegeben und Besonderheiten (z.B. vegan) durch Icons visualisiert.

Gelungene Produktinszenierung

Abb. 4: Gelungene Produktinszenierung und elegante Reiterlösungen mit integrierten Filtermöglichkeiten

Die Box kann noch auf derselben Maske angepasst und konfiguriert werden, bis sie den individuellen und wechselnden Ansprüchen des Kunden gerecht wird.

Durch die elegante Reiterlösung, sind die Gerichte der aktuellen und sogar der kommenden Woche einzusehen. So weiß man ganz genau, was in der nächsten Woche auf dem Speiseplan steht.

Statt einem kompletten Speiseplan, kann man auf tasybox.de einzelne exklusive Gerichte bestellen. Die Qualität, sowie der Preis sind entsprechend gehoben. Hierfür bekommt der Kunde aber nicht nur Nahrungsmittel, sondern gleich ein ganzes Koch – und Esserlebnis geliefert. Mit Hintergrundinformationen und Geschichte zu den speziellen Gerichten wird das zubereitete Essen zu etwas Besonderem. Außerdem können so auch Hobbyköche einfach mit ihren Werken und ihrem Wissen glänzen.


Unter Berücksichtigung des Marktes, der Zielgruppe und den „Good Practices“ habe ich einige erste Richtlinien und Tipps für Gestaltung und Funktionalität dieser Webseiten abgeleitet.

  1. Hochwertige visuelle Produktinszenierung
    Gerade beim Kauf von Lebensmitteln ist das „Look and Feel“ und die eigenhändige Kontrolle sehr wichtig um sich von Qualität und Frische überzeugen zu können. Da online viele sensorische Informationskanäle nicht genutzt werden können, ist die visuelle Produktinszenierung besonders wichtig. Um sich von der Ware -im wahrsten Sinne des Wortes- ein Bild machen zu können. Es können hochwertige Produktabbildungen und detaillierte Produktbeschreibungen dazu genutzt werden der Qualität der angebotenen Ware zu überzeugen.
  2. Transparenz und Kontrolle ermöglichen
    Bei einem vorbestimmten Speiseplan ist eine detaillierte Einsicht in die Inhalte der Boxen in den kommenden Wochen wünschenswert. Liebevoll gestaltete Produktdetailseiten mit Fotos , Auflistung der Zutaten sowie Produktinformationen, bieten einen guten Einblick in die bestellte Ware. Auch Transparenz über Herkunft und Lieferbedingungen ist von großer Bedeutung. So können die möglichen Zweifel der Kunden genommen und Vorfreude auf die Boxen der kommenden Woche geweckt werden.
  3. Vertrauen kreieren durch Reputation
    Um die vorhandene Skepsis gegenüber der Bestellung von Lebensmitteln entgegen zu wirken, muss das Vertrauen der Kunden gewonnen werden. Die Kundenzitate und Presseberichte fördern die Glaubhaftigkeit des Anbieters. Auch guter Kundenservice und Kontaktmöglichkeiten können das Vertrauen in den Anbieter fördern.
  4. Flexibilität bieten
    Die Boxen sollten einfach den eigenen und schnell wechselnden Bedürfnissen der Kunden anpassbar sein. Kurze Laufzeiten, deutschlandweite Lieferung und flexible Lieferzeiten sowie einzeln buchbare Extras gewährleisten Flexibilität und geben die Kontrolle über seinen Speiseplan zurück.
  5. Niedrige Einstieghürde schaffen
    Durch kurzweilige Videos auf der Homepage kann das Konzept verdeutlicht werden.
    Mit Hilfe von zielgruppenspezifischen Angeboten (siehe Personas), kann die Auswahl der richtigen Produktvariante vereinfacht werden. Zur Gewinnung von Neukunden können auch zwanglose Probierangebot und Geschenkgutscheine helfen.
  6. Konfigurationsmöglichkeiten anbieten
    Es ist wichtig verschieden Produktvariationen und logische Filtermöglichkeiten anzubieten, um die Boxen einfach verschiedenen Bedürfnissen anpassen zu können. Denn gerade Zielgruppen, die Aufgrund von Gesundheits-, Lebensanschauung- oder Religionsaspekten z.B. gluten frei, vegan oder koscher und somit einen Mehraufwand beim Lebensmitteleinkauf haben, könnten einen solchen Service sehr zu schätzen wissen.
  7. Positive User Experience gewährleisten
    User Experience ist bei Lebensmitteln besonders wichtig, da Essen so viel mehr ist als pure Nahrungsaufnahme. Es spielen nicht nur der Geschmack und die Inhaltsstoffe, sondern auch die vielen sozialen Faktoren bei der Nahrungsmittelbeschaffung und -zubereitung eine Rolle. Da die Erfahrung des Offline Einkaufes fehlt, sollte bei der Gestaltung besonders auf den „Joy of Use“ Wert gelegt werden.

Das neuartige Konzept und die untersuchten Webseiten bieten interessante Ansätze und Perspektiven. Der Markt ist schwierig, aber gerade deshalb noch sehr chancenreich. Die möglichen Zielgruppen sind neben Berufstätigen, Alleinerziehenden und Familien auch Silver Surfer.

Durch das Bieten echten Mehrwertes, eine gute Usability und ein ganzheitliches User Experience Design sollte versucht werden, die Nutzer nicht nur satt -sondern auch rundum glücklich zu machen.

3 Gedanken zu „Das Auge isst mit. „Good Practices“ von und für Online-Lebensmittellieferservices

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