Navigation und Inspiration – Good Practices für Sortimentseinstiege in Online Shops

Luis Vuitton

Einstiegsseiten in Sortimente wie z. B. „Damenmode“ oder „Kollektionen“ kommt eine wichtige Rolle zu. Sie sollen die Nutzer einerseits inspirieren, tiefer in das Sortiment einzusteigen und müssen andererseits idealerweise einen guten Überblick bieten über den Inhalt des jeweiligen Sortiments. Wie genau gestalten Online-Shops im In- und Ausland diese Seite? In diesem Beitrag möchte ich dazu ein paar Fundstücke präsentieren und erläutern, von welchen Faktoren es abhängt, wie ein optimaler Sortimentseinstieg aussieht.

Navigation im Fokus

Eddie Bauer

Sortimentseinstieg “Woman” im Online-Shpo von Eddie Bauer


Bei Eddie Bauer bleibt der Layer eines entsprechenden Sortiments ausgeklappt, sobald der Nutzer die Kategorie (hier: Women) direkt angeklickt hat. Die Seite unterhalb passt sich ebenfalls entsprechend an und bietet verschiedene Einstiege (z. B. Kollektionen, Accessoires etc.). Zentraler Vorteil ist hier, dass auch die Nutzer, die „versehentlich“ auf die Hauptrubrik geklickt haben, schnell zur jeweiligen Unterrubrik gelangen können (ohne den Layer noch einmal öffnen zu müssen). Aber auch die Nutzer, die den Einstieg bewusst genutzt haben, können sich einen schnellen Überblick über das Sortiment verschaffen. Bei Klick auf „zur Kollektion“ im Layer gelangen die Nutzer auf eine Produktliste, auf der alle Produkte aller Unterrubriken gesammelt aufgelistet sind. Problematisch ist diese Darstellung allerdings bei kleineren Displays – z. B. auf Netbooks, da der Layer doch sehr groß ist.


Mexx

Sortimentseinstieg “Damen“ im Online Shop von Mexx


Bei Mexx bleibt der Layer im oberen Seitenbereich ebenfalls stehen, sobald auf „Damen“ geklickt wurde. So können die Nutzer einerseits weiter über die Navigation einsteigen. Andererseits passt sich auch die Seite im unteren Seitenbereich entsprechend an und bietet den Nutzer eher themen- und produktspezifische Einstiege in das Sortiment. Besonders schön: Eine Beratungsfunktion (Jeans Guide) wird dort ebenfalls angeboten. Nutzer mit unterschiedlichen Intentionen können dementsprechend über diese Seite sehr gut abgeholt werden.


Next

Sortimentseinstieg “Women“ im Online Shop von Next


Im britischen Online-Shop von Next gibt es keine Sortimentseinstiege im Sinne einer eigenen Seite. Dafür ist die Navigation recht speziell aufgebaut. Klickt ein Nutzer nur die Rubrik „Women“ an, so erscheint ein Layer. In diesem kann der Nutzer dann entsprechend in die Unterrubriken direkt einsteigen (z. B. Röcke, Schuhe). Das Besondere ist allerdings, dass es auch einen Einstieg nach Kollektionen gibt. Dabei wird jede Kollektion mit einem kleinen Bild angeteasert. Dieses öffnet sich per Mouse-Over über den Layer in der Navigation und bietet so bereits einen Eindruck von der Stilrichtung, die die jeweilige Kollektion verkörpert.

Fokus auf Themen- und Kollektionseinstiege

Jack Wills

Sortimentseinstieg “Ladies“ im Online Shop von Jack Wills


Der britische Online-Shop von Jack Wills zeigt auf der Sortimentseinstiegsseite für „Damen“ lediglich eine große Fläche mit 5 verschiedenen Themen (Get the look, Sale etc.). Hier können die Nutzer sich inspirieren lassen und in verschiedene Themen einsteigen. Der direkte Einstieg in einzelne Untersortimente ist über die Navigation am linken Seitenrand möglich. Der Fokus liegt aber eindeutig auf den Thementeasern im Content.


Marc O‘Polo

Sortimentseinstieg “Damen“ im Online Shop von Marc O‘Polo


Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch der Online-Shop von Marc O’Polo. Dieser bietet einen sehr aufgeräumten Einstieg in das Damen-Sortiment. Im oberen Bereich befindet sich eine animierte Bühne, die eher inspirierende Einstiege bietet (Top-Seller, bestimmte Mode-Themen etc.). Unterhalb finden sich dann Einstiege in die verschiedenen Unter-Sortimente (z. B. Kleider, Schals), über die die Nutzer ebenfalls tiefer einsteigen können. Auch hier ist ein direkter Einstieg in weitere Sortimente wieder auf der linken Seite möglich.


BHS

Sortimentseinstieg “Women“ im Online Shop von BHS


Der britische Online-Shop BHS arbeitet auf der Einstiegsseite des Damen-Sortiments mit einem großen Key Visual, das sich über die gesamte Seite erstreckt. Im oberen Bereich wird noch einmal die Navigation angezeigt, die der Nutzer auch im Layer findet. Zunächst sind die Hauptrubriken eingeklappt, lassen sich aber per Klick öffnen. So können die Nutzer auch von hier direkt in die Unterrubriken einsteigen. Im unteren Seitenbereich gibt es zudem eine kleine Bühne mit wechselnden Themen (verschiedene Sortimente, Sale etc.), über die sich die Nutzer inspirieren lassen können. Die Seite wirkt so insgesamt sehr „aufgeräumt“ – die Animation sorgt zusätzlich dafür, dass Aufmerksamkeit auf die Themen unterhalb gelenkt wird.


Fokus auf Emotion und Innovation

Harrods

Sortimentseinstieg “Men“ im Online Shop von Harrods


Bei Harrods gibt es keinen Sortimentseinstieg im Sinne einer Seite, die sich neu öffnet. Vielmehr werden auf der Startseite für jede Hauptkategorie in der Navigation (Women, Men, Accessoires etc.) untereinander einzelne Abschnitte auf der Startseite angeboten. Klickt der Nutzer direkt oben auf z. B. „Men“, so scrollt die Startseite selbstständig zum entsprechenden Bereich nach unten auf die Startseite. Dort haben die Nutzer dann die Option 1) über einen Link auf eine Produktliste mit allen Produkten aus dem Sortiment zu springen oder aber 2) in einzelne Rubriken (z. B. Markenshop Vivienne Westwood) direkt einzusteigen. Die Navigation im oberen Seitenbereich bleibt übrigens immer stehen. So kann der Nutzer auch von einer Rubrik, die eher am Seitenende positioniert ist (z. B. Gifts) schnell wieder in den Einstiegsbereich einer der oberen Kategorien zurücknavigieren.


Luis Vuitton


Luis Vuitton

Sortimentseinstieg “Kollektionen“ im Online Shop von Luis Vuitton. Per Mouse-Over schiebt sich die aktuell gewählte Kollektion (hier „Damen“) in den Vordergrund.


Der Shop von Luis Vuitton bietet ebenfalls einen interessanten Einstieg unter „Kollektionen“. Dort sind zunächst die Damen- und Herrn-Kollektion gleichrangig nebeneinander abgebildet. Fährt der Nutzer mit der Maus über die jeweiligen Unterrubriken einer Kollektion, so vergrößert sich das Key Visual über fast die komplette breite der Bühne. Dennoch bleibt der Einstieg in die Herren-Kollektion sichtbar – er wird lediglich zur Seite geschoben und ausgegraut.

Gemeinsamkeiten in allen Beispielen: Navigation und Inspiration

Wie die Beispiele zeigen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, einen Sortimentseinstieg zu gestalten. Dabei gibt es dennoch einige Dinge, die sich in allen Konzepten wiederfinden:

  • Navigationsmöglichkeiten für einen tieferen Einstieg in das Sortiment: Diese sind in jedem der Beispiele vorhanden – auch die Shops, die eher auf eine emotionale Darstellung achten, bieten diesen Einstieg am linken Seitenrand oder innerhalb des Contents an. Dies bietet den Nutzern einen guten Überblick über die vorhandenen Möglichkeiten.
  • Einstiege in ausgewählte Themen und Unterrubriken: Auch diese Option zieht sich durch fast alle Beispiele wie ein roter Faden. Neben Einstiege in verschiedene Unterrubriken werden auch Einstiege in verschiedene Themen, Stilrichtungen oder Beratungsfunktionen geboten. So werden vor allem die Nutzer abgeholt, die sich inspirieren lassen möchten.

Starke Unterschiede gibt es allerdings in der Gewichtung von Inspiration und Navigation – Wie also setzen Sie den richtigen Schwerpunkt für Ihren Online-Shop?

Wie das Beispiel von Luis Vuitton zeigt, müssen Sie sich nicht unbedingt entscheiden – es ist möglich, emotionale Einstiege mit einer übersichtlichen Navigation zu kombinieren. Bei der Auswahl des richtigen Konzeptes für Ansprache und Navigation sollten Sie folgende Dinge beachten:

  • Zielgruppe – wen möchten Sie ansprechen, wer ist schon auf Ihrem Shop? Diese Erkenntnis kann Sie bei der Entscheidung für ein bestimmtes Konzept unterstützen. Je nach dem ob Sie z. B. Digital Natives oder Senioren ansprechen möchten, kann ein spielerisches Navigationskonzept wie bei Luis Vuitton mehr oder weniger geeignet sein. Personas oder eine Nutzerstrukturanalyse via Onsite-Befragung können hier wichtige Informationen über die Anforderungen und Erwartungen der (Wunsch-)Zielgruppe liefern.
  • Meistgenutzte Auflösung – Wie groß ist der Bildschirm der Nutzer? Hierauf basiert z. B. die Entscheidung darüber, ob Sie einen feststehenden Navigationslayer im oberen Seitenbereich anbieten sollten oder lieber nicht. Hier lohnt sich also auf jeden der Blick in die Webanalyse-Daten.
  • Nutzungsintention – Warum werden Kategorieneinstiege genutzt? Diese Frage ist besonders wichtig, wenn es darum geht, einen Sortimentseinstieg zu gestalten. Wie häufig und mit welcher Intention wird ein Sortimentseinstieg genutzt? Über ersteres können wiederum die Webanalyse-Daten Aufschluss geben. Letzteres lässt sich z. B. in einem Usability-Test erfragen oder beobachten. Werden Einstiegsseiten eher angeklickt, um sich einen Überblick zu verschaffen und dann tiefer in das Sortiment einzusteigen, sollte der Fokus eher auf der Navigation liegen. Wollen sich Ihre Nutzer eher inspirieren lassen, sollte eher die emotionale Ansprache (große Bilder, ansprechende Headlines, Thementeaser) im Vordergrund stehen.

Haben Sie Interesse an weiteren „Good Pratices“? Auch zu anderen Themen und Anwendungen? Mit den eResult Themenjournalen und Trendnewslettern bekommen Sie jeden Monat Inspiration für Ihre eigene Arbeit.

3 Gedanken zu „Navigation und Inspiration – Good Practices für Sortimentseinstiege in Online Shops

  1. Pingback: 10 Lesetipps der Woche für Shopbetreiber » shopbetreiber-blog.de

  2. Pingback: Links der Woche: Spendenkonten Hochwasseropfer, 200 Rankingfaktoren der Google Websuche » Take-me-to-auction

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.