Rückblick auf die IA Konferenz 2013 in Berlin

IA Konferenz

Anfang Mai hatte ich das Glück, an der IA Konferenz in Berlin teilzunehmen. Unter dem Motto „Prozess.Dialog.Qualität.“ gab es in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften 2 Tage lang zahlreiche Vorträge rund um die Themen Konzeption, User Centered Design und agiles Projektmanagement.  Anbei ein kurzer Rückblick auf Vorträge rund um die Frage: Wie kombiniert man eigentlich idealerweise den User Centered Design Prozess mit agilem Projektmanagement?

Anforderungsmanagement als Basis für gute agile Projekte

Jens Christian Jensen von Pixelpark machte in seinem Vortrag deutlich, dass der Schlüssel für gute agile Projekte im User Centered Design im Anforderungsmanagement liegt, bei dem die Anforderungen über User Stories für Konzepter und Entwickler greifbar gemacht werden.

Neben einigen grundlegenden Aspekten zum Thema User Stories (z. B. Warum braucht man eigentlich User Stories und welche Kriterien muss eine „echte“ User Story erfüllen?) waren für mich vor allem die Erfahrungen und Thesen zur Zusammenarbeit und zu den Rollen im Projektteam besonders spannend. Vor allem das Learning, dass Konzepter und Entwickler (gerade im agilen Projektmanagement) eng zusammenarbeiten und viel miteinander reden müssen, deckt sich auch mit meinen Erfahrungen in diesem Bereich. Interessant war in dem Zusammenhang allerdings die These, dass der Product Owner dabei nur das Anforderungsmanangement und Testing überwachen sollte und daher nicht teil des Konzeptionsteams sein darf. Um so spannender, dass der Referent des nächsten Vortrags genau die gegenteilige These vertrat:

Lead Konzepter als Product Owner

Stefan Böhland von FatDUX stellte einen Ansatz vor, der den Lead Konzepter gleichzeitig in der Rolle der Product Owners sieht – anschaulich verpackt in einem Erfahrungsbericht aus einem vergangenen Projekt. Basis für diese Annahme war die Tatsache, dass sich Aufgaben(bereiche) von Lead Konzepter und Product Owner stark überschneiden – ein Vorteil, von dem der Konzepter profitieren kann, indem er z. B. Methoden des User Centered Design (Szenarien, Personas) anwendet, um das Product Backlog zu befüllen.

In einem Spint 0 können so zunächst die Anforderungen der Nutzer erhoben werden (über Szenarien und Personas-Workshops mit dem Kunden), die dann ins Product Backlog einfließen. Ein interessanter Ansatz, der mir vor allem deshalb gut gefällt, da ich es wichtig finde, sich von Anfang mit den Anforderungen realer Nutzer auseinanderzusetzen (und diese mit dem Kunden gemeinsam zu erarbeiten), anstatt nur grobe Annahmen zu treffen und einfach mal drauf los zu konzipieren bzw. zu programmieren.

UX von Unternehmensanwendungen

Arno Bublitz von Nexum befasste sich in seinem Vortrag im Kern mit der Frage: Wie kann man eigentlich sicherstellen, dass Anwendungen in Großunternehmen entsprechende UX aufweisen (bzw. wie kommt es eigentlich, dass die UX von Unternehmensanwendungen oft so schlecht ist?). Anhand zweier unterschiedlich komplexer Fallbeispiele verdeutlichte er die Unwegbarkeiten und Herausforderungen in Großunternehmen, wenn es darum geht, die Anwendungen, mit denen die Mitarbeiter arbeiten, mit entsprechender UX zu versehen. Angefangen bei den Ursachen bis hin zu konkreten Fallbeispielen, die verdeutlichen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um Anwendungen mit guter UX im Unternehmen zu etablieren.

Testing im agilen Kontext

Mit dieser Thematik habe ich mich selbst im Rahmen meines eigenen Vortrags befasst, den ich auf der Konferenz halten durfe. Denn als UX Consultant treibt mich natürlich vor allem die Frage um:  Wie bringt man in den ohnehin schon zeitlich knapp bemessenen Sprints noch eine Usability-Evaluation unter – idealerweise natürlich unter Einbeziehung von Nutzern der Zielgruppe? „Klassische“ Methoden sind hier häufig zu zeitintensiv und würden den Rahmen sprengen. Dennoch gibt es verschiedene Optionen – vom agilen Testing, über Kundenblogs bis hin zu Ein-Tages-Workshops mit Experten. In der Regel lässt sich hier für jedes agile Modell eine praktikable Lösung finden.

Viele Eindrücke und kontroverse Diskussionen

Aus den vielen Vorträgen und den Diskussionen mit Kollegen verschiedenster Branchen und Unternehmen habe ich in den 2 Tagen sehr viel Input und Erfahrungen mitnehmen können. Vor allem habe ich festgestellt: DIE Lösung für die Kombination von agilem Projektmanagement und User Centered Design gibt es nicht. Dafür sind Anforderungen, Strukturen, Rollen und Projekte einfach zu unterschiedlich – es ist also wie so oft Flexibilität gefragt: Angefangen bei der Planung, über die Anforderungsanalyse und Entwicklung bis hin zur die Einbeziehung von Nutzerfeedback in die Entwicklung.

Ich habe auf jeden Fall interessante Ansätze kennengerlernt, wie man mit unterschiedlichen Herausforderungen umgehen kann. Ich gehe davon aus, dass es hier in Zukunft noch viele Diskussionen, Modelle, Meinungen aber vor allem Weiterentwicklungen und Erfahrungen geben wird. Ich bin schon gespannt, welche neuen Erfahrungen und Ansätze sich bis zur kommenden IA Konferenz ergeben – ich bin hoffentlich wieder dabei 🙂

Ein Gedanke zu „Rückblick auf die IA Konferenz 2013 in Berlin

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