Mobile first – Anforderungen richtig erfassen

Die Erstellung bzw. Verbesserung des mobilen Webauftritts steht für viele Unternehmen ganz oben auf der Agenda. Das ungebrochene Wachstum bei der Verbreitung von Smartphones und Tablets macht diesen Schritt unumgänglich.

Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungsszenarien und der gegebenen Restriktionen durch Screen-Größen, ist es unumgänglich, sich über die wichtigsten Funktionen und Inhalte Gedanken zu machen, um diese bedarfsgerecht zu präsentieren.

Welche Methoden hierfür zur Verfügung stehen, möchte ich einmal zusammenfassen:

Nutzerbefragung zur Priorisierung von Anwendungsfällen

Die naheliegende Methode, wenn es um die Erfassung von Anforderungen und Erwartungen geht. Mittels einer Online-Befragung können sowohl die aktuellen Nutzer der mobilen Website (wie auch immer der Status quo sein mag) über eine Onsite-Befragung (natürlich in einer für Smartphones optimierten Darstellung) einbezogen werden oder aber auch die Zielgruppe losgelöst von der Seite einbezogen werden (Panel-Befragung). So lassen sich Intentionen des mobilen Zugriffs festhalten, aber auch typische Nutzungssituationen erfragen, die bei der Konzeption helfen, sich zu fokussieren und nicht am Nutzer vorbei zu denken – denn allzu oft ist man in seiner eigenen Welt gefangen, hat einen ganz anderen Blick auf die angebotenen Inhalte und Funktionen.

Fokusgruppen zur Sammlung von Use Cases und insbesondere der Hintergründe

Den intensiven Austausch mit einer kleinen Gruppe von Nutzern empfinde ich immer als besonders wertvoll. Es ist möglich, Rückfragen zu stellen, mehrere Sichtweisen aufzunehmen und diese zu diskutieren. So kommen oft spannende Erkenntnisse zu Tage, die im Verborgenen geblieben wären, wenn lediglich eine einseitige Informationsabfrage erfolgt – ohne Dialog.

Insbesondere in frühen Entwicklungs- bzw. Konzeptionsphasen kann man mit der Unterstützung einer Fokusgruppe überprüfen, ob der gewählte Ansatz richtig ist, es lassen sich Ideen und erste Konzepte für den mobilen Auftritt präsentieren und gemeinsam weiterentwickeln. Allein die Einbeziehung der unterschiedlichen Erfahrungen der Anwender und auch deren Kenntnis von Konkurrenzprodukten ist oft Gold wert und hilft, den eigenen Horizont zu erweitern.

Nutzertagebücher – näher dran geht nicht

Gerade um das Zusammenspiel verschiedener Nutzungsszenarien und unterschiedlicher Geräte transparent zu erfassen, eignen sich Nutzertagebücher. Über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen oder gar Monaten dokumentieren die Nutzer Kontaktpunkte und ihr Informationsverhalten. Relevant ist dieses bei komplexeren Entscheidungen, wie beispielsweise einem Autokauf, der nicht aus dem Stehgreif entschieden wird.

Mit relativ geringem Aufwand schaut man quasi dem Nutzer über die Schulter, ist nahezu live dabei über einen längeren Prozess hinweg. So findet nicht nur eine Momentaufnahme statt, sondern über mehrere Informations- und Entscheidungsphasen hinweg lernt man ein tieferes Verständnis der Nutzeranforderungen und –bedarfe, die dann in die Konzeption bzw. Weiterentwicklung u.a. des mobilen Auftritts einfließen.

Nutzergerecht konzipieren ist daher der Schlüssel zum Erfolg eines Webauftritts, der auf den verschiedenen Endgeräten die Wünsche des Nutzers trifft. Dabei gilt es nicht nur „Mobile first“ zu berücksichtigen, sondern alle Kontaktpunkte im Blick zu haben – weil eben sehr wahrscheinlich nicht nur eine Variante genutzt wird.

Wie sind Ihre Erfahrungen bei der Entwicklung von Websites für unterschiedliche Endgeräte? Mit welcher Methode haben Sie die besten Erkenntnisse zu Tage gefördert, die Ihnen geholfen haben, den Nutzer zu verstehen?

3 Gedanken zu „Mobile first – Anforderungen richtig erfassen

  1. Ralf Baumann

    Die Nutzertagebücher finde ich toll. Das der Nutzer selbst dazu motiviert wird aufzuschreiben, wie er was benutzt, kommt meiner (wohl kaum durchzusetzenden) Idee sehr nahe, dass eigentlich die Nutzer selber die Anforderungen mit Hilfe eines Requirements Engineer definieren müssten. Leider ist diese Gelegenheit eher selten. In meinem Blog versuche ich mich auch mit dem Thema RE auseinanderzusetzen und habe mich deshalb über den Link auf diesen Blog sehr gefreut.

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  2. Pingback: Top-Themen der letzten 30 Tage | Usabilityblog.de

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