Eyetracking auf mobilen Endgeräten – mobile Websites und Anwendungen gezielt optimieren

Gazeplot Tablet

Das Surfen im Internet verlagert sich immer stärker auf mobile Endgeräte. Laut einer aktuellen Studie des BVDW ist der Anteil täglicher Smartphone-Nutzer seit 2011 um 41% angestiegen, während im gleichen Zeitraum die tägliche PC-Nutzung um 33% abgenommen hat. Um den Anschluss an die Zielgruppe nicht zu verlieren, muss man sich auch mobile positionieren. Eine 1 zu 1 Übersetzung der Website oder Anwendung auf den mobilen Kontext ist natürlich nicht möglich – neue Konzepte des Layouts und der Bedienung müssen realisiert werden, um den Bedürfnissen der mobile User gerecht zu werden. Diese sollten natürlich im Usability-Test mit den Nutzern getestet werden. Während zuvor auf mobilen Angeboten nur das Nutzerverhalten beobachtet werden konnte, ist nun auch der Einblick in das Blickverhalten mit Hilfe von Eyetracking mit dem X2 Eyetracker aus dem Hause Tobii und dem entsprechenden Mobile Device Stand möglich.

Auch die Übersetzung der Eyetracking-Methode von Websites auf mobile Endgeräte ist nicht 1 zu 1 möglich.

  • Wie das Eyetracking auf mobilen Endgeräten funktioniert,
  • was dabei anders ist als beim Eyetracking am Desktop,
  • für welche Fragestellungen und Einsatzgebiete es sich eignet
  • und was man alles bei der Planung eine entsprechenden Projekts beachten sollte,

erfahren Sie in diesem Artikel.

Funktionsweise und was anders ist als beim Eyetracking am Desktop

Auch beim Eyetracking auf mobilen Geräten handelt es sich um ein berührungsloses Verfahren, bei dem über Infrarotkameras die Position der Pupille detektiert und auf den Testgegenstand übertragen wird. Im Gegensatz zum Eyetracking am Monitor ist jedoch eine zusätzliche Kamera notwendig, um ein Bild des Testgegenstands zu erzeugen (siehe Skizze). Natürlich müssen Testgegenstand, die Kamera und der Eyetracker in festen Abständen positioniert werden, damit die Projektion der Augenbewegungen der Testperson auf den Testgegenstand erfolgen kann. Das macht eine Art Gestell erforderlich. In diesen so genannten Mobile Device Stand wird der kompakte Eyetracker der X2-Familie aus dem Hause Tobii, eine Webcam und der Gegenstand eingespannt.

 

 

Skizze der Funktionsweise vom Eyetracking an mobilen Endgeräten

Skizze der Funktionsweise vom Eyetracking an mobilen Endgeräten

Der Mobile Device Stand kann über unterschiedliche Halterungen auf den Test des Smartphone oder Tablets eingestellt werden (siehe Abbildungen unten). Über die Änderung des Winkels, kann er individuell auf die Größe der Testpersonen angepasst werden. Auch der Wechsel von der Landscape- in die Portrait-Haltung während des Tests ist möglich: das mobile Endgerät kann dafür auf der Halterung gedreht werden.


Aus diesem Aufbau folgt, dass die einzige Verbindung zwischen dem Blickverlauf der Testperson und dem Testgegenstand eine Videoaufnahme ist. Beim monitorbasierten Eyetracking sind die Blickdaten dagegen an die URLs der Websites gekoppelt, d. h. die Websites können gescrollt und gewechselt werden, die Zuordnung der Fixationen zur bestimmten Website und einer bestimmten Position darauf kann dann automatisch erfolgen. Beim Eyetracking auf mobilen Geräten ist dagegen etwas mehr manueller Aufwand notwendig. Der Auswerter muss bestimmen, welche Blickverläufe zu welchen Seiten und welchen Seitenbereichen gehören.

Einsatzgebiete und Fragestellungen

Der vorgestellte Aufbau ist für die Untersuchung von mobile bzw. responsive Websites und Apps, auf Tablets oder Smartphones und auf allen Display-Größen dazwischen geeignet. Es können prinzipiell die gleichen Fragestellungen wie bei der Untersuchung von Websites und Anwendungen am Desktop beantwortet werden. Bei der Erhebung der Usability kann es unterstützend für aufmerksamkeitsbezogene Fragestellungen eingesetzt werden z. B.:

  • Wie verschaffen sich Nutzer einen Überblick über die Website?
  • Welche Elemente werden zuerst angeschaut, welche erst später?
  • Welche Elemente bekommen viel Aufmerksamkeit, welche wenig?
  • Wird das Element XY bemerkt (wenn es z. B. zur Aufgabenlösung nicht herangezogen wird)?

Weiterhin ist ein gezielter Einsatz zur Untersuchung der Werbewirkung möglich. Hierbei werden z. B. einzelne Werbeanzeigen in Bezug auf Kontaktwahrscheinlichkeiten, Zeiten bis zum ersten Kontakt und die Aufenthaltsdauer verglichen. Diese Daten werden dann in Zusammenhang mit guter oder schlechter Erinnerungsleistung gebracht. Hierfür ist in der neuen Version der Auswertungssoftware Tobii Studio 3.2.1 eine neue Funktion realisiert: Dynamic AOI. Damit muss die Markierung (AOI), die man um einen Bereich den man untersuchen möchte (z. B. eine Werbeanzeige), nicht stationär sein, sondern bewegt sich automatisch mit dem zu untersuchenden Bereich mit. Sollte dieser zwischenzeitlich bei der Interaktion nicht mehr im sichtbaren Bereich sein, kann die Markierung deaktiviert werden. Auf diese Weise können Video-Inhalte, so wie es bei dem Test mobiler Anwendungen der Fall ist, gezielt untersucht werden.

Was muss bei der Planung eines Eyetracking-Tests auf mobilen Endgeräten beachtet werden?

Zuerst muss klar sein, ob die Anwendung am Tablet und Smartphone und sogar auch am Desktop getestet werden soll und wie stark sich Anzeige und Bedienung auf den einzelnen Ausgabesystemen unterscheiden. Als Daumenregel gilt: 5-8 Testpersonen pro Zielgruppen-Cluster und pro Gerät. Sind die Unterschiede in der Anzeige und Bedienung nicht so groß, entstehen Synergie-Effekte. Viele Probleme der Touchebility, die im Smartphone-Test erhoben werden, lassen sich auf die Bedienung am Tablet übertragen. Ebenfalls gelten viele Probleme des Layouts, die am Desktop festgestellt wurden auch für das Tablet. Dementsprechend sind für den Tablet-Test meist weniger Testpersonen notwendig.

Weiterhin muss klar sein, ob die Testpersonen ihr eigenes Gerät benutzen sollen oder ob immer das gleiche Gerät verwendet wird. Der erste Fall ist genauer, da die Ergebnisse nicht durch Probleme mit dem Gerät an sich verfälscht werden. Hier sollte der Fokus jedoch nicht auf Heatmaps liegen, da die Geräte unterschiedliche Auflösungen haben.

Was beim Eyetracking-Test immer ganz wichtig ist: im Vorfeld bestenfalls klare Hypothesen formulieren, auf die der Test eine Antwort liefern soll.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Einsatz lohnt sich!

  • Viele Erkenntnisse, die die Aufmerksamkeit betreffen, werden geliefert,
  • dadurch sind gezielte Optimierungen möglich.
  • Denn die Nutzer wollen mobile Anwendungen und Websites konsumieren und
  • erwarten, dass diese auf den mobilen Kontext optimiert sind.

Ist der Einsatz beschlossen, sollten für ein effizientes Testdesign folgende Dinge beachtet werden:

  • Ein hypothesengetriebenes Vorgehen ist noch wichtiger als beim Eyetracking am Desktop.
  • Bei kombinierten Tests (Smartphone, Tablet, Desktop) ergeben sich Synergie-Effekte.
  • Keine Sorge, hierbei unterstützt natürlich eine Usability-Agentur, wie z. B. eResult GmbH gerne!

Quellenangaben:

• Studie: Deutschland wird Mobile – Sind die Unternehmen vorbereitet? BVDW, veröffentlicht am 26.08.2013
• Bilder: tobii.com

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