Ich bin dann mal weg! Such- und Filterfunktionen mobiler Reise-Apps

Pauschalreisen stellen seit Jahren die wichtigste Reiseform für deutsche Urlauber dar – dabei wird die Suche nach solchen Reiseangeboten bereits von 45 Prozent aller Internetnutzer auch von mobilen Endgeräten aus vorgenommen. In Bezug auf den Gesamtumsatz der Tourismusbranche entspricht dies einem potenziellen Umsatzanteil von rund 2,4 Milliarden Euro – jene Nutzer, welche sich ausschließlich mobil und nicht über das stationäre Internet informieren nicht einbezogen.[1]

Reiseanbieter erkennen dieses Kundenpotenzial und stellen bereits zahlreiche mobile Reise-Apps zur Verfügung. Doch wie gut unterstützen diese Apps die individuelle Suche nach der passenden Pauschalreise? Welche Such- und Filterfunktionen werden angeboten und wie werden diese umgesetzt?

Dies und mehr zum Thema Nutzung, Funktionalität und Usability bei Reise-Apps erfahren Sie in diesem Beitrag:

Pauschalreisen und mobiles Suchen & Buchen

Dass die Deutschen eine Urlaubsnation sind, ist weitgehend bekannt. Es überrascht wenig, dass in Sachen Urlaub Pauschalreisen nach wie vor die wichtigste Reiseform darstellen. Gesucht – und auch immer öfter gebucht – wird dann, wie soll es anders sein, im Internet. So zeigt die aktuelle Studie des Verbandes Internet Reisevertrieb (VIT)[2], dass 2012 bereits 89 % der deutschen Urlauber, welche das Internet im Allgemeinen nutzen, dieses auch zur Information über Urlaubsreisen nutzen. Dass dies heutzutage auch immer mehr über das mobile Internet passiert, verwundert kaum, denn Smartphones und Tablets dominieren immer mehr den Webzugriff, sei es von unterwegs oder von zu Hause auf der Couch.

Aktuelle Studienergebnisse der eResult zum Thema zeigen, dass von allen deutschen Onlinern, welche in den letzten drei Jahren mindestens eine Pauschalreise gebucht haben, sich bereits einmal rund 45 % auch über ihr Smartphone oder Tablet zum Thema Pauschalreisen informiert haben. Der Anteil der Informationssuchenden via Smartphone übersteigt hierbei mit 21 % noch deutlich die Tablet-Nutzung (8 %). Rund 16 % sind auf beiden Geräten unterwegs. Hierbei stöbert der Großteil von 81 % ganz unspezifisch nach Angeboten zu Pauschalreisen. Mehr als die Hälfte (57 %) ist hingegen auf der Suche nach gezielten Informationen zu einem konkreten Reiseangebot. Als Ergebnis der Informationssuche leitet im Schnitt gut die Hälfte der Smartphone- und Tablet-Nutzer dann die gefunden Infos an die eigene Mailadresse weiter oder speichert diese in den Favoriten der Reise-App, um später noch einmal auf die Inhalte zugreifen zu können.

Knapp 17 % haben bereits über ihr Smartphone oder Tablet eine Pauschalreise mobil gebucht. Doch in wie weit werden die mobilen Nutzer und potenziellen Kunden von den Reiseunternehmen denn nun bei der mobilen Suche unterstützt?

Rein theoretisch stehen Reisenden und Urlaubern schon mehr als 30.000 Reise-Apps zur Verfügung – und rund zwei Drittel der deutschen Smartphone-Nutzer machen von diesen Angeboten auch Gebrauch; haben bereits eine Reise-App installiert (vgl. VIT-Studie). Bleibt also nur noch die Frage offen, inwieweit solche Applikationen nun den Nutzer bei seiner konkreten Suche oder dem Stöbern nach Pauschalangeboten funktional unterstützen. Von Seiten der Tourismusbranche werden diesbezüglich grundlegende Trends und Anforderungen der zunehmenden Individualisierung und wachsenden Nachfrage nach individuell angepassten Reiseangeboten von Seiten der Urlaubssuchenden genannt („ich will mein individuelles Angebote“). Vor dem Hintergrund einer möglichst weitreichenden Standardisierung der Angebote seitens der Reiseanbieter (Stichworte: Kosten und Effizienz) gewinnen diesbezüglich also vor allem Such- und Filterfunktionalitäten an Relevanz, welche es dem Nutzer ermöglichen aus dem Angebote-Pool seine ganz individuelle Reise zu finden.

Relevanz von Such- und Filterfunktionen: Verfügbarkeit und Umsetzung

Für den mobilen Nutzer sind auf der Suche nach der Pauschalreise somit zwei grundlegende Aspekte relevant: erstens, welche Such- und Filterfunktionen stehen mir grundsätzlich zu Verfügung? Und zweitens, wie sind diese umgesetzt?

Während sich die erste Frage damit beschäftigt, wie gut die Reiseanbieter ihre Kunden und deren (Filter-)Bedürfnisse kennen, betrifft die zweite Frage die Qualität der Umsetzung, welche vor dem mobilen Nutzungskontext ungleich an Bedeutung gewinnt. Neben Anzahl und Art der Wahlmöglichkeiten sind hier also vor allem auch deren mobiloptimierte und intuitive Bedienbarkeit nutzungsrelevant. Denn entspricht die Anwendung nicht den impliziten Erwartungen, bzw. wird als unzureichend oder zu kompliziert angesehen, ist der potenzielle Kunde ganz schnell beim einem der nächsten Anbieter.

Um diesbezüglich einen Überblick über den Status-quo der Reise-Apps für Pauschalreisen zu bekommen, habe ich mir einmal verschiedene Apps bekannter Reiseanbieter wir Expedia, Opodo, TUI, L’TUR, Thomas Cook/Bucher oder weg.de angesehen.

Verfügbarkeit

Hinsichtlich der Such- und Filterfunktionen als auch hinsichtlich deren Umsetzung fällt auf, dass sich hier einige der Apps stark überschneiden. So bieten beispielsweise TUI, Opodo, Expedia oder weg.de recht einheitliche Filteroptionen mit einer weiterstgehend identischen Umsetzung an. Im Gesamten bieten alle Reise-Apps die Möglichkeit Abflughafen und Reiseziel sowie Angaben zum Reisedatum, Reisedauer, Reisenden als größtenteils auch zu Hotelmerkmalen wie Sterne, Verpflegung oder Zimmertyp anzugeben.

Abb. 1: Gestaltungsoptionen der Reisedateneingabe (Quelle: TUI/Opodo)

Abb. 1: Gestaltungsoptionen der Reisedateneingabe
(Quelle: TUI/Opodo)

Es fällt jedoch ebenfalls auf, dass in Bezug auf das stationäre Pendant teilweise Abstriche im Funktionsumfang gemacht werden. So bieten die meisten Apps lediglich die Eingabe des Abflugdatums bzw. Abflugzeitraums sowie der Reisedauer an, nicht jedoch die aus dem stationären Bereich bekannte Option des spätesten Rückreisedatums. Dies hat zwei (negative) Konsequenzen. Erstens: der Nutzer muss rechnen, wann er denn spätestens abreisen kann, um auch zum letzten Urlaubstag wieder vor Ort zu sein. Zweitens: Urlauber, welche bezüglich der Reisedauer noch im Unklaren sind, verlieren an Planungsflexibilität, da sie in Bezug auf die Rückreise mit der maximalen Reisedauer rechnen und ihr Abflugdatum entsprechend setzen müssen. Beides kann zu einer mangelhaften User Experience in der Anwendung führen. Opodo, Bucher und Lastminute.de bieten dem Kunden hingegen die Option der Eingabe des spätesten Rückflugdatums an. Da der Nutzer dies – aufgrund stationärer Erfahrungen – erwartet, ist diese Option auch zu bevorzugen. Alles andere macht die Nutzung kompliziert und sorgt für Verwirrungen und Fehleingaben.

Abb. 2: Auswahl von Such- und Filterfunktionen (TUI)

Abb. 2: Auswahl von Such- und Filterfunktionen (TUI)

Weiter zu beobachten ist, dass zwar in fast allen Apps weitere Basiskriterien wie Hotelkategorie, Verpflegungswunsch und Zimmertyp eingegeben werden können, weitere Such- und Filteroptionen jedoch weitgehend fehlen. Die umfassendste Such- und Filterfunktionalität bietet die App von TUI, in welcher zusätzlich auch in Abhängigkeit von Preislimit, Hotelbewertung und Weiterempfehlungsrate gesucht werden kann (vgl. Abb. 2).

Die Option über eine „+“-Button eine erweiterte Suche zu öffnen, in welcher zusätzliche Kriterien wie Strandnähe, Kinderfreundlichkeit oder Wellness- und Sportangebote angegeben werden können, war hingegen in keiner der gesichteten Apps verfügbar. Schade, denn dies könnte die Suche bzw. die Suchergebnisse noch individueller machen und so die Nutzerzufriedenheit steigern.

 

Umsetzung

Hinsichtlich der Umsetzung warten alle Apps bereits mit einer grundsätzlich guten Bedienbarkeit via Touchdisplay auf. Differenzen gibt es in Bezug auf die Eingabemasken und Platzierung der Such-Buttons.

Abb. 3: Eingabe des Abflughafens mit Eingabe-Wheel (Opodo) und Mehrfachoption+LBS (L’TUR)

Abb. 3: Eingabe des Abflughafens mit Eingabe-Wheel (Opodo) und Mehrfachoption+LBS (L’TUR)

Bezüglich der Eingabe des Abflughafens setzen die meisten Apps bspw. auf die für mobile Geräte bekannten Eingabe-Wheels. Lastminute.de und L’TUR verwenden hingegen Eingabefelder, welche es im Gegensatz zur Eingabe via Wheel ermöglichen, auch mehrere Abflughäfen auszuwählen – ein echter Vorteil wie ich finde. Ein Schmankerl bietet L’TUR zudem noch indem die App als einzige (!) Location Based Services zur Flughafenwahl anbietet. Ein weiterer Mehrwert, der im mobilen Bereich eigentlich Standard sein sollte. Ebenso die Option den aktuellen Umkreis zu berücksichtigen, denn unter Umständen bin ich mir über irgendwelche (kleineren) Abflughäfen in der Umgebung des gewünschten Startflughafens gar nicht bewusst.

Abb. 4: Eingabe des Reisedatums via Wheel (Opodo) und Kalender (L’TUR)

Abb. 4: Eingabe des Reisedatums via Wheel (Opodo) und Kalender (L’TUR)

Auch für die Eingabe der Reisedaten werden von quasi allen Apps Eingabe-Wheels genutzt. Auch hier wartet die App von L’TUR wieder mit einer alternativen Lösung auf und bietet eine Datumseingabe via Kalender an (vgl. Abb. 4). Obwohl die intuitiv bedienbaren Eingabe-Wheels sich klassischerweise einer hohen Nutzerfreundlichkeit erfreuen und daher weit etabliert haben, wird der Vorteil der – ebenfalls gut bedienbaren – Kalenderlösung vor dem Hintergrund der Urlaubsplanung direkt ersichtlich: der Nutzer kann bequem (Urlaubs-) Wochen und Wochentage einsehen, was für die Reiseplanung sehr hilfreich sein kann. Welche der verschiedenen Eingabeoptionen nun aber tatsächlich vom Gros der Nutzer bevorzugt wird, wäre wohl Gegenstand eines Usability-Tests.

Zu guter Letzt unterscheiden sich die Apps hinsichtlich der Platzierung des Such-Buttons. Die aus dem stationären Web bekannte Regel die wichtigen, weiterführenden Buttons prominent unten rechts zu platzieren ist mobil ja so nicht 1:1 umzusetzen. Also wohin damit? Die Lösungen differenzieren in Bezug auf Größe, Platzierung und somit auch Sichtbarkeit und Prominenz.

 

Abb. 5: Platzierung der Such-Buttons unten (weg.de, TUI, Bucher) sowie oben rechts (L’TUR, Expedia)

Abb. 5: Platzierung der Such-Buttons unten (weg.de, TUI, Bucher) sowie oben rechts (L’TUR, Expedia)

Die meisten Apps adaptieren den Web-Kontext und platzieren den Button am Ende des Eingabebereichs. In der Folge wird der Nutzer diesen hier zwar wohl gut finden, muss aber immer nach unten scrollen – auch wenn er gar nicht alle Such-/Filterfunktionen nutzt, sondern einfach nur stöbern möchte. Bucher löst dies, indem der Such-Button am Seitenende immer fix angezeigt wird. Sicherlich ein guter Lösungsansatz, über die Gestaltung und Erkennbarkeit des Buttons lässt sich noch diskutieren. Alternativ bieten z.B. L’TUR und Expedia den Button oben rechts an, so dass dieser stets sichtbar ist. Eine gute Lösung wie ich finde – aber auch hier sollte zur Entscheidung über die Platzierung und Gestaltung die Zielgruppe gefragt werden, sei es über ein Lab-Test oder ein A/B-Vergleich.

Fazit

Zwischenzeitlich suchen 45 % der „pauschalreisenden“, deutschen Internetnutzer bereits mobil nach entsprechenden Reiseinformationen. Entsprechend sind schon zahlreiche mobile Reise-Apps verfügbar. Diese bieten die gängigen Basisfunktionen, beinhalten jedoch teilweise noch funktionale Einschränkungen, welche sich negativ auf die User Experience auswirken können. Erweiterte Suchfunktionen werden (noch) nicht angeboten. Hinsichtlich der Umsetzung zeigt sich, dass eine standardisierte Übernahme mobiler Bedienelemente nicht immer zwingend die optimalste Lösung darstellt und immer noch einmal anwendungsspezifisch zu hinterfragen ist. Denn wie bei allen Informationssystemen sollte der Nutzer auch bei der Gestaltung und Entwicklung mobiler Reise-Apps das Maß aller Dinge sein – er soll ja auch buchen.

Quellen:

  • [1] Basis der Berechnung stellt der Anteil an Pauschalreisen (40%) und Onlinenutzer (55%) sowie der Gesamtumsatz der Tourismusbranche von 24,4 Mrd. Euro (vgl. DRV „Fakten und Zahlen 2012“) dar.
  • [2] Verband Internet Reisevertrieb (VIT): „Daten & Fakten zum Onlinereisemarkt 2013“, 8. Ausgabe.</>

4 Gedanken zu „Ich bin dann mal weg! Such- und Filterfunktionen mobiler Reise-Apps

  1. Laszlo

    Sehr interessanter Artikel!

    Mich würde allerdings sehr interessieren, wie bezüglich der tatsächlichen Buchung die Aufteilung zwischen Tablet- und Smartphonenutzung aussieht. Für die Recherche wurde das im Artikel aufgeschlüsselt, aber für die Buchung leider nicht.

    Interessant wäre auch die Gegenüberstellung von (Smartphone-)App und mobilen Seiten. Die Eingangshürde für die Installation eines Apps sich sicherlich höher als die URL eines Anbieters aufzurufen 🙂

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  2. Susanne Niklas Beitragsautor

    Ja, leider kann man umfangsbedingt nicht immer alles aufnehmen, aber kein Problem (-:

    Via Smartphone hatten kanpp 9 % der Befragten gebucht, via Tablet gut 7 % (bei insg. knapp 17 % „mobilen Buchern“; Mehrfachnennung war möglich) – durchaus ein nicht unbedingt zu erwartendes aber interessantes Ergebnis, wie ich finde : )

    Zum Informationsverhalten allgemein: Hier hatten rund 81 % sich schon mal über den mobilen Browser informiert, 57 % via App (auch hier waren Mehrfachnennungen möglich).

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