Jobsuche 2.0 – was mobile Jobportale bieten (oder auch nicht)

Fach- und Führungskräftemangel und der Kampf um junge Talente sind die Dauerthemen, die aus der deutschen Unternehmenswelt zu hören sind. Auf der anderen Seite bringen uns Markt- und Medienforscher bei, dass nicht mehr nur die Digital Natives permanent mit dem Handy ins Internet gehen, sondern zwischenzeitlich auch rund jeder Zweite Ü-30 dem neuen Lebensmotto „always-on“ verfallen ist.[1] Doch wie passen diese beiden Trends zusammen? Die Antwort scheint offensichtlich: Unternehmen legen zunehmend Wert auf ein „Mobile Recruiting“, sprich eine Bewerberansprache, die auch der Nutzung via Smartphone und Co. gerecht wird. So achten beispielsweise 64 % der Unternehmen bei der Auswahl von Online-Jobbörsen darauf, dass diese auch mobil zugänglich sind.[2] Doch was bedeutet hier denn „mobil zugänglich“?
Die Antwort hierauf und auf die Frage inwieweit mobile Jobportal-Apps diese Anforderungen nicht nur auf dem Papier – gegenüber Kunden – sondern auch tatsächlich, gegenüber den Nutzern, erfüllen, gibt der folgende Beitrag.

Basisanforderungen: Use Case mobile Jobsuche

Wie wir gelernt haben – und in zahlreichen Beiträgen in diesem Blog nachlesen können – bedeutet „mobil optimiert“ nicht nur, dass die Seiten und Seiteninhalte auf den kleineren Displays gut dargestellt werden und bedienbar sind, sondern eben auch, dass die nötigen Inhalte den Erwartungen und Anforderungen der Nutzer entsprechen – also deren typische Nutzungsszenarien, alias Use Cases, bedienen können. Im Fall „mobile Jobbörse“ keine allzu komplexe Herausforderung sollte man meinen. Adaptieren wir unser Format also auf das mobile Display. Dies kann klassischerweise durch die mobile Optimierung der Webseite sowie natürlich auch durch das Angebot einer mobilen App geschehen – was sich gerade vor dem Hintergrund der Nutzervorlieben bei einem solch konkreten Such- und Informationsverhalten sowie der Bekanntheit der Anbieter anbietet. Fokussieren wir uns also erst mal auf die Funktionen und versetzen uns in die Situation eines Jobsuchenden. Was möchte ich da wissen bzw. eingeben können? Zum einen möchte ich natürlich eine Stichworteingabe haben, die mir ermöglicht genauso (un-)spezifisch suchen zu können wie es mir beliebt – z. B. nach Ausschreibungen im Bereich „Mobile User Experience“. Und weil ich schon ein paar Tage in diesem Bereich arbeite, wäre ich ganz froh, wenn mir hierzu nicht alle Praktika-Stellen angezeigt werden, welche in der Regel das Angebot „normaler Ausschreibungen“ bei weitem übersteigen. Das Einstiegslevel respektive die Berufserfahrung möchte ich also auch angeben können. Kommt noch der Ort hinzu – weil ich sesshaft geworden bin oder in neue Welten aufbrechen – oder einfach nur nicht nach Hintertupfingen ziehen möchte – egal, Ortssuche ist mir also auch wichtig. Wir halten fest: Stichwort, Ort, Einstiegslevel. Mal sehen was mir die großen Player am iOS-App-Markt so bieten.

Angesehen habe ich mir JobScout, StepStone, Stellenanzeigen.de, CareerBuilder, Monster, Jobware und JobStairs. Und siehe da, alle Apps bieten mir die Option ein Stichwort eingeben zu können. An der Gestaltung kann man nicht sehr viel falsch oder besser machen als die Konkurrenz. Aber wie sieht es denn mit der Ortseingabe aus? Grundsätzlich bieten mir auch hier alle Apps die Möglichkeit, in irgendeiner Art Eingaben zum Ort zu machen. „In irgendeiner Art“ kann allerdings recht unterschiedlich ausfallen. So bieten mir vier Anbieter ein klassisches Eingabefeld, in welchem ich einen Ortsnamen eintragen kann. Erfreulich: alle diese Anbieter geben mir auch die Option mich via LBS Orten zu lassen und mir so das Tippen zu sparen. Zusätzlich bieten mir JobScout, StepStone und CareerBuilder noch die Möglichkeit der Umkreissuche von bis zu 160km an. Als Alternative bekomme ich bei Stellenanzeigen.de über den Button „Suchen in“ noch eine Liste mit allen Orten Deutschlands, gefühlte 3.000, welche über das hessische Hattersheim bis zum schwäbischen Waldenbuch alle Orte aufführt. Dies immerhin mit nun doch eingebundenem Suchfeld und LBS (über Sinnhaftigkeit und Design lässt sich ja bekanntlich streiten;). Alternative drei der Ortseingabe: Bundesländerlisten. Gefunden bei JobStairs und JobWare, wobei letztere mir leider nur ermöglichen mich in einem Bundesland umzusehen. Für mich als Zweiländereck-Kind zwischen Frankfurt, Mainz und Wiesbaden recht ungünstig. Gibt von mir einen Usability-Minuspunkt. JobStairs lässt mich hingegen mehrere Bundesländer wählen und bietet mir neben „ortsunabhängig“ – was wohl für „deutschlandweit“ stehen soll – auch die Option „international“ zu suchen. Finde ich gut. Dennoch geht mein Like hier (ganz knapp) an Monster, welche mir zur Ortseingabe und LBS die Möglichkeit bietet, über die Einstellungen neben dem Umkreis bzw. Suchradius auch das Zielland zu wählen (vgl. Abb. 1).

 

 

Abb. 1: Such- und Filterfunktionen der Monster-App

Abb. 1: Such- und Filterfunktionen der Monster-App

Weiteres Nice-to-have bzw. Nice-to-use der Monster-App: Die hellgrauen Texthinterlegungen, welche mir beispielhaft zeigen, was ich hier einzutragen habe. Brauch ich nicht, denkt hier der eine oder die andere. Wenn ich allerdings vor Kategorien wie Branche, Funktion und Berufsfeld stehe (JobWare und JobStairs), erscheint mir das in Bezug auf die Unterschiedlichkeit und gewollte Eingabe doch ganz geschickt (in den genannten Fällen bekomme ich aber auch Listen präsentiert, die mir die Eingabe hier erleichtern).

Abb. 2: „JobMap“ von Jobstairs

Abb. 2: „JobMap“ von Jobstairs

Aber auch bei JobStairs lässt sich neben der Bundesländerliste doch noch die LBS-Funktion und zudem noch ein schönes Gimmick finden, welches mich in der Tat anregt zu spielen und mehr nach Jobs zu suchen als eigentlich im Rahmen dieses Beitrags nötig: eine JobMap (vgl. Abb. 2). Die JobMap ermöglicht mir in der Kartenansicht ein Stichwort, z. B. „Usability“, einzugeben um mir sodann relevante Jobs in der Umgebung anzuzeigen. Da hat jemand auch wirklich mal an „mobile“ gedacht, als er mobile gemacht hat.

In Bezug auf meine letzte Anforderung – das Einstiegslevel – haben hingegen leider nicht viele der mobilen Job-App-Anbieter an meine Bedürfnisse als Jobsuchende gedacht. So bieten nur zwei der sieben Apps die Möglichkeit an, dass Einstiegslevel zu definieren. JobWare mit den zwei Optionen „Über/unter 3 Jahre Berufserfahrung“ sowie JobStairs mit einer schönen Liste – diesmal geht der Punkt an JobStairs (vgl. Abb. 3).

Abb. 3: Filterfunktionen & Einstiegslevel-Filter von JobStairs

Abb. 3: Filterfunktionen & Einstiegslevel-Filter von JobStairs

Schön sind hier zudem die, schon erwähnten, weiteren Suchkriterien, wie Branche und Funktion. Denn diese Kategorisierungen bieten nämlich auch nur vier der sieben Apps an (StepStone, Stellenanzeigen.de, JobWare, JobStairs). Inwiefern diese bedienerisch lobenswert sind und v.a. inwiefern die Ergebnisse der Suche und schließlich die Darstellung der Stellenanzeigen mobiloptimiert oder gar nutzerfreundlich gestaltet sind, wird Inhalt des nächsten Beitrags – nur eins vorab: Personaler tun gut daran, auch mal einen tieferen Blick auf das mobile Angebot zu werfen, das sie buchen.

Quellen:

  • [1] Eimeren, Birgit van: „Always on“ – Smartphone, Tablet & Co. als neue Taktgeber im Netz, Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2013. In: Media Perspektiven 7-8/2013, S. 389.
  • [2] Jäger, Wolfgang; Böhm, Stephan und Meurer, Sebastian: Mobile Recruiting 2013, Eine empirische Untersuchung zur Bewerberansprache über mobile Endgeräte; Studie der Hochschule RheinMain, 14.06.2013, S. 1.

Ein Gedanke zu „Jobsuche 2.0 – was mobile Jobportale bieten (oder auch nicht)

  1. Uli

    Ein absolutes must have, was online Jobbörsen haben müssen, sind mobile Versionen… ob diese nun responsiv sind oder eine extra mobilie Version ist im ersten Stepp nicht wichtig, aber wer nicht mobile erreichbar ist bzw. nicht optimiert ist, der hat verloren. Hier kommt dann die Absprungsrate von 50% zu Tage. Das geht absolut nicht.

    Gruß
    Recruiting Experten

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