Usability-Heuristiken und SUCCESS-Regeln: eine starke Kombination für erfolgreiche Business Intelligence-Systeme

Gerne bin ich der Einladung unseres Partners Selbach Information Systems gefolgt, auf der arc|twenty, anlässlich des 20jähriges Firmenjubiläums des BI-Lösungsanbieters arcplan, einen ‚fachfremden‘ Vortrag zum Thema Usability zu halten.

Kein leichtes Unterfangen, denn immerhin geht es bei Business Intelligence-Anwendungen um eine kleine, aber feine Anwendergruppe im Unternehmen – bis hin zum einflussreichsten N=1, dem CEO.

Die Vorbereitungen auf den Vortrag, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen BI-Lösungen haben mich dann dazu verleitet, den Vortragstitel „In 30 Minuten zum Usability-Experten“ zu taufen. Denn das zustimmende Feedback im Nachgang an den Vortrag (voller Saal mit ca. 40 Zuhörern) hat mir noch einmal bestätigt, dass Usability ein wichtiger Erfolgsfaktor für Business Intelligence Systemen ist.

Jedoch liegt der Schwerpunkt bei der Konzeption und Optimierung von Informationssystemen eher im Integrieren und Darstellen der zahlreichen Unternehmenskennzahlen.

Meine Erkenntnis: Was dem Usability-Consultant seine Heuristiken nach Nielsen, sind dem Business-Intelligence-Experten die SUCCESS-Regeln nach Prof. Hichert. Die Kombination dieser Guidelines unterschiedlicher ist nötig für eine höchst nutzerfreundliche und erfolgreiche BI-Anwendung.

Usability ist nicht nur im Internet bzw. bei B2C-Anwendungen wichtig, sondern auch bei internen Applikationen wie Business Intelligence-Systemen

Warum? Hier geht es mehr denn je um die Kernmerkmale von Usability: hohe Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit – ergänzt um einfache Erlernbar-, Merkbar- und geringe Fehleranfälligkeit.

In einem der Vorträge der zweitätigen Veranstaltung erfuhr ich, dass nur 100 von 1000 angemeldeten Usern das unternehmenseigene BI-System auch wirklich nutzen. Ok, eine Conversion von 10% ist im E-Commerce gar nicht verkehrt. Und sicherlich handelt es sich auch um einige ‚User-Leichen‘. Dennoch bin ich mir sicher, dass eine nicht unerheblicher Anteil der User, das System nicht nutzt, weil es für sie keinen ersichtlichen Mehrwert bietet; man sich die Daten lieber von seiner Assistenz per Email schickt als sie selber abzurufen; weil die Benutzerführung lästig ist bzw. man ewig auf ein Neues suchen muss.

Gemäß dem von Usability-Papst Jacob Nielsen geprägten Ausdruck: “If the customer can‘t find the product, the customer can‘t buy it.“, würde ich folglich sagen: „Wenn der Entscheider die Kennzahlen nicht findet, kann er keine Entscheidungen treffen.“

Mit dem HICHERT®SUCCESS- Konzept zu einer erfolgreichen Geschäftskommunikation

Die Berücksichtigung der sieben übergeordnete Regeln des Konzepts HICHERT®SUCCESS:

  • SAY: Botschaften verständlich vermitteln
  • UNIFY: Bedeutung vereinheitlichen
  • CONDENSE: Informationen verdichten
  • CHECK: Qualität sicherstellen
  • ENABLE: Konzept verwirklichen
  • SIMPLIFY: Kompliziertheit vermeiden
  • STRUCTURE: Inhalt richtig gliedern

führt zu klaren, standardisierten und auf das Wesentliche reduzierte Management-Berichten – und verhilft der Business Intelligence-Anwendung somit zu Erfolg, zu einem hohen Nutzen.

Diese Regeln waren mir bislang nicht bekannt – jedoch sind Sie auch aus Usability-Sicht sehr einleuchtend und äußerst sinnvoll! Einzig und allein mit dem empfohlenen Einsatz von Farben (Grün für positive Kennzahlen / rot für negative Entwicklungen) bin ich nicht ganz einverstanden. Immerhin haben 9-10% aller Männer eine Rot-Grün-Fehlsichtigkeit.

Durch die Usability-Heuristiken zur optimierten Auffindbarkeit und Bedienung

Verständliche Reports sind wichtig; jedoch ist das aus meiner Sicht nicht ausreichend für ein gutes Informationssystem. Denn um die Berichte, die aggregierten und visuell aufbereiteten Kennzahlen herum besteht ja eine Anwendung. Diese ist je nach Unternehmensgröße, Art der Unternehmung, etc. entsprechend komplex (und historisch gewachsen).

Themen wie Navigation und Suche, Anordnung von Buttons und Funktionen, Wording, Interaktionsdesign, Contentgestaltung sind immens wichtig, um die gewünschten Informationen erst einmal aufzufinden und nutzen zu können.

Und da helfen die 10 Usability-Heuristiken für User Interface Design nach Nielsen und Molich (aus den 90ern, aber immer noch aktuell) weiter:

  • Sichtbarkeit des Systemstatus
  • Konsistenz & Standards
  • Unterstützung beim Erkennen/Verstehen/Bearbeiten von Fehlern
  • Übereinstimmung von System und realer Welt
  • Benutzerkontrolle & Freiheit
  • Fehler vermeiden!
  • Erkennen vor Erinnern
  • Ästhetisches & minimalistisches Design
  • Flexibilität & effiziente Nutzung
  • Hilfe & Dokumentation

Meine Vortragsfolien

Anbei meine Vortragsfolien zur Erläuterung und Anwendung einzelner Heuristiken als auch als Denkanstoß. Ich bin mir sicher, dass diese zur erfolgreichen Optimierung der einen oder anderen Business Intelligence-Anwendung führen.

Stellen Sie sich z. B. einmal folgende (Optimierungs-)Fragen:

  • Sind alle wichtigen, zielführenden Buttons auch als solche erkennbar? Sind diese bei einem responsiven bzw. für mobile Endgeräte optimierten Design noch gut mit den Fingern erreichbar?
  • Ist immer klar, was Navigation, Funktion und Information im BI-System ist?
  • Passen sich die Tastaturlayouts mobiler Endgeräte an den Typ des jeweiligen Eingabe-/Auswahlfeldes an?
  • Gibt das System stets Feedback darüber,
    • wo ich mich als User gerade befinde (Statusanzeige) und wie ich vor/zurück komme (intuitive Navigation)?
    • wie lange das Generieren von Ansichten/Reports noch dauert (Ladeanzeige/Fortschrittsbalken), damit ich es nicht als Systemfehler interpretiere?

Liebend gerne würde ich mehr Nutzerbeobachtungen vor Ort bzw. Usability-Tests durchführen, um somit harte Fakten zu liefern, dass Usability-Optimierungen bei BI-Systemen nötig als auch erfolgreich sind. Aber wie bereits zu Beginn des Artikel gesagt: manchmal ist die Zielgruppe lediglich N=1 und hat wenig Zeit an Nutzertests teilzunehmen…

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