Losfahren und Sprit sparen – Benzinvergleichs-Apps im Usability-Check

Einstieg

Seit diesem Sommer sind Tankstellen verpflichtet, aktuelle Preise pro Liter an die Markttransparenzstelle (MTS) für Kraftstoffe zu übermitteln. Dies soll dem Verbraucher helfen, die günstigsten Tankstellen schneller zu finden und somit den Wettbewerb stärken. Auf Antrag können die gesammelten Daten der MTS weiterverwendet werden. So tun dies im Moment einige Online-Angebote, die dem Nutzer die Spritpreise in einer bestimmten Umgebung anzeigen. Allerdings tun sie dies in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen Funktionen, so dass ein Vergleich – mit Fokus auf die Bedienbarkeit – hier lohnt. Gleich vorab: Unseren kleinen Vergleichstest konnte die TankenApp von T-Online knapp vor der ADAC Spritpreise-App für sich entscheiden.

Ins Rennen gingen der Spritpreismonitor (keine native App, sondern eine responsive Website) sowie die TankenApp von T-Online.de, die ADAC Spritpreise App und die Apps Clever Tanken und mehr-tanken. Alle greifen auf die Daten der MTS zu, laufen jedoch teilweise noch im Probebetrieb. Allerdings ist davon auszugehen, dass in Zukunft noch einige Anwendungen mehr auf den Markt kommen: Der MTS liegen viele weitere Anträge auf Datennutzung vor.
Für unseren Test haben wir die kostenfreien Versionen der Apps auf ein iOS- und Android-Gerät geladen und teilweise auch Tablet-Darstellungen ausprobiert. Da die Funktionsweise meist recht ähnlich ist, beschränken wir uns im Folgenden überwiegend auf Abbildungen, die in den iOS-Versionen entstanden sind.

Spritpreismonitor: Auf das Wesentliche fokussiert

Dieses Angebot kommt ohne „Schnickschnack“ daher: Ort oder Postleitzahl eingeben, suchen, fertig. Auf dem Destop-PC und dem Tablet werden auch sehr ähnliche Funktionen bereitgestellt und die Bedienung fällt leicht. Gut sind die Karte und die Sortierfunktionen (nach Preis oder Entfernung) für die Ergebnisliste. Leider fallen letztere auf dem Smartphone weg. Ein weiterer Nachteil auf der kleinen Auflösung: Das Menü (die Navigation) muss nach unten ausgeklappt werden, lässt sich jedoch nicht wieder zuklappen. Um die günstigste Tankstelle im Umkreis zu finden, ist die Anwendung gut geeignet, viel mehr kann sie allerdings nicht.


Desktop-, iPad, und iPhone-Ansicht der responsiven Website Spritpreismonitor.de. Auf der kleinsten Auflösung fehlen die Sortierfunktionen, die Karte lässt sich leider nicht vergrößern (im Sinne von die Fläche vergrößern; Zoomen ist möglich).

Clever-Tanken: Sehr nüchtern, aber gute Verknüpfungen zu anderen Anwendungen

Diese App setzt darauf, dass die Ortungsdienste eingeschaltet sind, ansonsten muss in den Einstellungen ein fester Ort definiert werden, um den gesucht wird. Die Ergebnisliste ist übersichtlich, die Veränderungsmöglichkeiten jedoch zu unscheinbar: Die Buttons zum Ändern der Kraftstoffart und des Umkreises sind kaum als solche erkennbar. Auch sind die dreieckigen Pfeile nicht selbsterklärend. Erst durch Ausprobieren erkennt man, dass man die Liste hiermit umsortieren kann.

Durch Antippen eines Treffers öffnet sich ein Menü mit verschiedenen Optionen. Neben einer Detailansicht kann auch direkt die Karte aufgerufen und eine Navigation (in einer ggf. installierten Navi-App) gestartet werden. Gerade letztere Verknüpfung ist ein großer Pluspunkt der App. Eine Karte wäre auch innerhalb der App wünschenswert. Optisch sind die Oberflächen im Vergleich wenig ansprechend. Die Detailseite (rechtes Bild) einer Tankstelle liefert neben Adresse und Öffnungszeiten keine weiteren Funktionen.


clever-tanken: Auf der Trefferliste kaum erkennbare Such- und Sortieroptionen (linkes Bild, oben). Positiv hervorzuheben ist die Verknüpfung zur Navigation. Insgesamt ist das Design jedoch wenig modern.

Mehr-tanken: Gefährliche Werbe-Platzierung trübt positiven Gesamteindruck

Werbung wird einem kostenfreien Angebot in gewissem Umfang in Kauf genommen. Was den Nutzer allerdings sehr verärgert, sind versehentliche Klicks (bzw. Finger-Tips) auf Werbeflächen, weil diese wie zur App gehörig aussehen. So passiert es beim Starten der Suche von mehr-tanken, dass statt des unauffälligen „Suchen“-Buttons der blaue Pfeil aus dem Werbe-Banner angetippt wird. Die Aktion löst etwas ganz anderes aus, als der Nutzer erwartet und im schlimmsten Fall bemerkt er nicht einmal, welche Aktion den Fehler ausgelöst hat.

Interessant- wenn auch wahrscheinlich in der Praxis nur bedingt sinnvoll – ist bei dieser App die Trennung von Suche (funktioniert auch ohne Ortungsdienste via PL oder Ort) und Umkreissuche. Etwas verwirrend sind die Einstellungen „Spritsortenauswahl für“ – überliest man die Überschrift, was leicht passiert, da die Benennungen darunter mehr ins Auge fallen, ist nicht klar, was hier gemacht werden kann.

Die Sortierfunktionen der Trefferliste sind für iOS und Android unterschiedlich gestaltet. Etwas besser zu erkennen sind sie im Vergleich in der Android-Version. Die Detailseite ist sehr sinnvoll aufgebaut und bietet ebenfalls eine Verknüpfung zu installierten Navi- oder Karten-Apps. Was fehlt, ist eine Kartenansicht aller gefundenen Tankstellen.


mehr-tanken: Links die Suche mit gefährlich platziertem Werbe-Banner (Pfeil kann als „Suchen“-Button fehlinterpretiert werden). In der Mitte die Trefferliste für iOS, rechts die Android-Version.

TankenApp: Innovatives Navigationskonzept und spannende Zusatzfunktionen

Das Besondere an dieser App ist die Navigation: Hier wird im Gegensatz zu den anderen Apps nicht über ein am unteren Bildrand sichtbares Menü navigiert, sondern durch „Wischen“ nach links oder rechts. Die unten abgebildeten Screens sind also quasi nebeneinander angeordnet und der Nutzer kann durch Wischen oder die Pfeiltasten unten rechts/links den Screen wechseln. Weitere Inhalte verbergen sich dadurch also nur „Off Canvas“, was dieser Navigationsform ihren Namen gibt. Beim ersten Aufruf wird die Funktionsweise durch eine kurze Skizze erläutert.

Funktional ist die App ebenfalls sehr ausgereift. Es ist möglich, verschiedene Routen anzulegen, für die dann passende Tankstellen angezeigt werden. Zudem kann sich der Nutzer bei sinkenden Preisen durch den „Preisalarm“ benachrichtigen lassen. Als einzige App im Test ist zudem eine Prognose enthalten, die dem Nutzer sagt, ob mit dem Tanken noch gewartet werden oder ob lieber schnell gehandelt werden soll.

Die Bedienbarkeit ist überwiegend gut, lediglich das Vorhandensein einer Trefferliste kann übersehen werden, weil bei kürzeren Screens der Bildschirm in sich geschlossen wirkt und nicht zum Scrollen animiert. Beim im Test verwendeten iPhone 5 tritt das Problem jedoch nicht auf.


TankenApp: Innovative Funktionen, Navigation „Off Canvas“ und gute Bedienbarkeit. Bei der Trefferliste im rechten Bild stellen Buttons am unteren Rand Filter- und Sortierkriterien dar.

ADAC: Solide und übersichtlich

Last but not least die Spritpreise App des ADAC. Sie beinhaltet nichts wesentlich anderes als die bisher vorgestellten Apps. Die Navigation ist eher klassisch über ein Menü am unteren Seitenrand (iPhone). Karte, Spritauswahl und Liste sind auf einzelne Menüpunkte verteilt, was vielleicht etwas umständlich ist. Vor allem aber stört, dass keine Spritsorte vorausgewählt ist und der Nutzer erst einmal auf eine leere Karte schaut. Besonders ungünstig ist dies auf dem iPad, wo die Navigation nach links oben verlegt ist. In der Android-Version gibt es ebenfalls keine Navigation, die permanent erreichbar ist – ohne den systemseitig vorhandenen „Zurück“-Button geht es nicht.

Positiv ist die integrierte Routenplanung. Eine ausgewählte Route wird dann stets in der Kartenansicht angezeigt, so dass der Nutzer jederzeit sieht, wo sich auf seinem Weg eine günstige Tankstelle befindet. Auch von der Detailseite einer Tankstelle aus ist es möglich, die Route dorthin oder von dort berechnen zu lassen. Insgesamt ist die Bedienung leicht erlernbar, da viele bekannte Funktionen und Buttons verwendet werden und somit wenig „Umdenken“ erforderlich ist.


ADAC Spritpreise: Zu Beginn leider nur eine leere Karte, der Nutzer muss erst aktiv eine Spritsorte auswählen (links iPad, Mitte iPhone). Die Detailseite enthält nützliche Routenplanungsfunktionen.

Fazit: TankenApp und ADAC Spritpreise knapp vorn

Welche ist nun die beste App? Je nach dem, worauf am meisten wertgelegt wird, können zusammenfassend folgende Unterschiede ausgemacht werden:

  • Wer es werbefrei möchte und keinen Wert auf unnötigen „Schnickschnack“ legt, ist mit der App des ADAC und clever-tanken gut bedient. Einen kleinen Vorteil hat hier noch die ADAC-App, da viele bekannte und somit gut sichtbare Elemente vorhanden sind. Zudem muss die App für eine Kartenansicht und eine Route nicht verlassen werden.
  • Wer ein bisschen Werbung in Kauf nimmt (oder sich die Werbung „weg kauft“ und zur kostenpflichtigen Version wechselt) und dafür ein modernes und sehr funktionales Angebot möchte, sollte zur TankenApp von T-Mobile greifen. Gemessen an der User Experience liegt diese App insgesamt leicht vorn. Die zahlreichen Funktionen und Buttons könnten unerfahrene Nutzer jedoch ggf. etwas überfordern.
  • Der Spritpreismonitor ist für diejenigen, die nicht noch eine App installieren möchten, aber unterwegs dennoch schnell mal nach einer günstigen Tankstelle suchen wollen. Wirkliche Highlights enthält er jedoch nicht.
  • Nicht ganz mithalten kann aktuell die mehr-tanken App. Funktional zwar recht gut, aber Schwächen in der Bedienbarkeit und sehr ungünstig platzierte Werbung – im Moment bleibt diese App noch hinter der Konkurrenz zurück.

Was aktuell leider keine der Apps verrät: Wann lohnt es sich eigentlich, einen Umweg in Kauf zu nehmen? 5 km mehr für 1 Cent pro Liter weniger? Der sinnvollste Anwendungsfall ist aktuell wohl eher der, dass die Tankstellen entlang einer sowieso geplanten Route verglichen werden, um zu schauen, ob sich das Warten auf die nächste Tankstelle lohnt. Diese Überlegung spricht wiederum vor allem für die TankenApp und die ADAC Spritpreise App.

Da zu erwarten ist, dass weitere Apps folgen, beobachten wir das Geschehen weiterhin und freuen uns auch auf Ihre Tipps zu neuen Spritsparangeboten.

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