Smartwatch UX: Fitness Apps auf Android Wear

Fitness-Armbänder wie Fitbit und Jawbone sind aktuell mit Abstand die erfolgreichsten Wearables. Die meisten Analysten prognostizieren aber, dass die Smartwatches ihnen in den nächsten Jahren den Rang ablaufen werden – auch oder gerade weil Smartwatches die gleichen Möglichkeiten und noch mehr bieten.

Das Tracking von sportlichen Aktivitäten ist offensichtlich ein perfekter Einsatzzweck für Smartwatches:

  • Der Einsatz ist zwingend mobil, so dass ein Smartphone eigentlich schon zu viel ist
  • Es ist nur wenig Interaktion und sonst eher passive Aufzeichnung von Daten notwendig
  • Die Sensoren der Smartwatches können sinnvoll genutzt werden

Somit ist es nicht verwunderlich, dass die bekanntesten Fitness-Apps alle bereits Smartwatches mit Android Wear unterstützen. Als Teil unserer Smartwatch-UX-Beitragsreihe habe ich zwei davon einmal in der Wildnis ausprobiert.

Die untersuchten Fitness-Apps

Für diesen Beitrag hatte ich ursprünglich 3 Smartwatch-Apps vorgesehen. Alle haben im Play Store über 10 Mio. Downloads:

Installation und Einrichtung

Beide Apps werden normal über den Play Store auf dem Smartphone heruntergeladen und installiert. Es gibt keine separate App für die Smartwatch.

Bei Runkeeper lief die Integration der Smartwatch dann von alleine: Es erschien sofort nach dem ersten Start auf dem Handy eine Notification auf der Uhr, dass Runkeeper installiert wurde. Bei Endomondo war dies nicht so offensichtlich. Es gab keine Hinweise in der App auf eine Unterstützung und die Integration musste erst manuell im Einstellungsmenü aktiviert werden.

Anders als Runkeeper bietet Endomondo dafür allerdings eine Reihe von Optionen, um die Verwendung der Smartwatch anzupassen. Es gibt verschiedene Ansichten, zu denen jeweils die angezeigten Daten konfiguriert werden können. Zudem kann gewählt werden, ob das GPS des Handys oder der Uhr verwendet werden soll. Diese Option ist praktisch, aber meiner Meinung nach ist die Standardeinstellung falsch gewählt: Bei meinem ersten Versuch ohne verbundenes Smartphone versuchte die App gar nicht selber ein GPS-Signal zu bekommen und versagte einfach den Dienst. Erst nach dem Umstellen klappte es dann.

smartwatch-einstellungen

Dass beide Apps das GPS der Smartwatch ansprechen können und somit nicht auf ein verbundenes Handy angewiesen sind – zumindest nicht während des Laufens – ist aus meiner Sicht ein kritischer Erfolgsfaktor. Gerade die Aussicht, das Smartphone zu Hause lassen zu können, spricht für eine Smartwatch als Fitness-Tracker. Wenn zu Hause die Bluetooth-Verbindung wieder da ist, werden die Daten dann synchronisiert. Meist funktionierte dies auch gut, aber ein paar Mal habe ich doch Probleme bemerkt. Wenn die Verbindung erst nach dem Beginn des Laufens abbricht, scheint dies die App durcheinanderzubringen, da der Tracker auf beiden Devices parallel läuft – mit unterschiedlichen Daten.

Beginn eines Laufs

Die zentrale Möglichkeit, das Tracking zu starten, ist wie so oft auf der Smartwatch ein Sprachbefehl. In der Android Wear App auf dem Handy lässt sich einstellen, welche App auf Befehle wie „start a run“ oder „start a workout“ reagiert. Und dann kann es sofort losgehen.

Über das Touchdisplay ist der Aufruf der Apps nicht ganz so einfach. Da das grundsätzliche UX-Konzept von Android Wear auf den kontextuell Karten basiert, treten die eigentlichen Apps stark in den Hintergrund. Per Tap muss auf dem Startscreen das Menü aufgerufen werden, in dem dann ganz unten „Start…“ zu finden ist. Dort verbergen sich dann alle installierten Apps.

smartwatch-lauf-starten

Wenn die App gestartet ist, funktioniert das Starten des Laufs in beiden Apps gleich einfach: Der erste Screen besteht fast ausschließlich aus einem Play-Button, der das Tracking beginnt. Endomondo zeigt zusätzlich noch zwei aus meiner Sicht wichtige Infos: Den Status des GPS und die Art des Workouts (also etwa Laufen, Radfahren oder Krafttraining).

Während des Laufs

Nach dem Starten wechselt die Ansicht bei Runkeeper zu einigen Statistiken. Allerdings frage ich mich, warum der Bildschirm hier nicht vollständig ausgenutzt wird. Gerade beim Sport kann man nicht längere Zeit auf das Display schauen und die Informationen sollten auch aus etwas größerer Entfernung klar zu erkennen sein. Meiner Meinung nach sind die Zahlen, besonders in der unteren Zeile, zu klein.

Durch Swipen nach links gelangt man zu Buttons für das Pausieren/Fortsetzen und Stoppen des Laufs. Diese Aktionen können zusätzlich aber auch per Sprachsteuerung ausgeführt werden – leider muss man diese zunächst durch Tap auf den oberen Bildschirmrand im Screen mit den Statistiken aktivieren. Dies negiert jegliche Vorteile der Sprachsteuerung, da doch wieder die Finger benutzt werden müssen. So ist diese Funktion nutzlos – ich würde mir wünschen, dass die App sofort auf Sprachbefehle wie „Stop run“ reagiert.

runkeeper

Die Endomondo-App funktioniert während des Laufens grundsätzlich ähnlich, jedoch mit eine paar Unterschieden im Detail. Nach dem Start des Laufs ändert sich nicht der Startscreen und zeigt Statistiken, sondern die Ansicht rutscht automatisch nach rechts zu einem anderen Screen, der Statistiken zeigt. Wie zuvor erwähnt, gibt es mehrere Statistik-Ansichten, die per Smartphone konfigurierbar sind. Die weiteren Ansichten liegen weiter rechts und lassen sich somit per Swipe nach links erreichen. Bei Endomondo sind die Zahlen etwas größer dargestellt und besser lesbar als bei Runkeeper, aber auch hier ist aus meiner Sicht noch Luft nach oben.

Zum Pausieren und Stoppen des Laufs gelangt man durch Swipen nach rechts. Im Prinzip ist man wieder beim Startscreen, der sich je nach Status des Laufs ändert:

  • Zuerst den Play-Button zum Starten
  • Dann bei aktivem Lauf einen Pause-Button
  • Im pausierten Zustand einen Play-Button zum Fortsetzen sowie einen Stop-Button zum Beenden

Mir gefällt daran, dass es nur einen Screen zur Steuerung des Laufs gibt und dieser immer an der selben Stelle zu finden ist. Gleichzeitig widerspricht die Positionierung ganz links eigentlich den Design-Guidelines für Android Wear: Zumindest im Karten-Stream liegen Aktionen eigentlich immer rechts von anderen Ansichten, nicht links. Zudem kann man bei den überlappenden Buttons für Fortsetzen und Stoppen schnell das Falsche auswählen – und das obwohl das Stoppen die folgenreichste und nicht rückgängig zu machende Aktion ist!

endomondo

Nach dem Lauf

Wie das Stoppen eines Laufs funktioniert, habe ich bereits gezeigt. Interessant ist aber auch, was danach passiert. Hier unterscheiden sich die beiden Apps sehr stark:

  • Endomondo läuft weiterhin im Full-Screen-Modus und zeigt einfach wieder den normalen Startscreen mit Play-Button. Alle Statistiken werden zurückgesetzt. Es gibt keinerlei klares Feedback, dass der Lauf erfolgreich beendet wurde und zudem kann man sich nicht mehr anschauen, was man denn eigentlich geschafft hat. Ich frage mich, wer denn nach einem Workout direkt den nächsten startet – denn nur dafür wäre das Verhalten der App sinnvoll.
  • Runkeeper dagegen beendet den Full-Screen-Modus und wechselt wieder zum Karten-Stream. Dieser enthält nun eine Runkeeper-Karte, die die gelaufene Distanz zeigt. Durch Swipen nach links gelangt man zu ausführlicheren Statistiken und kann den Lauf auf dem Handy aufrufen. Dieses Verhalten finde ich wesentlich sinnvoller: Es gibt klares Feedback und man gelangt zum sinnvollen nächsten Schritt.

lauf-zusammenfassung

Fazit: Fitness-Apps auf Android Smartwatches

Beide Apps wirken zunächst sehr simpel. Im Vergleich zu Smartphone-Apps gibt es nur sehr wenige Screens und mögliche Aktionen. Das bedeutet aber nicht, dass das Design einer Smartwatch-App einfacher wäre – ganz im Gegenteil. Der Teufel liegt im Detail:

  • Sprachsteuerung ist nutzlos, wenn man sie erst per Tap aktivieren muss – gerade wenn es um Aktionen geht, die sich auch mit einem einzigen Tap erledigen lassen.
  • Die Darstellung der Infos sollte nicht zu klein sein und den Bildschirm möglichst komplett ausnutzen. Gerade bei häufiger benutzten Apps und wenn die angezeigten Daten eigentlich klar sind, sollte man auf Erklärungen eher verzichten.
  • Konfigurierbare Screens sind eine interessante Möglichkeit und sollten in der zugehörigen Smartphone-App einstellbar sein.
  • Mehrere Aktionen auf einem Screen sind gefährlich und dürfen nicht zu nah beieinander liegen – gerade wenn sie nicht rückgängig gemacht werden können.

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