Neues aus dem UX Lab: 101+ Dinge, an die man bei der Durchführung von Usability-Tests denken sollte – Teil 1/2

Fragen

Nach Beauftragung durch den Kunden und die interne Übergabe durch den Key Accounter / Vertriebler gibt es für den Projektleiter (Senior UX Consultant) eine Menge zu tun. Das Kundenprojekt soll schließlich – vom Kickoff, über die Studienkonzeption und Erhebung bis hin zur Auswertung, Berichtslegung und Präsentation der Ergebnisse – erfolgreich durchgeführt werden.

Mein letzter Artikel zum Thema DIY von Usability-Tests ist 2009 entstanden. Grund genug, eine aktualisierte Checkliste aufzustellen, die dabei hilft, an alle wichtigen Arbeitsschritte zu denken und die alltäglichen Fallstricke in unserem Business zu meiden. Die entsprechenden Fähigkeiten (Methodenkompetenz und Social Skills) sowie das nötige Equipment einmal vorausgesetzt, gehe ich auf die ersten drei Projektphasen eines Usability-Test im Labor (N=20, 60min.) ein.

1. Kickoff & initiale Projektorganisation

Vor dem Kickoff

  • Agenda abstimmen
  • Teilnehmer in Erfahrung bringen
  • „Hausaufgaben“ verteilen
  • Benötigte Technik klären

Im Kickoff

  • Gegenseitiges Kennenlernen
  • Sofern gewünscht: Methodik und Leistungsumfang des Angebots vorstellen.
  • Darauf hinweisen, dass Usability-Tests grundsätzlich einen formativen Ansatz verfolgen!
  • Rekrutierungskriterien für die Probandenakquise final festlegen.
  • Fragestellungen / Thesen – bestenfalls am Testobjekt – erörtern und aufnehmen.
  • Scope festlegen: Welche Seitentemplates / Ansichten / Bereiche sollen Gegenstand des Tests sein?
  • Beschaffenheit und Erreichbarkeit des Testobjekts klären.
  • Use Cases – auf Basis der vorangegangenen Untersuchungsfragen und Thesen daraus ableiten.
  • Finales Timing abstimmen.
  • Letzte, offene Fragen klären.

Nach dem Kickoff – initiale Projektorganisation

  • Stichpunkartiges Protokoll anfertigen.
  • Teststudio buchen.
  • Technikbedarf & -versand klären.
  • Rekrutierung:
    • Screener abstimmen.
    • Terminslots für die einzelnen Erhebungstage festlegen.
    • Rekrutierung starten.
    • Bereitstellung der Incentives klären.
  • Reisemanagement
  • Den Projektmitarbeiter mit ins Boot holen.

2. Studienkonzeption inkl. Pretest

Vorbereitung

Aufgabendesign

Kundenfeedback einholen, Pretest durchführen, Konzept finalisieren

3. Erhebung (Feldphase)

Vor dem ersten Erhebungstag

  • Mit Studio klären, wann man am Vorabend und an den Erhebungstagen vor Ort ist.
  • An Incentives und deren passende Stückelung sowie Quittungsbelege denken.
  • Einverständniserklärungen zur Videoaufzeichnung bereitstellen.
  • Finalen Terminplan an den Kunden und das Teststudio zu Verfügung stellen.
  • Dem Studio Infos zu den erwartenden Beobachtern (kundenseitig) zukommen lassen.
  • Mit Kunden und Projektmitarbeiter abklären, wie man während der Feldphase protokolliert.

Während der Erhebung

  • Jeden Morgen Technik checken.
  • Interviewleitfaden in ausreichender Zahl zum Mitverfolgen auslegen.
  • Die beobachtenden Kunden inhaltlich abholen, auf die jeweiligen Rollen aller Anwesenden und den Testablauf hinweisen.
  • Die Zeit zwischen den Interviews nutzen, um erste Erkenntnisse intern oder aber mit dem Kunden zu diskutieren und festzuhalten.
  • Abends: Kurzer Wrap-Up des Tages und der wichtigsten Erkenntnisse per E-Mail.

Am Ende der Feldphase

  • Den Aufbau des Ergebnisbands mit dem Kunden klären.
  • Rückmeldung an den Rekrutierer zur Qualität der einzelnen Probanden.
  • Videos auf mobiler und verschlüsselter Festplatte final sichern.
  • Feedback an Rekrutierer bzgl. Qualität der Probanden geben.
  • Papierkrams

Habe ich aus Ihrer Sicht wichtige Arbeitsschritte vergessen? Kennen Sie weitere Hürden aus dem Alltag, die ich ergänzen sollte? Ich freue mich auf Ihr Feedback und den Erfahrungsaustausch!

Kommenden Monat folgt dann der zweite Teil der Artikelreihe. Hier gehe ich dann auf die Projektphase der Auswertung, Berichtslegung und Präsentation beim Kunden vor Ort ein.

Viele Grüße aus dem eResult UX-Lab und eine erfolgreiche Restwoche – trotz Bahnstreik,
Martin Beschnitt

3 Gedanken zu „Neues aus dem UX Lab: 101+ Dinge, an die man bei der Durchführung von Usability-Tests denken sollte – Teil 1/2

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