Warum man sich in eine Website verlieben kann: Psychologische Erkenntnisse für ein überzeugenderes Webdesign (Teil 2)

In Love

Wie kommt es dazu, dass man sich in jemanden oder etwas verliebt? – Durch einen kosmischen Zufall? Aussehen? Harte Arbeit, Geld und Macht? Oder etwa göttliche Fügung?

Auch wir Psychologen haben darauf keine erschöpfende Erklärung. Doch eines steht fest: Das Gefühl jemanden oder etwas sehr zu mögen ist ein besonders starkes Gefühl – und dieses Gefühl kann man beeinflussen und (mit)steuern.

Wenn Sie es schaffen, dass die Nutzer Ihre Website sehr mögen, dann können Sie sich deren Gunst gewiss sein. Betrachten Sie Ihre Website deshalb als einen leidenschaftlichen Verehrer, der seine Nutzer liebt und um sie wirbt.

Ich bin vielleicht kein Guru in zwischenmenschlichen Beziehungen – aber ich kenne aus Erfahrung ein paar Tipps, wie Sie Ihre Website attraktiv und „liebenswert“ machen.

The Liking Bias: Je sympathischer uns eine Person ist, desto eher vertrauen wir ihr

Das psychologische Konzept des „Liking Bias“ ist schnell erklärt: Je sympathischer uns eine Person ist, desto mehr mögen wir sie. Dadurch sind wir eher bereit der Person zu vertrauen oder beispielsweise etwas von ihr zu kaufen. Wie gerne kauft man doch bei der „netten Blumenverkäuferin“ anstatt bei der „unfreundlichen Blumenverkäuferin“.

Zugegeben, in der Praxis kaufen wir häufig trotzdem bei der mürrischen Blumenverkäuferin, sofern ihr Blumenladen näher ist oder auf dem Weg zur Arbeit liegt. Doch im Internet gibt es solche Distanzen nicht – der nächste Blumenhändler ist gerade mal einen Google-Link entfernt. Grund genug also, sich um einen sympathischen Eindruck bei den Nutzern zu bemühen. Doch wodurch wirkt eine Website sympathisch?

Der Liking Bias besagt, dass 3 Eigenschaften einer Person entscheidend sind, ob wir die Person sympathisch finden oder nicht:

  • Äußerliche Attraktivität
  • Ähnlichkeit zu einem selbst
  • Die Wahrnehmung, dass die andere Person uns mag

1) Sympathie entsteht durch: Attraktivität

Beginnen wir mit der Attraktivität: Wir alle wissen, wie wichtig der erste Eindruck ist – er sagt uns z. B. ob jemand gepflegt oder ungepflegt ist, ob er modern oder eher altmodisch ist oder ob wir ihm tendenziell vertrauen oder eher skeptisch sind. Diese optische Ersteinschätzung beobachten wir auch immer wieder in unseren eigenen Studien: Die Nutzer entwickeln bereits nach wenigen Sekunden einen ersten Eindruck und machen Aussagen wie „Das sieht unseriös aus, hier würde ich nichts kaufen“ oder „Das wirkt modern und stylisch, ich glaube hier bin ich richtig“. Daher mein Rat: achten Sie darauf, dass das Äußere Ihrer Website für Ihre Nutzer attraktiv und hochwertig erscheint und vermitteln Sie Werte und Emotionen, die Ihrer Zielgruppe wichtig sind, wie z. B.:

  • Seriosität
  • Ehrlichkeit (=Transparenz)
  • Sachliche Nüchternheit (bitte nicht mit bieder verwechseln!)
  • Modernität
  • Kreativität
  • Bodenständigkeit
  • „Kumpel“-Charakter

 

2) Sympathie entsteht durch: Ähnlichkeit zu uns selbst

Mit Ähnlichkeit zu einem selbst ist gemeint, dass wir Personen, die uns selbst in ihrem Erscheinungsbild und Auftreten ähneln, sympathischer bewerten als Personen, die sich stark von uns unterscheiden. Dies liegt darin begründet, dass wir bei einem ähnlichen Auftreten und Erscheinungsbild annehmen, dass die Person „ähnlich tickt wie wir“, also z. B. ähnliche Dinge mag wie wir, ähnliche Einstellungen vertritt und ähnliche Ziele verfolgt. Achten Sie deshalb darauf, dass Sie in der gesamten Nutzeransprache dem Verhalten und Auftreten Ihrer Zielgruppe möglichst ähneln:

  • Nutzeransprache „Sie“ vs. „Du“
  • Bilder und Testimonials die der Zielgruppe ähneln („Menschen wie du und ich“) bzw. für diese ein Vorbild sind
  • Textsprache und –form eher modern-lässig vs. sachlich-zurückhaltend, lang und blumig vs. kurz und reduziert…
  • Inhaltlicher Schwerpunkt von Informationen
  • Optisches Erscheinungsbild (siehe Attraktivität)

3) Sympathie entsteht durch: Die Wahrnehmung, dass die andere Person uns mag, uns versteht und uns wertschätzt

Auch wenn es erschreckend simpel klingen mag: Wir mögen diejenigen, die uns mögen. Wenn eine Person zeigt, dass sie uns mag, dass sie uns versteht und respektiert, dann sind wir stark dazu geneigt, ihr die gleiche Zuneigung entgegen zu bringen. Die „Logik“ dahinter ist nachvollziehbar: Wir fühlen uns durch die entgegengebrachte Zuneigung in unserer Persönlichkeit, in unserem Handeln und Tun verstanden und deuten die Anerkennung als persönliche Wertschätzung. Der Umkehrschluss ist, dass wir annehmen, dass die Person ähnlich denkt wie wir und wir sie daher ebenfalls mögen, schließlich teilt sie doch die Ansichten, die wir selbst vertreten.

Doch wie kann eine Website so etwas wie Verbundenheit, Wertschätzung oder Verständnis für seine Nutzer vermitteln?

Indem sie zeigt, dass sie ihre Nutzer und deren Bedürfnisse kennt und diese Bedürfnisse auch befriedigt.
Ein Beispiel: Sie bieten Sicherheitstechnik für Wohnungen an? Dann kommen Ihre Nutzer wahrscheinlich auf Ihre Website, weil sie ein Bedürfnis nach mehr Sicherheit haben. Bieten Sie dann auf Ihrer Website ein Gefühl der Geborgenheit:

  • Vermitteln Sie bereits auf der Startseite durch Ihr Auftreten und das Design, dass Sie kompromisslos für Sicherheit und zuverlässige, robuste Sicherheitslösungen einstehen.
  • Gehen Sie in FAQs und einleitenden Texten auf gängige Sicherheitsfragen ein, damit zeigen Sie, dass Sie die Situation und Probleme der Nutzer verstehen.
  • Gestalten Sie Bilder und Texte so, dass sich Ihre Nutzer darin wiedererkennen können und sie somit das Gefühl bekommen, dass Ihr Unternehmen spezielle Angebote für Ihre Bedürfnisse anbietet.
  • Zeigen Sie Transparenz in Ihren Angeboten. Dadurch zeigen Sie Ihren Nutzern Respekt und machen klar, dass Sie sie nicht über den Tisch ziehen möchten und ein faires Angebot aufweisen.
  • Haben Sie Respekt vor der Privatsphäre Ihrer Nutzer und bedrängen Sie diese nicht mit erzwungenen Registrierungen, übertriebener Werbung oder ungewollten Newslettern – denn die Nutzer sind u. a. auf Ihre Website gekommen, um genau diese Privatsphäre besser zu schützen.

Auf diese Art können Sie durch Ihre Website (subtil) vermitteln, dass…

  • …Sie Ihre Nutzer und deren Bedürfnissen verstehen
  • …Sie ähnlich denken und Ihnen ähnliche Dinge wichtig sind, wie Ihren Nutzern
  • …Sie Ihre Nutzer mögen, indem Sie nichts tun, was diese verärgert oder an Ihrer Wertschätzung zweifeln lässt

Wie lassen sich die Sympathie-Werte einer Website messen?

Die folgende Liste zeigt, welche Methoden dabei helfen können, für eine Website zu messen, wie sympathisch die Nutzer diese einschätzen:

Fragestellung Methode
Wie zufrieden sind die Nutzer mit der Website? Welche Emotionen verbinden Sie mit ihr? Wenn Sie wissen möchten, wie Ihre Nutzer über die Website denken, können Sie dies mit einer Onsite-Befragung klären.
Wie kommt die Website bei Nutzern an, die sie noch nicht kennen? Welchen Ersteindruck haben diese von der Website? Wenn Sie auch an einer Außenperspektive von Nichtnutzern interessiert sind, eignet sich eine Panel-Befragung.
Was finden Nutzer an der neuen Website (un)sympathisch und warum? Mit einem UX-Test können Sie in Erfahrung bringen, wie Nutzer auf Ihre neue Website reagieren und was Sie tun können, um die Sympathie-Werte zu steigern.
Wie tickt die Zielgruppe meiner Website? Welche Bedürfnisse hat sie? Was gefällt ihr, was nicht? Mit Fokusgruppen kann das Verständnis für die Zielgruppe und deren Bedürfnisse ausgebaut werden.

Fazit: Sympathische Website = Glücklichere & treuere Nutzer

Sympathie bekommt man nicht geschenkt, man muss sie sich verdienen. Doch es lohnt sich, denn die Psychologie lehrt uns, dass diese Sympathie erwidert wird.

Betrachten Sie deshalb Ihre Website einfach als eine Art leidenschaftlichen Verehrer der eignen Nutzer. Denken sie dabei weniger an einen One-Night-Stand sondern eher an eine langfristige Beziehung – Ihre Website darf zwar gerne so gut aussehen wie ein One-Night-Stand – aber erwecken Sie nicht den Eindruck, Sie seien am nächsten Morgen nicht mehr für Ihre Nutzer da.

Die entscheidenden Kriterien für Sympathie sind Attraktivität, Zuneigung, Vertrauen und Wertschätzung. Wenn Sie das schaffen, hat Ihre Website einen großen psychologischen Sprung gemacht!

2 Gedanken zu „Warum man sich in eine Website verlieben kann: Psychologische Erkenntnisse für ein überzeugenderes Webdesign (Teil 2)

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