Ohne Auto raus aufs Land – Verschiedene Mobilitätsportale im Test

Dass weniger Autos bzw. weniger Autofahren insbesondere in den Städten sinnvoll wäre, dürfte angesichts des dichten Verkehrs und dem Mangel an Parkplätzen klar sein. Innerhalb der größeren Städte und in der gewohnten Umgebung kommt man tatsächlich meist mit S- und U-Bahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad gut zurecht. Schwieriger wird es, wenn man sein gewohntes Umfeld verlässt und womöglich sogar „aufs Land“ fahren möchte: Kommt man da ohne Auto überhaupt hin? Ist das nicht viel zu kompliziert? Wie lange dauert die Fahrt insgesamt und welches ist die günstigste Verbindung? Das sind Fragen, die sich wohl viele Stellen, wenn sie für solche Strecken auf das (eigene) Auto verzichten möchten.
Mittlerweile gibt es einige Mobilitätsportale und Suchmöglichkeiten, die dafür gemacht sind, genau bei diesen Fragen weiterzuhelfen. Doch wie geeignet sind sie tatsächlich für Fahrten aus der Stadt ins Umland? Anhand des Beispiels von Hamburg, Elbchaussee 13 (eresult Büro) nach Jork (im „Alten Land“, südlich von Hamburg) wurden die Portale Moovel und Qixxt sowie Google Maps für diesen Anwendungsfall unter die Lupe genommen. Um mögliche Probleme aufzudecken, wurde dabei absichtlich ein Ziel gewählt, welches nicht optimal an den Hamburger Nahverkehr angebunden ist.

Moovel ist der erste Testfall

Zunächst einmal ist es schade, dass die Suche bei Moovel nur per App nutzbar ist. Aber die Aussicht, hier diverse ÖPNV, Taxi und Carsharing-Angebote vergleichen zu können, motiviert zum Herunterladen der App.
Beim Öffnen der App bekommt man direkt seinen Standort und die umliegenden Haltestellen für Bus, Bahn und Car2go in einer Kartenansicht angezeigt – eine gute Orientierung um zu sehen, wo mögliche Startpunkte liegen und ob z. B. ein Carsharing-Auto in der Nähe bereit steht.
Vom aktuellen Standort aus kann man sein gewünschtes Ziel angeben und bekommt verschiedene Verbindungen zum Zielpunkt angezeigt. Offenbar ist es möglich, das Ziel zu erreichen, auch wenn es mehrmaliges Umsteigen und Fußwege zwischendurch erfordert.
Die bereitstehenden Car2Go-Fahrzeuge wären hier eine Alternative. Ist man dort angemeldet, kann man sie durch tippen auf das entsprechende Symbol über die App reservieren.
Leider kann die Nutzung eines eigenen Fahrrads nicht als gewünschte Option hinterlegt werden. Insgesamt fehlt eine Möglichkeit, alternative Verkehrsmittel für einzelne Teilstrecken auszuwählen.
Interessant ist wiederum die Option, alle Tickets gleich über die App zu buchen, so dass man sich unterwegs keine Gedanken mehr über Fahrkarten, Kleingeld und Automaten machen muss.
Behält man die App nach der Auswahl geöffnet, hilft sie durch die Kartenansicht zudem gleich beim Finden der Haltestellen.

Qixxt – ein weiteres Mobilitätsportal

Qixxt ist ein weiteres Mobilitätsportal, welches eine Vergleichsmöglichkeit nahezu aller möglichen Verkehrsmittel verspricht. Neben ÖPNV, Carsharing, Mieträdern, eigenem Fahrrad und Pkw werden dort auch Taxis und Mitfahrgelegenheiten gelistet. Qixxit ist sofort nutzbar, sowohl auf dem Desktop-Rechner als auch per App, ohne dass ein Konto angelegt werden muss. Die Hürde, das Portal zumindest auszuprobieren ist entsprechend niedrig.
Nach der Eingabe von Start und Ziel werden bei Qixxit ebenfalls einige passende Verbindungen ausgegeben. Diese können noch im Detail angepasst werden, z. B. kann zwischen der Nutzung des Fahrrads oder Fußwegen für den Weg zur S-Bahn gewählt werden.
Die Übersicht der verschiedenen Verbindungen visualisiert sehr anschaulich, wie sich die einzelnen Abschnitte zusammensetzen und mit welcher Verbindung man wann am Zielpunkt ankommt.
Leider sind für die S-Bahn keine Preisangaben hinterlegt und damit ist in einigen Fällen keine Buchung der gesamten Strecke möglich. Grundsätzlich besteht die Buchungsfunktion aber in der Qixxt-App ebenfalls.
Über die Funktion „Begleitung“ kann man sich unterwegs über Verspätungen auf der gewählten Stecke in Echtzeit informieren lassen und seinen Status mit den Berechnungen des Systems abgleichen.




Interessant sind auch die Optionen, die das Anlegen eines Nutzerprofils mit sich bringen. Im System kann hinterlegt werden, bis zu welcher Strecken man Fuß oder Fahrrad bevorzugt, wie schnell man unterwegs ist und welche Verkehrsmittel man nutzen möchte oder auch nicht, ob man eine BahnCard besitzt etc.

Verschiedene Angaben sind bei Qixxit möglich

Abb. 7: Individualisierungsoptionen in den Kontoeinstellungen bei Qixxt

Der Klassiker – Google Maps

Auch mit dem Routenplaner auf Google Maps kann man sich Verbindungen mit dem öffentlichen Nahverkehr anzeigen lassen, was im Ergebnis den anderen Portalen ähnelt.



Was hier allerdings besonders interessant ist: Es besteht neben der Berechnung der Bus- und Bahnverbindungen auch die Möglichkeit, sich eine Fahrradstrecke für die gesamte Strecke anzeigen zu lassen. Angesichts der teilweise doch recht umständlichen ÖPNV-Verbindungen und der vergleichbaren Zeit eine echte Alternative, wenn man sportlich unterwegs ist.
Allerdings bleibt unklar, ob die angegebene Fährstrecke über die Elbe in der angegebenen Zeit eingerechnet ist, wann und wie oft sie fährt. Entsprechende Informationen wären an dieser Stelle hilfreich.

Beispiel einer Fahrradroute bei Google Maps

Abb. 11: Fahrradroute ausgegeben von Google Maps

Das Fazit: Ja, es funktioniert!

Man kommt auch ohne eigenes Auto aufs Land – und die getesteten Portale stellen dafür tolle Hilfsmittel dar. Sie machen die Suche nach passenden Verbindungen um einiges einfacher als noch vor einigen Jahren und sind besonders relevant, wenn man nicht ortskundig ist.
Aber: jede der vorgestellten Suchmöglichkeiten hat ihre Stärken und Schwächen. Es gibt bisher kein Portal, welches für die Suche nach Verbindungen „aufs Land“ perfekt ist.
Beispielsweise überzeugt Moovel durch die Kartenansicht, wenn man direkt „hier und jetzt“ starten will. Wenn man jedoch vorab von einem anderen Ort aus nach einer Verbindung suchen möchte, ist die Suche nach Start- und Zielpunkten über die App noch nicht ganz überzeugend.
Qixxt dagegen ist besonders bei einer Recherche am Desktop sehr komfortabel.
Google Maps bietet zwar sowohl bequeme Recherche am Desktop als auch schnelles Suchen auf dem Smartphone, ist aber nicht auf die bequeme Nutzung verschiedener Verkehrsmittel spezialisiert, so dass z. B. die Möglichkeit zum direkten Buchen von Bahn oder Carsharing bislang fehlen.
In allen Systemen haben genaue Informationen zur Mitnahme des eigenen Fahrrads in den angegebenen Verkehrsmitteln gefehlt. Insbesondere, wenn am Zielort noch eine etwas längere Strecke zurückgelegt werden muss, wäre die Fahrradmitnahme sicher eine sehr gute Alternative zu Taxi, längeren Strecken zu Fuß oder Wartezeiten auf den nächsten Bus.

Gibt es noch Fragen?

Offen bleibt auch, wie sich die verschiedenen Systeme tatsächlich in der Praxis bewähren. Sind Umsteigezeiten, Fußwege etc. realistisch kalkuliert? Wie wird man beim Finden der Haltestelle unterstützt? Was passiert bei Verspätungen? Wie gut funktionieren die Systeme in verschiedenen Orten und Regionen? Kennen sie beispielsweise alle Busverbindungen? Stichproben lassen vermuten, dass es insbesondere beim letzten Punkt noch Schwachstellen gibt.
Auch die kleinen Unterschiede in den Verbindungen der verschiedenen Portale machen misstrauisch, was die Berechnungen angeht.
Um Antworten auf diese Fragen zu finden, wäre sicher die nähere Untersuchung der verschiedenen Portale im Kontext der realen Nutzung, beispielsweise in Form einer Tagebuchstudie interessant. Damit könnten Schwachpunkte identifiziert, Unklarheiten aufgedeckt und Ideen für die Weiterentwicklung gesammelt werden.

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