Die Untersuchung des Blickpfads, also der Reihenfolge in der die einzelnen Regionen betrachtet werden, kann eine tiefere Einsicht in das Blickverhalten liefern – kann, muss aber nicht. Alles steht und fällt mit der Definition der Regionen (Areas of Interest, AOIs), die die Grundlage für die Berechnung des Blickpfads bilden. In meinen letzten Beiträgen zu diesem Thema habe ich die Methoden der Untersuchung des Blickverlaufs in Theorie und Praxis vorgestellt (Der Weg ist das Ziel – auch für die Untersuchung des Blickverhaltens auf Websites und Untersuchung des Blickverhaltens mit Hilfe der Übergangswahrscheinlichkeiten). In diesem Beitrag möchte ich näher auf die Einteilung der Website in Regionen eingehen, verschiedene Möglichkeiten dafür vorstellen und erläutern, welche Vor- und Nachteile die einzelnen Aufteilungen mit sich bringen.
Beiträge für Schlagwort: 'Blickverlauf'
Die Untersuchung des Blickverhaltens auf Websites wird überwiegend mit der Methode der Heatmap (Verteilung der Aufmerksamkeit) untersucht. Die Wahrnehmung ist jedoch ein Prozess. Will man das Blickverhalten also ganzheitlich untersuchen, sollten Methoden herangezogen werden, die die Reihenfolge der Betrachtung nicht außer Acht lassen. Eine Methode mit der die Reihenfolge der Betrachtung untersucht werden kann, ist die Übergangswahrscheinlichkeit – die Wahrscheinlichkeiten mit der der Blick von einer Region zur anderen wandert. Diese Methode hatte ich bereits im letzten Beitrag dieser Reihe „Der Weg ist das Ziel – auch für die Untersuchung des Blickverhaltens auf Websites“ theoretisch vorgestellt. Wie diese Methode in der Praxis eingesetzt werden kann, habe ich in einer Studie getestet und möchte in diesem Beitrag einige beispielhafte Ergebnisse vorstellen.
Die Website ist ein Kommunikationsmittel – mit ihrer Hilfe soll dem Nutzer eine bestimmte Information vermittelt werden. Eine der Methoden die Website auf ihre Funktion als Informationsträger zu überprüfen, ist Eyetracking – Blickerfassung. Denn nur gesehene Information kann auch verarbeitet werden. Das Ergebnis der Auswertung ist in den meisten Fällen eine so genannte Heatmap, die die Verteilung der Blicke auf der Website abbildet. Aber ist für eine gelungene Kommunikation nur die richtige Verteilung der Aufmerksamkeit relevant? Die Wahrnehmung ist schließlich ein Prozess – die Reihenfolge, in der die Website betrachtet wird, ist daher eine wichtige Komponente. In der Heatmap wird die Reihenfolge nicht berücksichtigt. Sie kann jedoch mit Hilfe der Sequenzanalyse und der Übergangswahrscheinlichkeiten untersucht werden. Diese beiden vertiefenden Methoden möchte ich in diesem Beitrag vorstellen und mich auch noch mal mit der Heatmap als Auswertungsmethode auseinandersetzen.
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Die Erhebung von Blickdaten über moderne Eyetracking-Systeme ist je nach Fragestellung ein sehr effektives Verfahren, um die Wahrnehmung von Websites oder mobilen Applikationen zu messen. Der Reiz besteht darin, dass es sich nicht um Selbstaussagen von Probanden handelt, sondern um beobachtbares Verhalten, das der Mensch nur bedingt steuern kann. Blickdaten können also nicht „lügen“. Richtig erhoben und interpretiert sind für bestimmte Fragestellungen unerlässlich und sehr wertvoll.
Damit die Interpretation nicht zum „Kaffeesatzlesen“ wird, müssen jedoch grundlegende Kenntnisse zur Wahrnehmung und Hintergründe für das Zustandekommen der aufgezeichneten Blickbewegungen vorhanden sein. Ein konkretes Beispiel soll im folgenden Beitrag herausgegriffen werden: Jeder, der schon einmal Blickdaten betrachtet hat, wird sich an Fixationen erinnern, die ins Leere gingen. Der Proband hat scheinbar den Hintergrund betrachtet oder irgendeine Fläche ohne Inhalt. Oder wurde falsch gemessen? Derartige zweifelhafte Beobachtungen können jedoch auch einen erklärbaren Hintergrund haben. Möglichweise handelt es sich um das im wissenschaftlichen Kontext als „global effect“ bezeichnete Phänomen. Was versteht man darunter und wie kommt dieser Effekt zustande?
Mit Hilfe von Eyetracking können heute wichtige Fragen zur Wahrnehmung von Seitenbereichen und Elementen auf Websites beantwortet werden. Die Messung von Blickbewegungen kann zudem Erkenntnisse in Bezug auf Eyecatcher und bestimmte Blickpfade liefern, z. B.: Welche „Wege“ legt das Auge auf einer bestimmten Site zurück?
Meist sind die Fragestellungen auf einen konkreten Ausschnitt einer Website bezogen. Doch wie sieht eigentlich der Blickverlauf im Verlauf des Surfens auf einer Website aus? Genauer gesagt: Verändert sich der Blickverlauf, wenn Nutzer von der Startseite aus tiefer in das Angebot einsteigen und bestimmte Elemente wie z. B. die Navigation immer am selben Platz bleiben? Gewöhnt sich das Auge also an den Aufbau? Diesen Fragen sind Kaspar et al. (Universität Osnabrück) nachgegangen und haben interessante Entdeckungen gemacht.
Wir alle kennen diese schönen, bunten Wärmebilder (Heatmaps). Sie zeigen uns z.B. Klick- oder Blickhäufigkeiten auf Webseiten an. Wir erkennen damit Bereiche höchster Aufmerksamkeit und zugleich solche, die kaum Beachtung finden. Aus Heatmaps lassen sich Entscheidungen ganz schnell ableiten – Fluch und Segen zugleich!
Schauen wir uns dazu das Bild mit der Blick-Heatmap einmal genauer an:
- Die Navigation am linken Seitenrand und die rechte (Marginal-) Spalte werden intensiv betrachtet – gut so.
- Die Navigation am oberen Seitenrand geht komplett unter. Nur wenige schauen dort hin.
- Obwohl im mittleren Seitenbereich Bilder und relativ viel Text dargestellt sind, liegt auf diesem Bereich keine Aufmerksamkeitsspitze.
Mögliche Schlussfolgerungen aus den Daten:
- Die Navigation am oberen Seitenrand wird aufmerksamkeitsstärker gestaltet, in dem z.B. der Kontrast zum Hintergrund erhöht wird.
- Um die Aufmerksamkeit des Betrachters stärker in den mittleren Seitenbereich zu lenken, werden reizstärkere Bilder eingesetzt und die Größe der Bilder wird ausgeweitet.
Alles gut? Nicht unbedingt – das sehen wir aber erst, wenn wir uns unterschiedliche Zeitintervalle anschauen.
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Ja klar!
Voraussetzung ist jedoch, dass die „guten Gründe“ aus „empirisch gesicherten Erkenntnissen“ abgeleitet werden. Erkenntnisse aus Wissenschaftsbereichen die etablierter und älter sind als die Usability-Forschung.
Beispielsweise Erkenntnisse der Psychologie, einem Wissenschaftszweig, der sich zeitlich weit vor der Usability-Forschung mit dem Verhalten von Menschen beschäftigt hat und dies auch noch heute sehr erfolgreich tut.
Wie kaum ein anderer Wissenschaftsbereich hat die Psychologie stets den Anspruch „gute Theorien“ zu entwickeln, aufgestellt auf Basis von empirischen Studien, vorhandenem Wissen und stetiger, empirischer Überprüfung. Auf diese Weise entsteht gesichertes Wissen!
Eine derart verstandene „gute Theorie“ ist die so genannte Scanpath-Theory von 1970 (!) – entwickelt von David Noton in Zusammenarbeit mit Lawrence Stark.
Hallo? Was will der denn jetzt mit einer Theorie die 40 Jahre alt ist?
Zunächst Interesse für gute Theorien der Psychologie wecken – und Ihnen natürlich auch Anregungen für die Gestaltung von Anwendungen vermitteln.
Kommen Sie mit auf einen kurzen Ausflug in die anwendungsorientierte Grundlagenforschung.
Scanpath-Theory: Ein guter Grund die Regeln der Konsistenz und Erwartungskonformität (manchmal) zu verletzten!
Das Thema Eyetracking greife ich heute gleich wieder doppelt auf, einmal in Zusammenhang mit der Google Instant Search und einmal beim Thema Newsletter-Optimierung. An dritter Stelle gibt es noch einen Beitrag, der daran appelliert, keine Wald-und-Wiesen-Forschung zu betreiben und ins Blaue hinein zu forschen, weil hier mit den Ergebnissen später niemand etwas anfangen kann. Sorgfältige Planung und Durchführung ist die Devise, das kann ich nur unterschreiben.
In dem Sinne, viel Spaß beim systematischen Lesen:
Besucher die auf eine Landing Page gelangen, erreichen diese in der Regel nicht zufällig, sondern wurden von einem ganz bestimmten Bedürfnis dort hingeführt. Dieser Prozess sollte jedem geläufig sein, der sich schon einmal einer der gängigen werbefinanzierten Suchmaschinen bedient hat und dabei einem der gesponserten Links gefolgt ist.
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Nach dem 1. Teil Guidelines für Online-Formulare folgen nun im 2. Teil Guideline 6 bis 10 der Erkenntnisse aus der Eyetrackingstudie von Chui Chui Tan von cxpartners. Hierbei werden insbesondere Ausfüllhilfen bei der Dateneingabe in Online-Formulare thematisiert.
Guideline 6: Zahlen (Telefonnummer, PLZ, etc.) durch ein Formularfeld abfragen
Gestalten Sie die Abfrage von Zahlen für den Nutzer so einfach wie möglich, durch ein Formularfeld. Das setzt jedoch eine gewisse Fehlertoleranz des Systems voraus, um möglichst alle Eingaben zu erkennen. Alternativ und ergänzend sollten verständliche und in räumlicher Nähe zu den Eingabefehlen positionierte Fehlermeldungen zum Einsatz kommen.









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