2020 – eine Challenge fürs User Requirement

2020 war ein Jahr der Überraschungen und der ständigen Anpassung – man musste immer wieder iterieren und agil bleiben. Ab Mitte März hieß es für fast jeden in Deutschland: Neu denken – neu arbeiten. Hätte 2019 jemand gefragt, DAS hätte niemand vorausgesagt. 2020 war ein (erzwungener) Inkubator für die Digitalisierung: Mehr Remote, mehr Homeoffice, mehr Flexibilität in der Arbeitszeit, digitale Veranstaltungen, Remote Meet-Ups, Online-Messen, virtuelle Kongresse, etc. Die digitale Welt hat mit einem Schlag (noch mehr) Einzug in unser aller Leben gehalten.

Beitragsbild: Mohammad Shahhosseini on Unsplash

Das passierte fast zeitgleich alles im Frühjahr (und noch vieles mehr):

  • Ab ins Homeoffice: Mal mehr, mal weniger improvisiert ab März. Dies zeigt nicht nur, dass die Arbeitgeber dies prinzipiell können, sondern dass ihnen auch die Gesundheit ihrer Beschäftigten am Herzen liegt.
  • Museumsführungen von zuhause aus: z. B. Enno Lenze hat Videos zu seinem Berlin Story Bunker gedreht, damit man ihn auch in diesen Zeiten besuchen kann.
  • Konzerte online: Max Giesinger, Michael Schulte, Johannes Oerding,… um nur wenige (deutsche) Künstler zu nennen…
  • Comedy online & von zuhause: Markus Barth hat die „Stay the f*ck home“-Show via Instagram ins Leben gerufen, Luke Mockridge hat jeden Tag um 18 Uhr ein Format „Luke, allein zuhaus“ auf Sat1 und auf RTL machen Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Oliver Pocher „Die Quarantäne-WG“
  • Vorlesungen online: An manchen Universitäten finden (Teile des) Semesters als Onlineveranstaltung statt und auch mündliche Prüfungen werden per Video-Chat durchgeführt.
  • Konferenzen online: unter anderem die UX Conference in London und New York finden virtuell statt.
  • Weiterbildung remote: eresult hält diverse Seminare, auch die CPUX-F-Schulung als Onlinekonferenz.
  • UX-Testing remote: Mitte März wurden fast alle UX-Testings vor Ort abgesagt oder direkt virtuell umgesetzt. eresult bietet seit Jahren UX-Dienstleistungen als Remote-Variante an – für uns ein bekanntes Setting. Mit Beginn der Pandemie haben wir unser Portfolio noch einmal aufpoliert & aktualisiert. Zum Reinschauen hier klicken. DENN: Remote UX Research und Testing will gelernt sein – hier gibt es ganz neue Stolperstellen!
  • U.v.m. … die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Die Herausforderungen an uns alle waren, eine schnelle Umstellung und Anpassung an die neuen Umstände, Einarbeiten in neue Konzepte und Programme, neue Informationsfluten kontrollieren, reduzieren. Zusätzlich das Privatleben mit dem Arbeiten zu Hause vereinen. Viele hatten im Home-Office kaum Zeit um sich stundenlang in diverse Tools einzuarbeiten.

Und bei denjenigen, die noch nicht so geübt sind in dieser Digitalisierungswelle, zeigten sich erste Überforderungen. Am Anfang wurde genutzt, was zur Verfügung stand. Aber der Bedarf ist riesig – und er wird es auch weiterhin sein: „Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“. Was passiert nach der ersten großen Welle der Toolexplosion? Genau! Die Spreu trennt sich vom Weizen – diejenigen, welche die Nutzungsanforderungen (und natürlich auch Anforderungen aus anderen Quellen) am besten erfüllen, erhalten den meisten Zulauf. Die Erwartungen an digitale Lösungen (auch im beruflichen Umfeld) steigen mit Ihrer Relevanz – und die ist im Moment höher denn je! Denn nicht das Tool bestimmt das Ergebnis als unserer Anstrengungen – aber ist entscheidend als Basis für gute (Zusammen-)arbeit – ein wichtiger Faktor!

Neben den ganzen beruflichen Herausforderungen haben wir uns nebenbei auch über Podcasts, Sendungen, Artikel, Diskussionsrunden, etc. zu Hobby-Epidemiologen und Pandemieforschern weitergebildet, unsere Sensibilität für Hygienemaßnahmen gesteigert und gelernt, dass Gemeinschaft auch funktioniert und wichtig ist, selbst wenn man sich nicht Angesicht zu Angesicht trifft. Ein ständiges Hin- und Her mit viel Unsicherheit im Privaten als auch im Beruflichen hat uns allen viel abverlangt – aber auch viele Chancen geschaffen. Wir mussten lernen, wann es „auch mal genug“ der Detailinformation und Digitalisierung für uns ist.

2020 – Mein persönliches Fazit

Als Essenz aus 2020 bleibt – vor allem bei mir – Folgendes:

Photo by Renan Greca on Unsplash
  • Ich kann digital und online sehr viel (Mit-)Erleben, was vorher nur „in der realen Welt“ möglich war – das Angebot ist riesig: Onlinekonzerte, Onlineweinproben, Spieleabende, Sport, etc. – die Digitalisierung schreitet in allen Lebensbereichen mit großen Schritten (mehr oder weniger wackelig) voran – und das zeigt sich besonders schön, wenn man das bekannte Digitalisierungsbeispiel aus dem Vatikan weiterdenkt – sozusagen als “2020 in a nutshell”:
    • 2005, als Papst Johannes Paul II starb, versammeln sich unzählige Gläubige auf dem Petersplatz. Die Aufmerksamkeit der Menge geht nach vorne zum Dom, einzelne Klapphandys sind sichtbar.
    • 2013, die Ernennung von Benedikt XVI. zeigt ein komplett neues Bild: Tausende Smartphones, Tablets, etc. warden nach oben gehalten – jeder hält das Ereignis für sich fest. Die Aufmerksamkeit ist viel auf den eigenen Bildschirmen.
    • 2020 werden bereits die päpstlichen Gottesdienste der Kar- und Ostertage über YouTube und Facebook live übertragen. Im Petersdom und auf dem Petersplatz sind keine Gläubigen zu sehen (und auch nicht zugelassen).
  • Die Zusammenarbeit im beruflichen Umfeld hat sich noch weiter ins digitale verlagert – Kundentermine sind statt vor Ort mit der Webcam, häufig am heimischen Arbeitsplatz. Reisezeiten entfallen & man nutzt vermehrt digitale Hintergründe, um das Bügeleisen im Arbeitszimmer dann doch nicht immer zu zeigen.
    Mich hat dies noch einmal enger mit Kunden und Projektteams zusammengeschweißt. Wir sitzen alle im gleichen Boot und kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen, Privat- und Berufsleben unter einen Hut zu bekommen. Gegenseitige Rücksichtnahme, aber auch der Ehrgeiz, das Beste aus der Situation und dem Projekt zu machen, sind für mich zwei wichtige Eigenschaften, die sich in diesem Jahr sehr häufig gezeigt haben.

Digital kann aber auch zu viel werden und überfordern: Ich habe privat viele Messenger- und Social-Mediadienste in den Benachrichtigungsfunktionen heruntergefahren.

Kommunikation und Input in Maßen, dann wenn ich es möchte und benötige, ist für mich noch relevanter geworden. Auch auf meinem beruflichen Devices sind die Notifications reduziert, so dass bei einer normalen Chat-Nachricht nicht alles blinkt und im Fokus erscheint – sondern dezent in der Bildschirmecke – die ich von Zeit zu Zeit überprüfe, wenn ich nicht gerade konzentriert arbeite. Auch die sog. Zoom-Fatigue ist mittlerweile in aller Munde: Onlinemeeting an Onlinemeeting. Laufwege entfallen und damit auch der Smalltalk. Der Weg in den Feierabend war nie kürzer als jetzt im Homeoffice.
Wie sehr ich es doch mittlerweile genieße, einmal auf der Straße Smalltalk mit Nachbarn zu halten. Früher war es vielleicht nur ein Gruß, heute nimmt man sich ein paar Minuten.

Für mich war 2020 eine persönliche Challenge mich noch weiter zu strukturieren und herauszufinden, was für mich richtig ist und gut funktioniert. Sie hat mir aber auch Grenzen gezeigt.  

Die Digitalisierung finde ich weiterhin enorm wichtig – aber 2020 hat noch deutlicher gezeigt, dass wir den Menschen hier nicht außen vor lassen dürfen! Kompatibilitätsprobleme zwischen Plattformen oder unterschiedlichen Systemständen und „veralteter“ Technologie haben uns die Schwachstellen gezeigt.  Technologien und deren Performanz, aber vor allem die Bedienbarkeit – Usability – als auch emotionale Aspekte, wie Werte, Vertrauen, Stimulation oder das ganzheitliche Erleben, – User Experience – werden noch essenzieller und ausschlaggebender!

Eine konsequente Haltung und Bekenntnis zum menschzentrierten Vorgehen ist für mich essentieller den je geworden und wird es auch 2021 bleiben.

Wie gelingt es nun, dass auch Sie mit Ihrer Anwendung, Ihrem Service, Ihrer Produktidee von dieser aktuellen Entwicklung profitieren können – sprich, damit möglichst viele Personen, Unternehmen, … sich bei Ihnen melden und Ihr Produkt / Service /… nutzen und dies auch nachhaltig?

Dies gelingt mit einer menschzentrierten Gestaltung – auch als Human-Centered Design oder User Experience Design bezeichnet! Ja, auch das geht remote (Hier ein Beispiel für remote Design Sprints). Und in der aktuellen Situation MUSS es sogar remote erfolgen. Wir sind auch hier für Sie da!

Wir von eresult sind Ihre Experten für menschzentrierte Gestaltung und arbeiten schon durch unsere vielen Standorte seit jeher remote im Unternehmen. Nutzerforschung können wir natürlich auch remote. Digitale Produkte erleben derzeit einen neuen Ansturm und eine angemessene User- & Customer Experience wird umso wesentlicher. Wir identifizieren Nutzungsanforderungen oder testen Ihr Portal, Ihre App, …  (remote!) und unterstützen Sie Ihre Wettbewerbsvorteile weiter auszubauen!



Portraitfoto: Melanie Wieland

Melanie Wieland

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

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