5 richtungsweisende Trends für UXler in 2018

Das Jahr 2018 ist noch jung, doch in vielen Medien, Blogs und ersten Konferenzen werden die UX-Trends 2018 schon heiß diskutiert. Wo wird die Reise hingehen? Welche Entwicklungen werden vom Nutzer angenommen? Was wird nach und nach wieder verschwinden? Jens Jacobsen hat hier im Usabilityblog bereits einen Ausblick über die Zukunft der Sprachassistenten gegeben. Nun berichtet Richard Bretschneider über seine Einschätzung und stellt seine 5 richtungsweisenden Trends für UXler im folgenden Beitrag zusammen.

Trend 1: Conversational Interfaces: Das große Warten

Die Entwicklung von Skills für Amazon Echo & Co. bleibt ein Trend 2018

Der Hype um Voice User Interfaces (VUI) und Chatbots ist dieses Jahr noch lange nicht vorbei. Ganz im Gegenteil. Auch wenn es mittlerweile schon eine beachtliche Anzahl an Alexa Skills und Ähnlichem gibt, ist bei einer Großzahl namhafter Player und Marken noch das große Warten angesagt. Es gibt einfach noch nicht die Masse an Use-Cases und Möglichkeiten der Monetarisierung. Viele wollen auf den Zug aufspringen, befürchten aber Geld zu verbrennen oder gar einen Imageschaden dadurch, das Voice Interface unfreiwillig zur Lachnummer wird.

Anregungen:

      1. Testen. Testen. Testen. Prototypen bauen und herausfinden welche Teile der Ideen aufgehen und welche nicht. Hier kann ich den Best Practice-Beitrag von meinem Kollegen Xaver Bodendörfer empfehlen.
      2. Auf kleine Aufgaben beschränken. Das neue Voice User Interface sollte nicht die komplette Webseite (schlecht) abbilden, sondern stattdessen eine Sache gut können. Dann ist die Chance geringer falsche Erwartungen zu wecken oder zu enttäuschen.
      3. „Voice first“ heißt nicht immer „Voice only“. Wenn Sie keinen Use-Case für die sprachbasierte Steuerung alleine finden, dann aber vielleicht für neuere Ansätze mit Sprache plus Bildschirm, wie z. B. Amazon Show.


Trend 2: Das Hamburger Menü verschwindet mehr und mehr


In meinem Beitrag „Die Top-3 Fragen zum Burger-Menü“ war mein Fazit, dass das Burger-Menü zwar keine starken Usability-Probleme verursacht, jedoch die Nutzer im Vergleich zu direkt sichtbaren Menüs seltener damit interagieren. Einfach gesagt: Das Burger-Menü muss eben erst geklickt werden, bevor ich sehe was drin ist. Wenn ich hingegen die Menüeinträge direkt vor mir sehe, ist die Chance höher, dass ich mehr Unterseiten besuche. Das sehen Unternehmen wie Spotify und Google offenbar ähnlich. Spotify hat im Zuge des Re-Designs auf iOS das Burger-Menü komplett verbannt und damit das Engagement der Nutzer deutlich erhöht. Google ist in seinen Android Apps vom Burger-Menü zu einer direkt sichtbaren Tabnavigation gewechselt. Ich gehe davon aus dass 2018 weitere Apps diesem Trend folgen werden. Manche weil sie von den Vorteilen alternativer Menükonzepte überzeugt sind, manch anderer will es machen, weil es Spotify und Google auch machen.

Anregung:
Wenn Sie in ihrer App ein Burger-Menü implementiert haben, denken Sie darüber nach eine alternative Menü-Variante, wie beispielsweise eine Tab-Bar in einem A/B-Test dagegen zu halten. Vergleichen Sie, wie sich diese Änderungen auf Ihre Metriken auswirkt, vor allem wie häufig mit dem Menü interagiert wird und wie viele Seiten aufgerufen werden.

Trend 3: Den Nutzern Zeit zu sparen wird immer wichtiger im e-commerce

Sehr viele Nutzer im Checkout-Prozess brechen ab, wenn sie ihr Passwort nicht mehr kennen und ein neues anfordern müssten. Sie waren eigentlich schon drauf und dran zu kaufen, wollten diese Hürde aber nicht nehmen. Das passiert gar nicht so selten, z. B. wenn man gerade ein Schnäppchen entdeckt hat, es aber dann doch nicht so wichtig ist, als dass man herausfindet mit welcher E-Mail-Adresse man sich dort registriert hat etc.
Na klar, es hängt natürlich immer davon ab wie sehr ich das Produkt jetzt wirklich brauche und in welcher Stimmung ich bin. Aber dass es sich lohnt hier großen Aufwand zu betreiben, damit die Käufer eben keinen Aufwand haben zeigen Features und Produkte wie:

  • Amazon Dash Button
  • Fingerprint login und –payment
  • Check-in ins Hotel per Bluetooth
  • u. v. m.

Die Beispiele zeigen nur einen kleinen Ausschnitt eines Trends, der nicht völlig neu ist aber immer wichtiger wird. Es geht eben nicht mehr nur darum die Eingabemasken im Check-out oder der Registrierung zu optimieren, sondern sie gänzlich obsolet zu machen. In der Keynote bei Conversions@Google 2017 geht Luke Wroblewski detailliert auf das Thema ein:



Trend 4: Das Thema „Ethik“ rückt weiter in den Vordergrund

UX Konzepter und –Designer werden sich zunehmend ihrer Verantwortung bewusst. Sie haben eben Einfluss auf das Verhalten von potentiell tausenden oder millionen von Nutzern. Von diesem Trend zeugt beispielsweise der Copenhagen Letter.
Dieser beginnt mit: „To everyone who shapes technology today. […] It is time to take responsibility for the world we are creating. Time to put humans before business.”
Es gibt sie eben die Tricks, die Dark Patterns, nah am legalen Abgrund. Sie bringen Nutzer dazu, ständig das Gefühl zu haben etwas zu verpassen, wenn sie nicht eine bestimmte Website besuchen oder dazu Produkte zu kaufen, die sie eigentlich nicht wollen. Das mag Umsatz bringen in den hart umkämpften Märkten aber mehr und mehr Konzepter/Designer stellen sich offen gegen solche Praktiken.

Anregung:
Wenn die Verzweiflung so groß ist, dass Gedanken in Richtung ethisch fragwürdiger UX Praktiken aufkommen, liegt das Problem häufig woanders: Zum Beispiel darin, dass das Produkt an sich einfach keinen großen Markt hat oder man in einem übersättigten Markt unterwegs ist.

Trend 5: Digitale und reale Welt verschmelzen mehr und mehr

Digitale Welten werden immer mehr in die reale Welt eingebunden und von ihr beeinflusst. Ob es nun Hardware-Sensoren oder die kontextsensitive Benutzeroberfläche ist: Wir müssen die Welt außerhalb des Screens immer besser verstehen, um zeitgemäße User Experiences zu erschaffen.



Stimmen Sie mit meiner Meinung überein oder sehen Sie andere Trends für das UX-Jahr 2018? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Portraitfoto: Richard Bretschneider

Richard Bretschneider

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 14

Ein Kommentar

  • Tom

    Toller Beitrag, vielen Dank dafür.

    Zum Thema Hamburger-Menü kann ich sagen, dass mich die Entwicklung mittlerweile regelrecht stört, dass Desktop-Darstellungen von teilweise großen Unternehmen mit einem Hamburger-Menü garniert bzw. versteckt werden.

    Mobil mag es mir oder auch jedem technisch versierten Benutzer mittlerweile klar sein, was sich dahinter versteckt, aber ich empfinde es aus Sicht der Usability als nicht perfekt. Als Zwischenschritt in die richtige Richtung befürworte ich das Hamburger-Icon umrandet mit dem Wort MENÜ als gute Kompromisslösung.

    Wie seht Ihr das?

    Viele Grüße,

    Tom

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