7 Tipps für viele Wörter

Stockt der Lesefluss oder versteht man den Inhalt nicht, ist es schnell vorbei mit dem Spaß an einer Webseite. Das liegt häufig nicht nur am Schreibstil, sondern auch an der Wahl der richten Wörter. Ein Thema welchem oft zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Das möchte ich mit diesem Beitrag ändern. Deshalb geht es hier um Wörter, die auf Webseiten in Navigation, Tabellen, Formularen und natürlich in Texten genutzt werden.

Gerade bei diesen Themen ist die Wahl der richtigen Wörter nicht so einfach, da viele Faktoren eine Rolle spielen.



Zum Aufwärmen einige Punkte die grundsätzlich dabei zu beachten sind:

  1. Wissen was gemeint ist
    Die gewählten Begriffe müssen immer eindeutig sein. Das trifft besonders bei der Navigation und Links zu, denn schließlich sollen Nutzer vorher wissen, was sie auf der nächsten Seite erwartet. Es ist aber auch für alle anderen Inhalte wichtig.
  2. Kurze Wörter wählen
    Leser können nur Wörter bis zu 3 Silben scannen. Darüber hinaus müssen diese Buchstabe für Buchstabe gelesen werden, was die Aufnahme der Inhalte deutlich verlangsamt und mühsamer macht.
    Ein Tipp dazu: Ich füge häufig einen Bindestrich ein, wenn ein Wort sich aus mehreren Begriffen zusammensetzt, auch wenn das eigentlich nicht ganz richtig ist. Es verbessert einfach den Lesefluss.
  3. Konsistenz
    Für eine und dieselbe Sache sollte immer der gleiche Begriff verwendet werden.
  4. Kreativität ist nicht gefragt
    Man fühlt sich vielleicht professioneller, wenn man coole Begriffe verwendet. Das nützt einem aber nichts, wenn die Nutzer nicht wissen was gemeint ist.
  5. Keine Fremdwörter
    Hier gilt das Gleiche, wie beim vorherigen Punkt. Die Gefahr ist groß, dass die Nutzer nicht wissen was gemeint ist.
  6. Keine Anglizismen
    Der Claim „Feel the difference“ von Ford hört sich vielleicht Cool an, verstanden wurde aber von vielen „Fühl das Differential“. Man kann also generell eher davon ausgehen, dass viele Menschen den Sinn von englischen Begriffen nicht verstehen.
  7. Keine Abkürzungen
    Es ist verführerisch Abkürzungen zu verwenden, denn sie benötigen wenig Platz. Aber man sollte die Finger davon lassen, denn es gibt wenige, die allgemein bekannt sind. Diese können dann natürlich genutzt werden. Wenn man Abkürzungen benutzen möchte, ist es gut, die Bedeutung beim ersten Mal in Klammern dahinter zu schreiben.

Nun könnte man meinen, dass man mit diesen Regeln einfach loslegen kann und die Ergebnisse entsprechend gut werden. Leider ist die Welt, wie immer, auch hier nicht so einfach. Es gibt durchaus Gründe von diesen Regeln abzuweichen.

Wer liest?

Schreibt man einen Beitrag für Experten, darf man nicht zu einfach schreiben. Nicht nur, weil man sonst vielleicht nicht ernst genommen wird, sondern auch weil Fachbegriffe häufig wesentlich eindeutiger sind. Hier sind Fremdwörter und Fachbegriffe also ausdrücklich erwünscht. Trotzdem sollte man nicht der Versuchung verfallen möglichst kompliziert zu schreiben, um kompetent zu erscheinen. Dabei geht schnell der Lesefluss verloren und auch Fachleute können überfordert werden.

Man findet sie an vielen Stellen

Häufig wird nicht daran gedacht, wo bestimmte Begriffe überall eingesetzt werden und was man vielleicht anrichtet, wenn man diese an nur einer Stelle ändert. So werden die gleichen Wörter z. B. oft auch in Tools genutzt, mit denen die Mitarbeiter im Hintergrund arbeiten. Ändert man nur an einer Stelle kann das die Bearbeitung unnötig kompliziert machen.

Denken in Boxen bringt immer Nachteile, also auch hier mal über den Tellerrand schauen. Entweder passt man die Bezeichnungen überall an oder man bleibt besser beim alten Begriff.

Gelerntes nicht über Bord werfen

Heute ist es meist ein Relaunch, wenn man an einer Webseite arbeitet. Die Historie sollte deshalb nicht einfach außer Acht gelassen werden. Das trifft insbesondere auf geschlossene Nutzergruppen, wie das z.B. bei einem Intranet oder Extranet der Fall ist.

Ändert man hier leichtfertig Begriffe, kann das zur Verwirrung der Nutzer führen. Das darf natürlich kein Grund sein, nichts zu ändern. Es ist aber empfehlenswert immer darauf zu achten, dass die Verbesserung, die man erreichen möchte, nicht das Gegenteil bewirkt.

Macht Suchmaschinen-Optimierung Texte unlesbar?

Die Vermutung ist naheliegend, dass Texte, die für Suchmaschinen optimiert wurden, nicht mehr so richtig lesbar sind. Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall. Einer guten Suchmaschinenoptimierung geht immer eine ausführliche Keywordanalyse voran. In dieser Analyse schaut man hin, welche Begriffe für die Suche genutzt werden.

Da viele Menschen diese Begriffe genutzt haben, kann man davon ausgehen, dass diese Wörter im Allgemeinen das Thema sehr gut beschreiben. Das sind dann doch genau, die Begriffe, die man nutzen sollte.

Nun muss man den gewählten Begriff natürlich recht häufig nutzen, wenn die Seite im Ranking nach oben steigen soll, was natürlich für einen Leser ein wenig nervig sein kann. Es gibt aber eine einfache Vorgehensweise, dass zu vermeiden. Im ersten Schritt setzt man die Begriffe erst einmal so häufig ein, wie es geht. Bei der Überarbeitung des Textes ändert man einfach die Teile ab, die nicht gut passen. Das macht man dann so lange, bis sich der Text vernünftig anhört.

Anhören ist übrigens auch ein guter Tipp. Man merkt viel schneller, ob ein Text funktioniert oder eben auch nicht, wenn man diesen laut vorliest. Ein weiterer Vorteil: Ist ein Satz zu lang, geht einem vor dem Ende die Luft aus.

Was ist zu tun,…

..wenn das mit den Begriffen gut funktionieren soll? Braucht man einen Wörterverantwortlichen? Die Idee ist eigentlich gar nicht so schlecht. Es wäre schon Vorteilhaft, wenn jemand darauf achtet, da viele Tools in einem Unternehmen durch die richtige Wahl von Begriffen optimiert werden können. Weiterhin arbeitet kaum noch ein System im Inselbetrieb. Daran denkt man häufig gar nicht, wenn man an einem Webportal arbeitet. So sind die Systeme im Hintergrund genauso zu beachten, wie Intranet oder ein Dokumenten-Management-System.

Bei der Entwicklung eines Internetauftritts ist es auf jeden Fall wichtig, das Thema „Wording“ mit auf der Aufgabenliste zu haben. Die richtige Auswahl der passenden Worter ist keine Nebensache, sondern ein wichtiges Element für ein positives Nutzererlebnis.

Portraitfoto: Joachim Lindner

Joachim Lindner

Berater für Online-Kommunikation und Social Media

J. Lindner Consulting

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