9 Tipps für Usability-Messmethoden bei Kindern

Kinder erobern immer mehr den Markt. Jüngere Kinder kaufen zwar selbst noch keine Produkte, haben allerdings einen sehr großen Einfluss auf die Kaufentscheidung der Eltern. Für Produkthersteller ist dabei besonders interessant, warum sich Kinder für genau dieses Produkt und nicht für ein anderes entscheiden. Die spannende Herausforderung liegt darin herauszufinden, wie bestimmte Produkte auf Kinder wirken.

Aber was muss beachtet werden, wenn Wirkungen von Produkten auf Kinder überprüft werden? Gibt es denn überhaupt „pauschale“ Kriterien für Messmethoden bei Kindern?

Kinder

Ein Blick in die entwicklungspsychologische Forschung verrät: verschiedene Altersgruppen, erfordern spezifisch angepasste Messmethoden. Ein 3-Jähriger, der noch nicht lesen und nicht besonders lange zuhören kann, muss natürlich anders befragt werden, als ein 8-Jähriger, der bereits gut lesen kann.

Dabei gibt es sowohl bei der Testung an sich (vgl. Al Issawi, 2015 10 Tipps fürs Usability Testing mit Kleinkindern: Herausforderung – aber ein Riesenspaß!), als auch bei der Entwicklung entsprechender Messinstrumente einiges zu beachten.

Folgende wichtige Tipps ergeben sich aus unseren umfangreichen Forschungsstudien:

Spezifische Alterspannen

Es empfiehlt sich nicht pauschal „Kinder“ zu befragen, sondern spezifisch eine bestimmte Altersspanne einzubeziehen. Auf diese Weise wird Unter- oder Überforderung vermieden. Häufig werden die Altersspannen 4-6 und 7-14 oder bestimmte Jahrgangsstufen gewählt. Für diese Altersspannen ist schließlich eine spezifische Anpassung der Methoden notwendig.

Einfache Sprache

Sprache sollte möglichst einfach und gut verständlich sein und dem Wortschatz der jeweiligen Altersgruppe entsprechen. Vergiss nicht: Vor allem für jüngere Kinder sind mündliche Messmethoden passender als schriftliche, da sie häufig noch nicht lesen können. Indirekte Fragen sollten zunächst vermieden werden.

Angepasste Schriftgröße

Gerade Grundschüler, die ja erst anfangen zu lesen, brauchen große Schriftgrößen. Während Erwachsene kleine Schrift gewöhnt sind, muss diese bei Kindern entsprechend adaptiert werden.

Weniger ist mehr

Erwachsene können Informationen selektieren, aber Kinder haben schnell Schwierigkeiten mit vielen Informationen auf einmal. Stellen Sie sich Informationen als „Ziegelsteine“ vor. Je kleiner die Hände, desto weniger können Kinder „tragen“, bis sie überfordert sind. Es empfiehlt sich, Informationen daher lieber „Stück für Stück“ zu präsentieren, um eine Überforderung zu vermeiden.

Kurze Tests

Aufmerksamkeit ist begrenzt, daher sollte die Messmethode auch nur kurze Zeit erfordern. Kinder werden schnell ungeduldig und können unter Umständen dann nicht mehr richtig zuhören. Daher: lieber mehr Kinder untersuchen und die Fragen variieren.

Bildhafte Skalen (wie Smilies), statt Nummern oder Wörtern

Smiley

Bildhafte Skalen unterstützen jüngere Kinder darin, sich für eine Kategorie zu entscheiden. Zusätzlich haben jüngere Kinder (bis 8 Jahre) zum Teil Schwierigkeiten mit „Zwischenstufen“, wie „eher“. Einige Studien und unsere Erfahrungen zeigen, dass Kinder mit 3er Stufen (stimmt, mittel, stimmt nicht) dagegen gut zurechtkommen.


Gezielter Einsatz von Farben

Kinder lieben Farben! Kindgerechte Produkte sind in Farbe und Form an Kinder angepasst. Aber auch Messmethoden, wie z. B. Fragebögen sollten kindgerecht gestaltet sein. Das motiviert auch die Testung durchzuhalten.

Nachfragen!

Wir haben inzwischen bereits weit über 400 Kinder befragt. Aus unserer Erfahrung heraus gibt es nun noch einen allerletzten Tipp: Nachfragen! Erwachsene sagen/schreiben in Testsituationen in der Regel alles, was sie wissen oder ihnen einfällt. Bei Kindern ist das aber anders. Ergebnisse einer großen Befragung von 7-9-Jährigen zeigen, dass diese jede schriftliche Frage mit durchschnittlich nur drei Wörtern beantworten, sogar unabhängig davon, wie viel sie tatsächlich wissen. Auch in Interviewsituationen lohnt es sich nachzufragen, ob den Kindern „nicht doch noch etwas einfällt“. Daraus lässt sich für die Entwicklung der Messmethoden ableiten: Fragen sollten möglichst spezifisch sein und zusätzliche „Nachfrage-Fragen“ eingeplant werden.

Zusammenfassend zeigt sich: Usability-Testung bei Kindern lohnt sich. Aber mache dich darauf gefasst: Kindermund tut Wahrheit kund 🙂

Portraitfoto: Marina Meixner

Marina Meixner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Ludwig-Maximilians-Universität München

Bisher veröffentlichte Beiträge: 1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.