Agile UX – Instant Wins aus dem Nutzertest

Klischees wie „Usability Tests sind teuer, benötigen viel Zeit und die Ergebnisse kommen viel zu spät“ bestehen leider immer noch. Viele Blogs greifen das Thema UX und agiles arbeiten auf und halten die Teams dazu an, auch im agilen Umfeld Nutzertests durchzuführen.

Die Tipps hören jedoch häufig bei „laden Sie Ihre Stakeholder ein“ und „liefen Sie schnell Ergebnisse“ auf. Hier erfahren Sie, WIE sie schnell zu Ergebnissen kommen, die auch den Konsens der Stakeholder zusammenfassen.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Man kommt natürlich nicht drum herum: Jedes Projekt und jeder Nutzertest muss vorbereitet werden. Ich gehe daher hier nur auf die essentiellen Punkte ein, welche für eine schnelle Erfassung und Dokumentation der Ergebnisse wichtig sind.

Für alle, die sich vorher noch einmal global zu Usability Tests und weiteren Methoden informieren wollen, hier unsere besten Artikel aus dem Blog bzw. der Website:

Springen wir mal eine ganze Ecke nach vorne in der Timeline: Der Testgegenstand (egal ob Papierprototyp, Axure, HTML, Styropor, etc.) steht bereit, die Probanden sind eingeladen, die Fragestellungen sind geklärt, es gibt einen Interviewleitfaden und auch einen Testtag, an dem alles stattfinden soll. Die Erhebung steht an! Soweit so gut. Und nun?

Effektiv und effizient Erkenntnisse noch am Testtag generieren

      1. Laden Sie die relevanten Stakeholder & Entscheider zum Test als Beobachter ein! Stakeholder-Integration sollte nicht bei den Fragestellungen und der Abnahme des Entwicklungsgegenstandes aufhören. Um im Projekt weiterhin erfolgreich alle mitzuziehen, müssen die relevanten Personen auch bei den Tests mit vor Ort einbezogen werden. Der erste Schritt ist, diese aktiv zum Beobachten mit einzuladen.
      2. Machen Sie allen klar: Beobachten lohnt sich! Erklären Sie den Stakeholdern den Sinn und Zweck des Usability Tests. Stellen Sie dabei heraus, dass schon während des Tests Erkenntnisse gewonnen werden, zu denen der Input aller Beobachter & Entscheider essentiell ist.
      3. Beobachtungsregeln einführen

          a. Mindestens 3 Sessions beobachten: Je mehr Sessions, desto besser natürlich. Wir empfehlen, mindestens 3 Teilnehmer zu beobachten. Aber, bevor man gar keine Session ansieht, lieber eine als gar keine!
          b. Aktives Beobachten: Jeder macht Notizen. Dies fördert die aktive Teilnahme der Beobachter am Nutzertests. Laptops bleiben zugeklappt, Nebenaufgaben fallen weg. Im Fokus steht alleine der Nutzertest bzw. das Verhalten & Feedback des Testteilnehmers.
          c. Austausch der Beobachter nur in den Pausen: In den Pausen sollte der Austausch der Stakeholder zur letzten Interview stattfinden – nicht während der Session. Hier gilt es, zuzuhören und zuzusehen. Die Pausen sollten daher so geplant sein, dass die ersten 10 Minuten zum Austausch genutzt werden können. Danach zur allgemeinen Regeneration, bevor die nächste Session beginnt.
      4. Erkenntnisse festhalten: Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie Sie die Erkenntnisse aller Beobachter am besten direkt festhalten können.

          a. Überlegungen zur anschließenden Dokumentation helfen dabei (wird z. B. die Dokumentation als Fotoprotokoll, in PowerPoint, Excel, JIRA Tickets, Confluence, etc.) erfolgen? -> passen Sie die Sammlung während der Nutzertests schon daran an! Der Umgang & die Art der Weiterverarbeitung der Ergebnisse bestimmt dann auch den Workshop und dessen Output & spart am Ende wieder Zeit.

        Optimaler Weise werden die Notizen nach jeder Session gesammelt und für alle sichtbar notiert. Wir arbeiten hier mit konkreten Vorgaben, um die Notizen standardisiert und objektiv zu halten:

          b. Nur Verhaltensbeobachtungen („Warenkorb wurde nicht gefunden“ // „Adresseingabe funktioniert ohne Probleme“) und direkte Zitate notieren („Ohne Trust-Siegel vertraue ich neuen Onlineshops weniger schnell“)
          c. Themenspeicher für Lösungsideen der Beobachter schaffen (abgegrenzt von den objektiven Notizen)
          d. Cluster vorbereiten: z. B. anhand der User Journey oder getesteten Seiten. Nach positiven, negativen und neutralen Notizen vorsortieren.
          Tipp: Auch ein Cluster für Bugs vorsehen!
          e. Doppelungen kennzeichnen: Tritt ein Problem oder eine positive Äußerung bei mehreren Probanden auf, dies kenntlich machen.
      5. Erkenntnisse diskutieren: Am Ende eines Testtages (oder bei langen Tagen am Vormittag des Folgetages) sollten Sie sich (mind. 1 Stunde) Zeit nehmen, die Erkenntnisse noch einmal mit allen Anwesenden durchzugehen. Hier bietet es sich je nach Testobjekt an…

          a. … die größten Findings …
          b. … die low hanging fruits …
          c. … die kritischsten Stellen …

      … zu identifizieren und zu markieren.

Dokumentieren & weiter im Takt

Nach einem solchen Testtag werden Sie feststellen: Eigentlich wurden die wichtigsten Erkenntnisse schon festgehalten UND die Stakeholder kennen die Erkenntnisse schon & ziehen bei der Bearbeitung mit. Der „Tag danach“ kann nun dazu genutzt werden, die Ergebnisse strukturiert aufzubereiten – denn inhaltlich steht eigentlich schon alles fest.

Die wichtigste Frage hierbei: Was braucht es trotz aller Agilität an schriftlicher Doku fürs Management? Wie schon oben erläutert macht es durchaus Sinn, sich im Vorfeld Gedanken zur Dokumentation zu machen, um die Sammlung der Beobachternotizen entsprechend zu strukturieren.

Tipps zur erfolgreichen Dokumentation von Usability Findings:

  • Jedes Finding hat einen Titel, eine Beschreibung und eine Gewichtung
    • Dabei den Schweregrad und die Häufigkeit eines Problems voneinander trennen!
    • Die Gewichtung ggf. schon am Vortag festlegen: Hier ist der Konsens der Beteiligten notwendig!
    • o Spezifisch schreiben – nicht zu allgemein: Jeder muss wissen, was genau das Problem ist
  • Auch positive Findings beschreiben
  • Lösungsideen / Empfehlungen ergänzen // Lücken aufzeigen
  • UND: Das große Ganze nicht aus den Augen lassen. Dies passiert häufig, wenn man sich auf einzelne Findings konzentriert.

Blogartikel mit weiteren Tipps rund um den Usability Test-Report:

Ein letzter Tipp zum Schluss: Wer am Erhebungstag sauber und strukturiert die Notizen pflegt und To-Do’s schon verteilt, braucht fast nur noch ein Fotoprotokoll.

Portraitfoto: Melanie Jotz

Melanie Jotz

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 19

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