Case Study: First-Click-Testing mit Douglas

Nutzerfeedback ist im Entwicklungsprozess ein entscheidender Faktor für den späteren Erfolg eines Produktes. Um UX-Research in die komplexen Prozesse der Produktentwicklung zu integrieren, suchen viele Unternehmen nach einer effizienten Möglichkeit, ihre Produkte schnell und mit einer validen Stichprobe zu testen. Eine Methode, die sich dieser Herausforderung stellt, ist das sogenannte Remote Usability-Testing. Bei dieser Methode nehmen die Probanden von ihrem eigenen Rechner zu Hause oder am Arbeitsplatz aus am Test teil, befinden sich also in ihrer gewohnten Umgebung.

Eine besondere Form des Remote-Testings bildet das First-Click-Testing, welches speziell dafür entwickelt wurde, UX-Probleme im Bereich des gestalterischen Aufbaus zu identifizieren. Mit Hilfe eines First-Click-Tests wird der erste spontane Mausklick eines Probanden aufgezeichnet. Dadurch kann einfach nachvollzogen werden, ob wichtige Seitenelemente durch die Nutzer wahrgenommen und verstanden werden.

Doch wie funktioniert so ein First-Click-Test genau?

Im Prinzip sehr einfach: Dem Probanden wird ein Screen eines (digitalen) Produktes angezeigt. Parallel dazu wird er aufgefordert, eine bestimmte Information auf dem dargestellten Screen zu suchen. Der Proband kann anschließend via Mausklick oder Tab auf den Screen anzeigen, wo auf der Website oder App, er die gesuchte Information vermutet.

First-Klick-Testing ist günstig, schnell implementiert und ermöglicht das effektive Testen mit großen Stichproben. Diese Vorteile klingen fast zu schön um wahr zu sein, und so gibt es (leider) auch hier einen Haken: Im Vergleich zu einem klassischen Usability-Test im Labor beziehen sich die Ergebnisse eines First-Click-Tests lediglich auf wenige Teilbereiche eines Produkts. Demzufolge können nur einfache Bearbeitungsschritte, jedoch keine komplexen interaktiven Abläufe analysiert werden.

Wir wären aber keine UX-Researcher, hätte das Frist-Click-Testing nicht trotzdem unser Interesse geweckt! Glücklicherweise konnten wir unseren langjährigen Kunden Douglas davon überzeugen, unser Vorhaben zu unterstützen, so dass wir zusammen mit Douglas das Konzept zu einem First-Click-Test entwickelten, um neue Methoden der mobilen Artikelübersichtsseite zu testen.

Das Tool unserer Wahl – Chalkmark

Für unsere Studie nutzen wir ein Tool namens Chalkmark. Das Tool aus dem Hause Optimal Workshop wurde speziell für das Frist-Click-Testing entwickelt und besticht durch seine Einfachheit.

Dadurch ist es möglich, Tests innerhalb kürzester Zeit zu implementieren. Lediglich ein Screen, sowie die dazugehörige Fragestellung sind nötig, um einen Test zu realisieren. Hierbei spielt es keine Rolle, in welcher Entwicklungsphase sich der Screen befindet, so dass bereits in einem sehr frühen Stadium mit Mockups, Scribbles, Papier-Prototypen oder Vergleichbaren getestet werden kann. Wie eine Studie mit Chalkmark letztendlich abläuft, kann unter der folgenden Demo eingesehen werden:
https://bananacom.optimalworkshop.com/chalkmark/bananacom-demo-survey

Chalkmark liefert weiterhin sehr gute Auswertungsmöglichkeiten. Wie in Abbildung 1 aufgezeigt, generiert Chalkmark Heat- bzw. Klickmaps. Dadurch kann die Frage beantwortet werden, ob die Nutzer verstehen, wo genau sie klicken müssen, um die gewünschte Information zu erhalten. Weiterhin erfährt man, ob die Platzierung einer Funktion so gewählt wurde, dass die Probanden bei der Suche bestmöglich unterstützt werden.

Best Practice Beispiel einer Chalkmap

Abbildung 1: Beispielhafte Heat- /Klickmap durch Chalkmark der fiktiven Seite banana.com

Weiterhin erhebt Chalkmark die Dauer und die Erfolgsrate eines jeden Probanden. Welche Klicks letztendlich als Erfolg bzw. Misserfolg gewertet werden, entscheidet der Projektleiter dabei selbst, indem er im Vorfeld sogenannte „success-areas“ für jeden Screen definiert.

Abb. 2: Zusammenfassung der erhobenen Metriken durch Chalkmark der fiktiven Seite banana.com

Zusammenfassend besitzen die Ergebnisse von Chalkmark einen stark quantitativen Charakter. Dennoch erlaubt Chalkmark nach der Bearbeitung einer Aufgabe, retrospektive Fragen zu stellen, so dass die Entscheidung eines Klicks durch den Probanden auch qualitativ begründet werden kann.

Case Study: Navigation auf der Artikelübersichtsseite bei Douglas

Wie bereits erwähnt, ergab sich kürzlich die Möglichkeit, für douglas.de ein First-Click-Testing unter realen Bedingungen des Projektalltags einzusetzen. Hierfür hat Douglas eine neue mobile Artikelübersichtsseite entwickelt, die den Auswahlprozess der Nutzer optimal unterstützen sollte. Da es auf einer Artikelübersichtsseite naturgemäß viele unterschiedliche Navigationsziele gibt, stand dieser Aspekt besonders im Fokus.

Neben dem Aufrufen einer Detailseite muss der Nutzer viele weitere Möglichkeiten haben:

  • In eine Unterkategorie der aktuellen Kategorie navigieren
  • In eine ganz andere Kategorie wechseln
  • Die aktuellen Produkte filtern
  • Die aktuellen Produkte sortieren

Ziel der Studie war es zu verstehen, wo diese verschiedenen Optionen angeboten werden sollten und ob der aktuelle Entwurf für die Nutzer verständlich ist. Wegen des knappen Zeitfensters und der sehr fokussierten Zielsetzung war das First-Click-Testing hierfür die optimale Methode. Die Probanden wurden dabei entsprechend der Zielgruppe von Douglas aus dem Online-Panel von eresult rekrutiert und zur Chalkmark-Studie geleitet. Insgesamt betrug die Stichprobe n=200.

Zu jedem der oben genannten Use Cases wurden zwei konkrete Szenarien entwickelt, um zuverlässige Ergebnisse zu erhalten. Jedes Szenario beinhaltete jeweils den Start auf einer bestimmten Artikelübersichtsseite und eine passende Navigationsaufgabe. Anschließend durchlief jeder Proband die Aufgaben in zufälliger Reihenfolge. Im Folgenden beschreibe ich einige ausgewählte Aufgaben und die daraus resultierenden Ergebnisse.

Kategoriewechsel

Besonders interessant war für Douglas, welchen Weg die Nutzer wählen, um in eine komplett andere Kategorie zu wechseln. Zum einen kann die Navigation über den Header erfolgen: Dort gibt es das klassische Burger-Menü mit allen Kategorien, aber darunter auch eine Leiste mit ausgewählten, direkt sichtbaren Kategorien. Gleichzeitig ist im Inhaltsbereich der Artikelübersichtsseite auch ein Kategorien-Dropdown zu finden.
Eine der beiden Aufgaben für diesen Use Case zeigt dem Probanden die Düfte-Übersichtsseite und bittet ihn, zu Lippenstiften zu navigieren (siehe Screenshot).

Abb. 3: Nutzersicht von Chalkmark

Die Ergebnisse dieser Aufgabe waren sehr interessant (siehe Screenshot). Insgesamt waren 82 % der Probanden erfolgreich, wobei sich die weiteren Probanden auf unterschiedliche Seitenelemente verteilen und wenig relevant sind. Spannend war, dass der Großteil (58 %) über die Kategorien-Leiste im Header navigierte. Nur ein minimaler Anteil (2 %) wählte das Burger-Menü. Immerhin 22 % der Probanden klickten auf das Kategorien-Dropdown im Inhaltsbereich.

Abb. 4: Zusammenfassung der erhobenen Metriken durch Chalkmark

Aus diesen Daten und dem Vergleich mit weiteren Aufgaben konnte erkannt werden, dass der Kategoriewechsel meist über den Header erfolgt: Vorzugsweise, wenn die gesuchte Kategorie in der Leiste direkt zu sehen ist, alternativ über das Burger-Menü. Aber auch das Kategorien-Dropdown ist durchaus relevant, so dass entschieden wurde, darin nicht nur Unterkategorien, sondern auch andere Oberkategorien aufzuführen.

Sortierung

Ein anderer Use Case ist das Sortieren der angezeigten Produkte. Für Douglas bestand die Frage, ob die Sortierung im Dropdown „Filtern“ gefunden wird. Im Test zeigte sich deutlich, dass der Begriff „Sortieren“ tatsächlich nicht notwendig war, da auch so 78 % der Probanden erfolgreich waren (siehe Screenshot).

Abb. 5: Heat-/ Klickmap durch Chalkmark

Fazit

Ein First-Click-Test mit Chalkmark bildet eine sehr schnelle und günstige Möglichkeit, nutzerzentriert zu arbeiten. Demzufolge eignet sich das Tool besonders dafür, kleine und fokussierte Fragestellungen zu untersuchen. Wer innerhalb seiner Forschung einen stark qualitativen Ansatz verfolgt, sollte lieber zu anderen Methoden, wie z. B. einem Usability-Test im Labor, zurückgreifen. Es empfiehlt sich, First-Click-Tests als Ergänzung zum Usability-Test im Labor zu nutzen, da die im Labor gewonnen Daten durch quantitative Daten validiert werden können.

Portraitfoto: Dustin Rauch

Dustin Rauch

User Experience Consultant

eresult GmbH

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