Das Jahr der Virtual Reality

Ist es tatsächlich so weit, werden 3D Erlebnisse schon in diesem Jahr Realität und uns mittels Apps ins tägliche Leben folgen? Ein guter Grund dafür: Die Technik ist soweit! Unsere modernen Smartphones haben genug Rechenpower, um ansprechende Grafiken zu produzieren und unser Gehirn in künstliche 3D Welten mitzunehmen. Ich muss gestehen, dass ich dieses Thema komplett ausgeblendet hatte, bis Allan Jäke das Thema kürzlich beim UX Roundtable aufgriff. Mehrere 100 Euro wollte ich nicht investieren, aber 20 Euro war mir das Experiment wert, also wurde zu Ostern die Color aus China ausprobiert. Das Angebot an kostenlosen Apps ist enorm, man merkt, dass viel experimentiert wird, noch ist zugegebenermaßen der Nutzerwert gering, aber hey, wir können es!

Es regnet Geld, die Dinosaurier laufen durch den Garten…

Um die Währung zu bestimmen, muss man nachzahlen, aber für einen Gag reicht es: Wer wollte nicht schon immer mal im Geld schwimmen, oder es wie bei Sterntaler vom Himmel regnen sehen?

Meine Familie noch mehr beeindruckt hat die Suche nach Dinosauriern! Flugsaurier in der Luft oder trampelnd durch den Garten tauchen immer mehr Kreaturen auf, wenn man durch die Handykamera blickt. Beide Apps werden von „Useless Creations“ zum Download gestellt. Für Android soll die Auswahl noch größer sein.

Dies lässt sich beides unter Augmented Reality abhaken, ist ganz nett, hat IKEA vor 2,5 Jahren schon im Katalog eingebaut und mittels einer App zum Leben erweckt.

Geteilte Bilder für das „echte“ 3D Bild

Der Clou, den die neusten Apps nun bieten, ist aber ein anderer: Es werden unterschiedliche Bilder für das rechte und das linke Auge produziert, dadurch entsteht der dreidimensionale Eindruck. Durch Bewegen des Kopfes, der das Smartphone samt Gehäuse trägt, kann sogar das Menü bedient werden. Erinnert mich an die ersten Eye-Toy Spiele, bei denen die Person vor dem Fernsehen gefilmt wurde und in einer bestimmten Position mit dem Arm „Winken“ musste, um z.B. ein „OK“ auszulösen. Durch Nintendo Wii und Microsoft Kinect lockt das heute keinen mehr hinterm Ofen vor, und dennoch ist das Gefühl hinter der Brille ein anderes…

Günstiges Einsteiger Modell: Die ColorCross-Brille als Halterung für das Smartphone

Günstiges Einsteiger Modell: Die ColorCross-Brille als Halterung für das Smartphone

Autorennen, Achterbahn, Helikopterflug über Island – mittendrin statt nur dabei

Sich in die Kurven legen, nach rechts und links auf den Streckenverlauf und die Gegner schauen, man gewinnt schon ein ganz eigenes Fahrgefühl während man sich auf der Strecke befindet. Sehr beeindruckt war ich von der Achterbahnfahrt, die die Oculus Rift (hier eine schöne Darstellung der Historie) ermöglicht. Da ist schon noch mehr Rechenpower nötig, um ein ruckelfreies Bild zu ermöglichen, aber ich muss zugeben: Mir haben die Beine gezittert und ich musste mich am Tisch festkrallen, erschreckend realistisches Gefühl im Magen, wenn es bergab in die Tiefe geht. 🙂

Anwendungsfälle für die Zukunft

Gerade Bedienungsanleitungen könnten dadurch sehr viel leichter handelbar werden, ein kurzes Video zeigt die Handgriffe z.B. beim Festschrauben eines Abflussrohres, die Einsatzbereiche sind schier endlos, für Handgriffe, die nicht regelmäßig ausgeführt werden. Ich krame z.B. jedes Mal wieder die Bedienungsanleitung meiner Waschmaschine heraus, wenn es gilt, das Waschmittelfach zu säubern, ich kann mir den Trick nicht merken, wie man dieses Fach löst, eine App käme da sehr gelegen!

Auch im Krankenhaus, im Operationssaal könnte bei seltenen Eingriffen ein virtueller Chirurg sicherlich gut assistieren: Wo soll der Schnitt angesetzt werden, wie tief muss geschnitten werden, wo sollen die Stiche gesetzt werden… Anhand der Körperfunktionen und Zustand des Patienten, könnten weitere Schritte empfohlen werden oder Dosierungen für Medikamente – die Entscheidung läge aber weiterhin beim Menschen, ähnlich wie bei den automatischen Einparksystemen, auch wenn hier sicherlich das Thema der Schuldfrage, wenn es ein Schadens- bzw. Versicherungsfall wird, im Fokus steht.

Massentauglich in naher Zukunft

So wenig wahrscheinlich künftig jeder mit Google Glasses herumlaufen wird, umso eher wahrscheinlich ist der kurzfristige Siegeszug der Virtuellen und Augmented Realitäten, wenn jeder schon ein Gerät besitzt, was in der Lage dazu ist.

Ggf. sitzen wir dann nicht mehr Zeitung-lesend wie 1950, nicht mehr Smartphone-nutzend wie 2010, sondern alle hinter Brillen versteckt im Zug und verabschieden uns ein Stückchen von der „echten Realität“.

Ich freue mich über Ergänzungen, welche Modelle oder Apps die besten bzw. realistischsten Effekt abliefern – auch tolle Ideen, die einen echten Mehrwert bieten, finde ich spannend.

Portraitfoto: Anja Weitemeyer

Anja Weitemeyer

Managing Partner & Senior UX-Consultant

eresult GmbH

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