eBook-Reader – eine Bestandsaufnahme und aktuelle Studien

Das Für und Wider der eBooks und eReader existiert seit deren Erscheinen und scheint auch weiterhin kein Ende zu nehmen. Mittlerweile gibt es bei vielen eBook-Lesern den Trend zur parallelen Nutzung: Je nach Situation, Buchgenre oder anderen entscheiden sie sich für die gedruckte oder die digitale Ausgabe. Auch die jeweiligen Endgeräte unterscheiden sich nur noch in Kleinigkeiten – umso entscheidender ist es für die Leser, dort genau hinzusehen. Hier legen sie sich für die nächste Zeit auf einen Anbieter fest. Ein detaillierter Vergleich, wie der perfekte eReader aussehen soll, existiert noch nicht. Dieser wird in den nächsten Wochen von uns realisiert.

eBooks aus Sicht der Buchhandlungen und Verlage

Die GfK hat im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels e.V. eine Längsschnittstudie zum eBook-Trend in Deutschland durchgeführt und 2014 die neuesten Ergebnisse veröffentlicht.
Insgesamt zeigte sich, dass die Akzeptanz der eBooks und eReader seit deren Erscheinen zugenommen hat: „Die Nachfrage der Konsumenten ist gestiegen, Verlage und Sortimente haben ihr eBook-Angebot ausgeweitet und auch die Barsortimente/Großhändler sehen eine steigende Bedeutung des digitalen Buches und stellen sich auf diese ein“ (Lippmann et al., 2014).

2012 war schon jedes dritte verkaufte Buch des Weltbild-Konzerns ein eBook, insgesamt ist der Gesamtumsatz mit eBooks im Vergleich zu 2011 um 125 % gestiegen. (Meixner, 2013). Dennoch bleibt der Anteil der eBooks am Gesamtumsatz 2013 bei durchschnittlich 1 %. Mehr als 77 % (2012: 68 %) aller Buchhandlungen haben nun eBooks im Angebot, bei den großen Buchhandlungen sind es nahezu 100 %. Verglichen damit, vertreiben nur wenige Buchhandlungen auch die dazugehörigen Endgeräte: Nur jede zweite (56 %) Buchhandlung verkauft auch eReader (Lippmann et al. 2014). Die größte Sorge der Buchhandlungen in Bezug auf eBooks und eReader bleiben Umsatzrückgänge beim klassischen Sortiment. Allerdings sehen viele Sortimente eBooks mittlerweile eher als Ergänzung und nicht als Ersatz des klassischen Buches (Lippmann et al. 2014, S. 42). Auch wird der Umsatzanteil von eBooks für 2015 auf 2,8 % geschätzt.

Aus Sicht der Verlage stehen die eBooks noch am Anfang ihrer Entwicklung. Henning Peters, Geschäftsführer der Skoobe GmbH erklärt im Interview mit PWC, dass eBooks neue Freiheiten und Flexibilität auch für die Leser schaffen, die vorher nicht möglich gewesen sind. Vor allem in Verleihmodellen oder Online-Bibliotheken wie „Skoobe“ sieht er viel Potential: „Es entscheiden sich 80 % der eBook-Nutzer häufiger als früher spontan dafür, ein unbekanntes Buch zu lesen. Außerdem nehmen sich mehr Leser die Freiheit, ein Buch einfach abzubrechen, wenn es ihnen nicht gefällt.“ (Ballhaus 2014). Neue Verkaufsmöglichkeiten und Strategien, wie kostenlose Leseproben stellen somit auch die Verlage vor neue Herausforderungen. Jakob Nielsen formuliert dies ziemlich treffend: Die oftmals angebotenen, kostenlosen Leseproben, welche das erste oder die ersten Kapitel eines Buches umfassen, müssen das Buch verkaufen. Autoren, die ihr Buch erfolgreich vermarkten möchten, müssen daher die meiste Energie, Kreativität und Spannung in den Anfang stecken („Free previews will also change book writing: you’ll have to ensure that your best material is in the first chapter, because that’s what will sell the book“ (Nielsen 2009)).

Wenn es nach Rita Bollig, der Geschäftsführerin von Bastei Entertainment im Interview mit PWC geht, wird sich sogar das gesamte Leseerlebnis in Zukunft ändern. Die Verwertungskette des Buches kann vom klassischen Buch, über ein eBook, eine multimediale App, Hörbuch und „read+listen“-Versionen bis hin zur Realisierung als Film oder TV-Serie reichen. „Dabei merkt man schnell, dass die eigentliche Konkurrenz nicht unbedingt aus anderen Verlagen kommt, sondern beispielsweise aus dem Gaming- und Animations-Bereich. […] Somit treffen Autoren hier nicht nur auf Verlagsmitarbeiter, sondern auch auf Designer, Entwickler und Menschen, die sich um die Vermarktung der digitalen Produkte kümmern“ Rita Bollig in Ballhaus (2014). Durch die zunehmende Verknüpfung der Medien wird wahrscheinlich auch das Angebot solcher „Enhanced eBooks“ voranschreiten.

Aktuelle Einstellungen und Trends der Leserschaft

Die immer weiter zunehmende Digitalisierung des Alltags und damit die steigende Affinität der Leser zu digitalen Medien beflügelt die Verbreitung von eReadern und eBooks. Mittlerweile kennen sie 88 % der deutschen Bevölkerung ab 10 Jahren, knapp 30 % fühlen sich dabei sehr gut darüber informiert (Lippmann et al. 2014). Der Anteil derjenigen, die eBooks auch in Zukunft nicht nutzen möchten, geht stetig zurück. Die Herausbildung einer parallelen Nutzung von eBook und gedrucktem Buch wird aber immer deutlicher.

Ratgeber, Reiseführer und Romane sind die häufigsten Buchgattungen, die auf eReadern gelesen werden. Romane liegen dabei eindeutig an der Spitze. Der Anteil von Lehrbüchern oder wissenschaftlichen Abhandlungen und auch der Bereich „Kindern vorlesen“ sank im Vergleich zum Vorjahr sogar. Die Konsumentenbefragung des Deutschen Börsenvereins gibt sogar an, dass das gedruckte Buch die Wettbewerbsfähigkeit sogar wieder steigern kann. „Hier deutet alles darauf hin, dass eBook-Nutzer nach einer ersten Phase des Experimentierens Erfahrungswerte gesammelt haben, die später wechselnde Käufe steuern“, Lippmann et al. (2014). Abhängig von den Leserpräferenzen und gesammelten Erfahrungen zu einzelnen Buchgenres wird also individuell entschieden, ob das Buch als elektronische oder gedruckte Variante gekauft wird.

Was sind also die ausschlaggebenden Gründe, eBooks zu lesen?

Fast jeder fünfte eReader-Besitzer kauft mindestens 5 eBooks im Jahr. Insgesamt stehen diese Vielleser den eBooks insgesamt aufgeschlossener gegenüber (Ballhaus 2014). „Besonders bei Frauen sind eReader beliebt – männliche Nutzer wählen dagegen deutlich häufiger Tablet, PC oder Notebook als Lesegerät“ (Ballhaus 2014). Am interessantesten für die Leser scheint wohl die Option der mobilen Bibliothek. 67 % bewerten diese Funktion als „sehr interessant“ bzw. „interessant“ (Lippmann et al. 2014). Die Platzersparnis und das geringe Gewicht scheinen hier ausschlaggebend zu sein (Ballhaus 2014). Sie erhoffen sich dadurch die Lösung von Platzproblemen zu Hause und auch unterwegs oder auf Reisen eine Erleichterung. Gedruckte Bücher nehmen somit keinen anders benötigten Raum mehr weg. Weiterhin empfinden viele eReader-Nutzer deren Verwendung umweltfreundlich, da hierdurch weniger Papier für den Druck von Büchern verbraucht wird. Ein weiterer Pluspunkt für eReader ist die integrierte Beleuchtung, die seit dem Amazon Kindle Paperwhite und dem Tolino Shine allgemeine Bekanntheit und Beliebtheit erfahren haben. Auch der 24-Stunden-Einkauf- bzw. die Abrufmöglichkeit spielt noch eine relativ wichtige Rolle (Lippmann et al. 2014). Hierzu gehören der einfache und schnelle Einkauf sowie der unmittelbare Zugriff auf Online-Bibliotheken (Ballhaus 2014). Die Textmarkerfunktion verlor etwas an Interesse, nur noch 38 % finden dies interessant (Lippmann et al. 2014). Weiterhin wünschen sich eine deutliche Mehrheit der Leser offene Systeme bzw. Geräte, auf denen eBooks verschiedener Anbieter gelesen werden können: 70 % empfinden dies als sehr wichtig. Die meisten eBooks werden mittlerweile im freien Dateiformat EPUB, Apples iBook oder den Amazon-Formaten MOBI, AZW und Kindle Format 8 angeboten. Immer mehr Verbreitung erfährt EPUB3. Mit diesem Format lassen sich mit zusätzlichen Materialien wie zum Beispiel Grafiken oder Animationen angereicherte digitale Bücher (Enhanced eBooks) realisieren (Ballhaus 2014). Für die Mehrheit stellt das Lesen von eBooks die neue Art des Lesens dar – sozusagen ein moderner Schritt in die Zukunft. (Lippmann et al. 2014).

Auch die Verlage sehen die Vorteile von eReadern in einem modernen Image und damit gleichzeitig die Möglichkeit, neue Kundenschichten zu erschließen. Das Vertriebsnetz kann somit erheblich erweitert werden und auch ein Mehrumsatz wird prognostiziert. Dahingegen scheinen Kosteneinsparungen durch weniger Druckkosten eher auszubleiben (Lippmann et al. 2014).

Wie nun neu hinzugekommenen Eigenschaften, wie Wasserfestigkeit (wie beim Tolino Vision 2) oder eine neue haptische Komponente (wie beim Amazon Kindle Voyage) sowie Verleihkonzepte zur Beliebtheit und Präferenz von eReadern und eBooks global beitragen, werden zukünftige Trendstudien zeigen.

Eine spannende Entwicklung – wir bleiben dran!

Nun ist es natürlich wichtig zu erfahren: Was sind die Faktoren, die den perfekten eReader aus Sicht der Leser auszeichnen? Gibt es bestimmte Hardwareeigenschaften, die die Leser bevorzugen? Was führt zu den unterschiedlichen Präferenzen für ein gedrucktes bzw. ein elektronisches Buch? Kann man die in bestimmen Situationen als Vorteil für ein gedrucktes Buch auch auf einen eReader übertragen? Diese und viele weitere Fragen versuchen wir in den kommenden Wochen mit einer Probandenstudie zu beantworten. Haben auch Sie schon Erfahrungen mit eReadern? Was haben Sie bisher vermisst? Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

Quellen

Ballhaus, Werner (2014): Media Trend Outlook: E-Books werden immer beliebter. Hg. v. PricewaterhouseCoopers AG. Düsseldorf. Online verfügbar unter http://www.pwc.de/de/technologie-medien-und-telekommunikation/media-trend-outlook-e-books-werden-immer-beliebter.jhtml.
Lippmann, Jana; Hofmann, Julia; Oldendorf, Armin (2014): Verankert im Markt. Das E-Book in Deutschland 2013. Hg. v. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Unternehmensentwicklung und Marktforschung. Frankfurt am Main.
Meixner, Stephan (2013): Analyse: eBooks sind ein Zukunftsmarkt – oder etwa nicht? Hg. v. neuhandeln.de. Online verfügbar unter http://neuhandeln.de/analyse-ebooks-sind-ein-zukunftsmarkt-oder-etwa-nicht/, zuletzt aktualisiert am 09.01.2015.
Meixner, Stephan (2014): Buchhandel: Wieso das Geschäft mit eBooks bereits lahmt. Hg. v. neuhandeln.de. Online verfügbar unter http://neuhandeln.de/buchhandel-wieso-das-geschaeft-mit-ebooks-bereits-lahmt/, zuletzt aktualisiert am 09.02.2015.
Nielsen, Jakob (2009): Kindle Content Design. Hg. v. Nielsen Norman Group. Online verfügbar unter http://www.nngroup.com/articles/kindle-content-design/, zuletzt geprüft am 02.02.2015.

Portraitfoto: Melanie Wieland

Melanie Wieland

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

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2 Kommentare

  • Manuela G.

    Hallo,
    ich bin Studentin und schreibe gerade meine Masterarbeit. Ich besitze ein Kindle und benutze dies auch häufig. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen ich lieber auf gedruckte Bücher zurückgreife. Bei Fachbüchern für mein Studium bevorzuge ich zum Beispiel ein gedrucktes Buch, da ich damit besser arbeiten kann. Ich kann mir bei den wichtigen Seiten Einmerker reinkleben, oder wichtige Passagen unterstreichen um sie schnell wieder zu finden. Bei eBooks ist das zwar auch möglich, man findet aber meiner Meinung nach die entsprechende Stelle nicht so einfach wieder wie in einem Buch. Bei Reiseführern geht es mir genauso, außerdem kann ich diese einfach auf meiner Reise im Rucksack mitnehmen und habe im Fall, dass mir jemand meinen Rucksack klaut nicht gleich mein Kindle bzw Tablet verloren.
    Für Bücher in meiner Freizeit, wie Romane, etc. benutze ich das Kindle allerdings sehr gerne. Von Vorteil ist dabei meiner Meinung nach, dass man ein Buch innerhalb von weniger als einer Minute kaufen kann und auf das Kindle geladen hat. So muss ich nicht warten bis Amazon mir das Buch schickt oder in den Buchladen gehen, was erheblich mehr Zeit benötigt und ich mir z.B. sonntags kein neues Buch besorgen kann.
    Vielleicht hilft Ihnen meine Antwort ja für Ihre weitere Betrachtungen des Themas.
    Viele Grüße
    Manuela G.

    • Hallo Manuela,
      das „Blättern“ in Fachbüchern ist wirklich ein großes Argument für gedruckte Bücher – auch das gleichzeitige Querlesen mehrerer Bücher ist in gedruckter Form einfacher – man hat einfach einen besseren Überblick.
      Der größte Vorteil der E-Reader zeigt sich aktuell wahrscheinlich wirklich bei Romanen und Texten, die man linear lesen kann.
      Viele Grüße,
      Melanie Wieland

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