Fachkräfte gewinnen: Karriereportale als Aushängeschild von Unternehmen

Die großen deutschen Unternehmen suchen nach Fachkräften. Doch im Gegensatz zu den 90er-Jahren haben die Fachkräfte nun die Wahl: Welches Unternehmen passt zu mir? Welches Unternehmen vermittelt mir den Eindruck mich entwickeln und entfalten zu können? Um diese Fragen zu beantworten, sind die Interessenten auf Informationen angewiesen, die sie im Internet finden. Jedes Unternehmen hat mittlerweile ein Karriereportal, das auf die Vorzüge als Arbeitgeber und freie Stellen hinweist. Doch wie präsentieren sich die Karriereportale von Corporate Websites und welchen Eindruck sollen sie dem potentiellen Bewerber vermitteln? Sind sie auf der Höhe der Zeit?

SAP: Überzeugendes Design aber mäßige Nutzerführung

Der Softwareriese SAP spricht potentielle Bewerber mit einer gewaltigen Bilderwelt an. Diese Bilderwelt steht für Weltgewandtheit und lässt den Nutzer glauben, hier ein tatsächlich globales Unternehmen ausgewählt zu haben. In der Folge wird der Nutzer emotionalisiert, weil ein künftiger Mitarbeiter die ganze Welt bereisen und dort arbeiten kann. Doch die Seite von SAP ist nicht nur wegen der bildlichen Darstellung auf Bewerber ansprechend, sondern trifft auch hinsichtlich der Gestaltung den Zeitgeist. Dieser ist bestimmt durch den großzügigen bzw. großflächigen Umgang mit Bildern. Damit impliziert SAP tatsächlich immer auf dem neusten Stand und innovativ zu sein. Potentielle Bewerber erkennen das sicherlich.

Doch leider überzeugt nur das Design um den Inhalt herum. Der Text ist nicht prägnant formuliert und für den Nutzer auch nur schwer auf den ersten Blick zu erfassen. Die Textflut ist zwar vor weißem Fond abgebildet, was das Lesen relativ einfach macht, jedoch ist keine Gliederung zu erkennen. Der Nutzer muss folglich oben links beginnen und alles am Stück durchlesen, um z. B. eine Hotline für Interessenten zu finden. Selbst die Überschriften, wie „Überblick“ oder „Office Spotlight“ sind noch nicht einmal gefettet. Für den Nutzer bedeutet das einen fehlenden schnellen Zugriff: Wo sind die freien Vakanzen? Wo ich nach freien Stellen suchen? Für alles muss der Nutzer lange suchen, weil die Zugänge nicht gehighlightet sind. Schade.

Abb. 1: Das Karriereportal von SAP

Abb. 1: Das Karriereportal von SAP


Deutsche Bank: Design aus Leidenschaft?

Interessiert sich ein Nutzer für einen Job bei der Deutschen Bank, so sieht er wenig ansprechendes. Doch zunächst kurz zum Positiven: Der Seitenaufbau ist durch das Layout in 3 Spalten sehr funktional und in der Folge übersichtlich. Unterhalb des Zugbildes findet der Nutzer Kästen, die eindeutige Zugänge zu speziellen Seiten angeben. Der schnelle Zugang z. B. für Schulabgänger wird auch dadurch gefördert, dass die Seite sehr kurz ist und die 3 Spalten im Sichtfeld des Nutzers sind. Aber sollte eine Karriereseite von Unternehmen den Nutzer nicht auch in seinen Bann ziehen und ein Interesse am Unternehmen wecken?

Das kann mit einem guten Design geschaffen werden, was die Deutsche Bank aber nicht schafft. Ein Blick auf die Bilder der Seite zeigt das. Diese zeugen von wenig Kreativität, Prägnanz und Leichtigkeit. Zwar muss der Deutschen Bank zu Gute gehalten werden, dass sie einer sehr seriösen Sparte entstammt und deshalb ein ausgefallenes Design wenig hilfreich ist, doch was der Nutzer hier sieht ist antiquiert. Während die Hauptfarbe des Corporate Designs Blau ist, irritiert der Eyecatcher in der Bühne: Der rote Zug zieht sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Der Inhalt erschließt sich dem Nutzer durch diese Symbolik nicht, wenngleich die naherliegende Vermutung wäre, dass der Zug abgefahren ist. Der Header muss auf jeden Fall aufgefrischt werden. Auch die Bilderwelten in den drei Spalten darunter sprechen nicht für sich, sondern irritieren. Was soll das Bild in der mittleren Spalte („Berufserfahrene“) mir sagen? Wofür stehen die Strandhäuschen? Für Entspannung im Job? Ich weiß es nicht. Es lässt sich daher konstatieren: Die Optik und die Aufbereitung der Inhalte sind nicht mehr State-of-the-Art.

Abb. 2: Das Karriereportal der Deutschen Bank

Abb. 2: Das Karriereportal der Deutschen Bank


Abb. 3: Das Karriereportal der Deutschen Telekom

Abb. 3: Das Karriereportal der Deutschen Telekom


Deutsche Telekom: Gutes Layout auf den zweiten Blick

Die Karriereseite der Deutschen Telekom wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend. Menschen hier und Menschen dort. Der Blickfang ist jedoch etwas unklar. Dadurch wirkt auch das gesamte Interface sehr verschachtelt. Der Nutzer hat durch die vielen verschiedenen Bereiche keinen klaren Einstieg. Ein Schwachpunkt dieser Seite ist folglich, dass das Design die Nutzerführung nicht wirklich unterstützt.

Erst auf den zweiten Blick erkennt der Nutzer die Zugänge und Unterteilungen. Ursächlich hierfür ist der große Graubereich, der eine Auseinandersetzung ohne abzuschweifen mit den einzelnen Kästen möglich macht. Das Magenta (das CD der Deutschen Telekom) ist in den einzelnen Kästen ein klarer Call-to-Action. Des Weiteren sind die Buttons und Art der Rahmen und Lienen dafür verantwortlich, dass der Look dieses Karriereportals auf den Nutzer frisch erscheint. Unterstützt wird der moderne Look auch von den identifikationsstiftenden Bildern. Diese wirken anziehend, freundlich und vermitteln in der Folge eine klare Einladung an den Nutzer sich weiter mit diesem Unternehmen auseinanderzusetzen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine Mischung aus SAP (Bilderwelten) und der guten Benutzerführung der Telekom (schnelle Zugriffe) einen potentiellen Bewerber am besten ansprechen.

Was denken Sie? Wo werden Ihrer Meinung nach potentielle Bewerber am ehesten angesprochen? Welches Karriereportal überzeugt Sie hinsichtlich Design und Layout?

Zum Projekt „Design im Wandel“:
eResult verfolgt bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen, unter anderem auch von 30 verschiedene Karriereportale. Die dokumentierten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und Erkenntnisse hier im Usabilityblogvorgestellt – oder gemeinsam mit den Lesern erarbeitet.

Portraitfoto: Thomas Pribbenow

Thomas Pribbenow

User Experience Consultant

Alumni-eresult GmbH

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