Franziska Rumpelt – Was wurde aus der Gewinnerin des eResult Usability Contest 2013?

Wir freuen uns Ihnen heute Franziska Rumpelt vorstellen zu dürfen. Franziska Rumpelt gewann im Jahr 2013 den eResult Usability-Contest mit ihrer Abschlussarbeit zum Thema:

Mobile Applikationen für Kinder im Kindergartenalter.

Die Arbeit entstand im Masterstudiengang Medieninformatik an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) in Leipzig.

Profilbild Franziska Rumpelt: Gewinnerin Usability-Contest 2013

Franziska Rumpelt (Mitteldeutscher Rundfunk (MDR))

Für mich als Vater einer damals 18 Monate alten Tochter klang allein der Titel super spannend. Gleich dachte ich an meine abendliche Gute-Nacht-Routine: Meine Tochter brachte ich damals mit einem guten Dutzend Tiere eines Bauernhofs ins Bett. Dafür nutzte ich eine hervorragend umgesetzte App (Schlaf gut! App), in der Max Moor als Sprecher mitwirkt. Funktioniert, macht auch mir Spaß und bildet. Was will man als Vater mehr?

Franziska Rumpelt hat sich dieser Frage schon damals deutlich kritischer und fachlich fundierter genähert. Sie untersuchte inwieweit die Gestaltungsrichtlinien für mobile Anwendungen den Anforderungen von Kindern im Kindergartenalter gerecht werden – und entdeckte dabei so einige Wissens- und Forschungslücken, die sie mit ihrer Abschlussarbeit ein wenig schließen konnte.

Nach dem Studium wirkte Franziska Rumpelt im MDR (Mitteldeutscher Rundfunk) als Entwicklungsleiterin im Projekt „Kindermedienangebot“ weiter in ihrem Themengebiet.
Heute arbeitet Franziska Rumpelt beim MDR in Halle in der Abteilung Projektkoordination.

Sie begleitet und berät dort zahlreiche Projektteams bei der Umsetzung mobiler Anwendungen: Von der Konzeption und Planung, über die Umsetzung und Veröffentlichung bis hin zur kontinuierlichen Evaluation, Pflege und Weiterentwicklung.

Spannend und schön zu sehen, wie das Thema einer Abschlussarbeit auch für den nachfolgenden Berufsweg prägend sein kann.
In unserem Interview wollten wir dazu mehr von Franziska Rumpelt erfahren; mehr zu ihrem beruflichen Werdegang und welche Bedeutung dabei der Gewinn des eResult Usability-Contest im Jahr 2013 hatte bzw. noch immer für sie hat.

Frau Rumpelt, ein spannendes Thema dem Sie sich in 2012/2013 angenommen haben:
„Mobile Applikationen für Kinder im Kindergartenalter“
Wie sind Sie auf das Thema gekommen, was hat Sie motiviert?

Mein Sohn war damals im Kindergartenalter und sehr begeistert an mobilen Geräten. Wir hatten zu Hause Smartphones und auch Tablets und natürlich durfte er die ausprobieren.

Dabei fiel mir aber auf, dass viele Apps bei der Bedienung durch ein Kleinkind ungewünschtes Verhalten zeigen und schnell frustrieren.

Spricht man über mobile Geräte, Apps und die Nutzung durch Kinder, dann gelangt man schnell in pädagogische und entwicklungspsychologische Themen. Ich habe dieses Themengebiet aus einer anderen Sicht betrachtet. Zum einen habe ich die Styleguides der drei großes Plattformen iOS, Android und Windows Phone nach Vorgaben und Richtlinien untersucht, zum anderen aber auch Kindergartenkinder beobachtet und Nutzungsdaten erhoben, um Besonderheiten bei der Nutzung mobiler Endgeräte (im Test: iPad) zu ergründen.

Frau Rumpelt während der Datenerhebung mit Kleinkindern

Franziska Rumpelt während der Datenerhebung mit Kleinkindern

Ziel dieser Betrachtungen war es, Design- und Programmierregeln zu finden, die es möglich machen, Apps zu entwickeln, die für dieses sehr junge Publikum geeignet und frustfrei bedienbar sind.








Eine tolle Arbeit, die Sie dann geschrieben und bei uns eingereicht haben. Wie sind Sie auf den eResult Usability-Contest aufmerksam geworden?

Ich habe zu dieser Zeit an der HTWK studiert und wurde über den E-Mail-Verteiler der Hochschule auf den Contest aufmerksam.

Und dann dachten Sie: „das könnte was für mich sein“?

Ja – so in der Art.
Vor allem bei meiner Arbeit mit den Kindern haben sich sehr viele interessante und zum Teil auch von mir unerwartete Beobachtungen ergeben. Daher fand ich das Resultat spannend genug um es einfach zu versuchen.

Und die Arbeit kam sehr gut an :). Ich habe gesehen, dass Sie den Gewinn des eResult Usability-Contest in Ihrem XING Profil erwähnen. Werden Sie darauf angesprochen?

Leider scheint der eResult Usability-Contest noch nicht die Öffentlichkeit zu haben, dass gezielt Anfragen danach gesendet werden. Ich habe bislang zumindest noch keine bekommen.

Dennoch: Durch den Gewinn des Usability-Contest, des ARD/ZDF Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ und die mit beiden Preisen verbundene Aufmerksamkeit, habe ich letztlich meinen jetzigen Job bekommen.

Sie haben ja eine vielfältige Berufserfahrung in den letzten Jahren gewonnen (Xing-Profil). Welche Bedeutung hatte bzw. hat das Thema UX/Usability dabei für Sie?

Vor allem in meiner derzeitigen Position spielt Usability und vor allem User-Testing eine enorm wichtige Rolle.
Im Kindermedienangebot haben wir regelmäßig unsere Inhaltsideen und technischen Prototypen mit Kindern aus Besuchergruppen getestet und die Oberfläche kontinuierlich verbessert.

Auch jetzt – wo sich die Apps vorrangig an Erwachsene richten, sind Nutzertests ein fester Bestandteil des Entwicklungsprozesses – auch weit über den initialen Entwicklungsprozess hinaus.

Immer mehr Unternehmen integrieren UX Methoden & Verfahren in Konzeptions- und Entwicklungsprozesse, stellen UX’ler (Inhouse) ein und lassen sie eng in agilen Projekten mit Produktmanagern und Entwicklern zusammenarbeiten. Wie schätzen Sie diese Entwicklung ein?

Diese Entwicklung ist nach meiner Einschätzung bitter nötig und längst überfällig. Es gibt zu viele technische Systeme, an denen tagtäglich Menschen arbeiten müssen, die jedoch nur nach technischen Gesichtspunkten entwickelt wurden. Das muss sich dringend ändern.

In jedes Entwicklungsteam gehört auch das Know-How technisch-funktionale Lösungsansätze unter Berücksichtigung menschlicher Nutzungsbedürfnisse umzusetzen.

Nach meiner Einschätzung sollte das Thema Usability jedoch auch eine wesentlich höhere Bedeutung im Studium der Informatik und Medieninformatik spielen. Ich habe in der Vergangenheit kleinere Projekte mit Studentengruppen betreut und dabei festgestellt, dass die Lösungen zwar meist funktional waren, Usability und UX Design jedoch offensichtlich nach wie vor keine große Rolle in der Ausbildung und Bewertung zu spielen scheint. Das finde ich sehr schade.

Wie ist das bei in Ihrem Unternehmen, dem MDR, organisiert, wie beachten Sie Nutzerwünsche und -meinungen in der Entwicklung?

Was das angeht kann ich nur für den Bereich App-Development sprechen, da ich in die Bereiche Softwareentwicklung und Web-Development nur partiell Einblick habe.

Für den mobilen Bereich lässt sich beobachten, dass auch hier gerade ein Umdenken in diesem Bereich stattfindet. Wurde bisher eher technisch lösungsorientiert gearbeitet, versucht man zukünftig intensiver mit der Zielgruppe zu arbeiten und Ideen/Entwürfe/Prototypen kontinuierlich zu überprüfen und zu optimieren, aber auch finale Produkte fortlaufend zu testen und weiterzuentwickeln.

Einen eigens dafür angestellten UX’ler gibt es dafür jedoch bislang (noch) nicht.

Lassen Sie uns schließen mit einem Tipp für angehende UX’ler und Young Professionals: Was sollten sie tun, um eine ähnliche attraktive Karriere und Laufbahn wie Sie einschlagen zu können?

Mir hat es in meiner bisherigen Karriere sehr geholfen, dass ich mich zwar zum einen mit Usability-Grundsätzen und Usability-Tests auskenne, zum anderen aber auch das technische Know-How habe, um Lösungsansätze zu konzipieren, Problemstände aufzudecken und technische Lösungen zum Teil sogar selbst umzusetzen.

Insofern wäre meine Empfehlung vor allem, auch einmal über den Tellerrand zu schauen. UX‘ler sollten sich auch intensiv mit den technischen Grundlagen und Begebenheiten auseinandersetzen und Entwickler müssen lernen, wesentlich mehr auf Nutzerbedürfnisse einzugehen.

Gibt es Bücher, Blogs oder andere Quellen, die auf diesem Weg unbedingt Beachtung finden sollten?

Als ich damals meine Arbeit geschrieben habe, hat mir vor allem das Buch „Usability für Kids“ sehr weitergeholfen. Ansonsten halte ich mich bei Fragen zum Thema Usability gern an Jakob Nielsen oder natürlich an den Usabilityblog.

Vielen Dank, Franziska Rumpelt, für dieses Interview, die zahlreichen Tipps und Einblicke in Ihren Werdegang und Ihre Ansichten zu den Themen UX, Usability und der Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Produktmanagern sowie UX Designern.

Mit dieser Einstellung wird der MDR gemeinsam mit Ihnen weiterhin tolle Anwendungen und Medienangebote, auch für Kinder, anbieten – da bin ich mir sicher.

Es hat mir viel Freude gemacht das Interview mit Ihnen vorzubereiten und durchzuführen. Bleiben Sie uns weiter treu als Leser und gern auch Autorin hier im Blog. Unsere Leser würden sich sicher freuen mehr über Sie und Ihre Erfahrungen zu lesen.

Portraitfoto: Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gründer & Geschäftsführender Gesellschafter

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 291

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