Globetrotter iPad-App: Eine Erlebniswelt für die Couch

 Der Outdoor-Ausstatter Globetrotter ist bekannt für seine atemberaubenden Filialen – die sogenannten „Erlebniswelten” – die mit Tauchbecken, Kältekammer, Klettertunnel und Quallen-Aquarium daherkommen.

Mit der iPad-App verfolgt das Hamburger Unternehmen ein ähnliches Ziel: Eine Erlebniswelt für die Couch zu erschaffen. Ist das Ziel bereits erreicht? Noch nicht ganz – doch von vielen Ideen darf man sich gerne eine Scheibe abschneiden. In einer kurzen Reise durch die App stelle ich die interessantesten Ideen vor.

Was bietet die App?

Abb. 1: Die Globetrotter-App hat viel zu bieten. Trotzdem ist die Navigation nicht überladen.

Abb. 1: Die Globetrotter-App hat viel zu bieten. Trotzdem ist die Navigation nicht überladen.

Die Featureliste ist lang: Neben einem integrierten Online-Shop für rund 35.000 Artikel bietet die iPad-App Handbücher, Kataloge und Hausmagazine als Download, wechselnde Dia-Shows und Foto-Wettbewerbe, Neuigkeiten aus Foren, Portalen, Facebook & Newsletter, nächstgelegene Filialen sowie einen Barcode-Scanner, mit dem in den Filialen weitere Informationen zu den Artikeln abgerufen werden können und im Printkatalog „versteckte“ Filme gefunden werden können.

Nicht alle diese Funktionen waren bereits von Anfang an mit dabei – die App gibt es bereits seit Sommer 2010 – stattdessen wuchs die App im Laufe der Jahre und wurde kontinuierlich erweitert und überarbeitet. Sie verkörpert damit den Anspruch moderner Nutzer an eine sich ständig weiter entwickelnde App, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt.

„Träume erleben“: Diashow mit emotionalen Bildern und aktuellen News

Abb. 2: Bei den schönen Bildern könnte man glatt vergessen die News zu lesen.

Abb. 2: Bei den schönen Bildern könnte man glatt vergessen die News zu lesen.

Ein Highlight der App stellt die Funktion „Träume erleben“ dar. Hier können sich die Nutzer in einer animierten Dia-Show über aktuelle News rund um das Thema Outdoor-Erlebnis informieren. Die App greift dabei auf mehrere Globetrotter-Ressourcen zurück, unter anderem Facebook-News, Newsletter-Auszüge und Fotowettbewerb-News. Der Nutzer kann selbst wählen, welche Quellen ihn interessieren und in der Dia-Show angezeigt werden sollen.

Das bequeme Couch-Erlebnis wird durch große emotionale Bilder verstärkt. Bereits nach kurzer Zeit stellt sich ein Gefühl von Abenteuerlust, Freiheit und Outdoor-Fieber ein. Ideal um „in Stimmung zu kommen“.

Wer Gefallen an einer der News gefunden hat, braucht die Headline nur zu berühren, um sofort den gesamten News-Inhalt in einem neuen Layer angezeigt zu bekommen. Wer genug gesehen hat, kann den Layer einfach wieder schließen und die Dia-Show wird fortgesetzt.

Jede News-Headline wird einzeln und in gemächlichem Tempo eingeblendet, so dass sie nicht mit anderen Headlines um Aufmerksamkeit konkurrieren muss. Die dezent animierten Zoomeffekte und Bildübergänge unterstützen die ruhige Atmosphäre. Es ist als ob die App sagen will: „Komm zur Ruhe. Nimm dir Zeit. Genieße den Moment.“

Die Präsentation des Produktsortiments ist gleichermaßen zum Stöbern als auch für den gezielten Einkauf geeignet

Abb. 3: Wer kriegt da keine Lust aufs Wandern?

Abb. 3: Wer kriegt da keine Lust aufs Wandern?

Egal ob sich ein Nutzer zuvor mittels „Träume erleben“ in Stimmung gebracht hat und nun in Ruhe nach Inspirationen für seinen nächsten Outdoor-Trip suchen möchte oder ob ein gestresster Familienvater nach Feierabend schnell noch ein paar Gummistiefel für seine Kinder raussuchen möchte: Die App bietet verschiedene Einstiege in das umfangreiche Produktsortiment, um diesen gegensätzlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Für den Stöberer gibt es den Printkatalog sowie das regelmäßig erscheinende Globetrotter Magazin „4 Seasons“ als kostenlose Digitalausgaben. Es fällt schwer durch die tollen Bilder und Beschreibungen nicht ins Schwärmen zu geraten und im Kopf bereits den nächsten Outdoor-Urlaub zu planen – und ganz nebenbei das nötige Equipment dafür rauszusuchen.

Der gestresste Familienvater hingegen sucht den Direkteinstieg in das Produktsortiment. Hierfür stehen ihm Suchfunktion und Kategorienauswahl bereits auf der Startseite zur Verfügung. Auch die Kategorien sind mit ausdrucksstarken Bildern versehen, lenken jedoch weniger ab als die der digitalen Printkataloge. Nach Auswahl einer Kategorie werden die zugehörigen Produkte in einer klassischen Produktübersicht dargestellt. Kundenbewertungen und Filteroptionen helfen die Auswahl einzugrenzen.

Die Vertriebskanäle „Filiale“ und „App“ stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sondern greifen nahtlos ineinander

Abb. 4: Die App zeigt die Filialen von deren schönsten Seiten (hier: Köln).

Abb. 4: Die App zeigt die Filialen von deren schönsten Seiten (hier: Köln).

Wer sich lieber in einer Filiale beraten lässt oder die Produkte vor Ort ausprobieren möchte, trifft auf ein weiteres Highlight der App. Per Location-Dienst des iPads wird sofort die nächstgelegene Filiale angezeigt und in einladenden Panorama-Bildern abgebildet. Die App lässt keine Gelegenheit aus, Bilder anstatt Text für sich sprechen zu lassen. Doch auch Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten sind auf einen Blick zu erkennen.

Ein besonderes Schmankerl stellt der Barcode-Scanner dar, mit dem beim Besuch in einer Filiale zu jedem Produkt detaillierte Informationen aufgerufen werden können – eine mobile Datenverbindung vorausgesetzt. Hier zeigt sich das Zusammenspiel der verschiedenen Vertriebskanäle: Filialen sind nahtlos und ansprechend in die App integriert und die App unterstützt beim Einkauf in der Filiale. Ein mächtiger Synergieeffekt.

Durchdachte Navigation mit Optimierungspotential

Abb. 5: Kaum erkennbare Navigationselemente im Lesezeichenmenü.

Abb. 5: Kaum erkennbare Navigationselemente im Lesezeichenmenü.

Bei einer solchen Fülle an Funktionen ist es keine leichte Aufgabe, über alle Bereiche hinweg ein intuitives und aufgeräumtes Navigationskonzept zu erschaffen. Der Aufbau der Globetrotter-App weiß durchweg zu überzeugen, die einzelnen Elemente sind gut gegliedert und optisch klar voneinander getrennt. Eine Reihe von kleineren Fehlern und Inkonsequenzen in der Bedienung führen jedoch dazu, dass der Nutzer immer mal wieder aus der Erlebniswelt herausgerissen wird.

2 Beispiele für kleinere Navigationsfehler: Gesetzte Lesezeichen werden zeitweilig nicht in der Lesezeichenliste angezeigt und falsche Beschriftungen von aktivierten Suchfiltern irritieren beim Eingrenzen der Artikel. Keine massiven Probleme, aber in der Summe augenscheinlich.

Eine inkonsequente Gestaltung der Schriftzüge führt dazu, dass Links bzw. Navigationselemente nicht immer von Überschriften und Beschriftungen unterscheidbar sind. Besonders auffällig zeigen sich die Beschriftungsprobleme bei den Lesezeichen: Die Bedienelemente haben einen derart geringen Kontrast zum Hintergrund, dass sie nur mit viel Mühe erkennbar sind. Auch die vielen verschiedenen Bereiche, die sich in Struktur und Aufbau sichtbar voneinander unterscheiden, können mitunter zu Orientierungsschwierigkeiten führen.

Mehr zu dem Thema mobile Navigation finden Sie in Jan Pohlmanns Grundlagenstudie und dem dazugehörigen Forschungsbeitrag Mobile Web Navigation – Navigieren und Orientieren auf dem Smartphone.

Fazit: Bilder und Emotionen anstatt nüchterner Textwüste

Die Globetrotter-App ist so viel mehr als bloß ein Online-Shop zum Download. Wohin der Nutzer auch geht, er wird mit schönen Bildern begrüßt, die Lust auf Outdoor-Aktivitäten vermitteln und so ganz nebenbei das Bedürfnis nach Outdoor-Bekleidung erwecken. Auch die Integration der App in das Shopping-Erlebnis der Filialen fördert diesen Erlebnisaspekt. Es ist dieser nahtlose Übergang von Erlebniswelt zu Produktpräsentation, der sich wie ein roter Faden durch die App zieht und seinen Nutzern nicht bloß das Gefühl gibt, einen Online-Shop zu besuchen, sondern auf eine Entdeckungsreise zu gehen. Eine User-Journey, die bestimmt nicht nur mich überzeugt!

Portraitfoto: Ole Kleinert

Ole Kleinert

User Experience Consultant

Alumni-eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 10

4 Kommentare

  • Klaus

    Ich kann die Rezension überhaupt nicht nach vollziehen. Ich finde die gesamte App sehr unaufgeräumt und unübersichtlich. Die Startseite ist vollkommen überfrachtet. Und im „Träume erleben“-Bereich sieht man oft nicht als Facebook-Post. 🙁
    Benchmarks für Apps sind für mich sind in Deutschland immer noch Otto und HM.

    • Oliver

      Da kann ich Klaus leider nur zustimmen. Schöne Bilder sieht man nur selten, in der App sind überwiegend schwarz-weiß Bilder zu sehen. Eine „Erlebniswelt“ sieht für mich definitiv anders aus. Auch die Funktion „Träume leben“ bietet mir keinen Mehrwert. Die Bilder sind ja ganz schön anzusehen, aber warum diese zusammenhanglosen Facebook-Posts?! Die Bilder sollten wenigstens mit wertvollem und interessanten Inhalt beschrieben werden. Die „Lobeshymnen des Autors sind deswegen für mich nicht nachvollziehbar.

    • Wie ich merke scheint die App zu polarisieren.

      Ich kann Ihre Anmkerungen nachvollziehen, die App hat ihre Fehler und Unzulänglichkeiten. Sinn dieses Beitrags soll aber keine möglichst kritische Bewertung sein, sondern vielmehr Aspekte aufzeigen, die Ideen für eigene Projekte anregen und Impulse geben. Hier stehe ich voll zu meiner Meinung: Die App setzt sich positiv von der übewiegend nüchternen Konkurrenz ab und bietet mehr als nur einen Onlineshop als App. Dass die einzelnen Funktionen verbessert werden könnten, sehe ich ähnlich.

      Beste Grüße

  • Im diesem Kontext – und der Frage wer macht es im mobile Shopping gut – vielleicht ein ergänzender Hinweis auf eine aktuelle Vergleichsstudie vom IFH:
    –// http://www.ifhkoeln.de/News-Presse/Mobiles-Einkaufen-im-Web-ist-haeufig-Erlebnis-zweiter-Klasse
    Amazon steht hierbei ganz oben, beim Thema Nutzerführung kann auch das Angebot von Baur überzeugen. H&M und Otto liegen eher im unteren Mittelfeld.
    Auch diese Studie zeigt:
    Es gibt noch viel Handlunsgbedarf und Optimierungsmöglichkeiten beim „mobile Shopping“.
    Schön, dass dieses Thema hier im Blog in den letzten Wochen oft gesetzt wird und zu einer Diskussion anregt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.