IA Konferenz 2018 – Mein persönlicher Rückblick

„Schlechte Fotos von guten Vorträgen” (Rainer Sax in der Closing Key Note) fasst es für mich sehr gut zusammen. Ich habe aus jedem Vortrag, den ich auf der IA Konferenz Anfang Juni in Berlin besucht habe, sehr viel mitgenommen. Viel Wissen und viele (schlechte) Fotos der sehr guten Slides. Liebe Veranstalter: Ich freue mich über den Link zu den Slideshare-Präsentationen der Vortragenden! Ihr seid ja fleißig am Sammeln.




So, nun hier meine „Rosinen“ aus den 2 Tagen IA Konferenz:

Opening Keynote: Jim Kalbach – Peace is waged with sticky notes

Der Autor von „Mapping Experiences” startete mit einer sehr inspirierenden Key Note. In der er demonstrierte, dass wir unsere UX-Methoden nicht auf die digitale Branche und den Commerce beschränken sollen. Zusammen mit ehemaligen Anhängern von extremistischen Gruppen (Neonazis, KKK, IS, etc.) hat er in Zusammenarbeit mit Verbänden demonstriert, dass „unsere UX-Methoden“ auch in anderen Kontexten funktionieren und sehr spannende Einblicke in die Denk- und Handlungsmuster von Menschen geben.
„Wir“ können Menschen verstehen und deren Bedürfnisse, Ziele, Motivationen identifizieren – unabhängig vom Kontext, in der wir die Methoden einsetzen. Unser Handlungshorizont ist damit viel größer, als die meisten von uns tagtäglich sehen.„UX is not about screens. It is about creative problem solving“.

Richard Bretschneider – User Onboarding oder „wie man einen guten ersten Eindruck macht”

Trotz Startschwierigkeiten wegen fehlender Bild- und Tontechnik im Konferenzraum ein toller Vortrag meines eresult-Kollegen! Hut ab, bei 30 Minuten Verzögerung das noch so gut zu timen! Was nehme ich nun aus dem Vortrag mit? Schon vor der Nutzung sollte man an das Nutzererlebnis und das Willkommen-heißen des Nutzers denken. So sollte schon im App-Store die Beschreibung und Darstellung dem Nutzer klar vermitteln, was er mit der App, dem Skill, dem Programm, etc. überhaupt anfangen kann. Die ersten Schritte nach dem Download sollten dabei nicht zu kompliziert sein – man sollte den Nutzer aber mit einem „empty screen“ auch nicht im Regen stehen lassen. „Permission Priming“ als Schlagwort nehme ich für mich mit. Bevor die App um die generische Erlaubnis zur Sendung von Mitteilungen, Zugriff auf Adressbuch, Standort, etc. fragt, sollte man im Screen vorher erklären, warum dieser Zugriff notwendig ist.

Katja Paar – Kollaborative Workshops


„Wo ist denn Ihr Kollege heute?“„Der schläft heute in einem anderen Meeting.“ Kommt Ihnen das bekannt vor? Katja Paar zeigte in einem sehr knackigen Vortrag, wie man Meetings und Workshops effizient gestaltet. Schon im Teaser zum Vortrag stand der Warnhinweis: „Arbeit ist es trotzdem.“ Aber sie lohnt sich. In diesem Vortrag wurde man wirklich Schritt für Schritt durch die einzelnen Phasen für einen Workshop gelotst – inklusiver sehr praktischer und direkt umsetzbarer Hinweise (von Colour Coding über Engergizer-Übungen, Alpha-Mitgliedern & co.)! Aus diesem Vortrag nehme ich meine neue Lieblings-Metapher mit: Wir wollen an die Kartoffeln! (Und eben nicht nur an der Oberfläche kratzen und die hübschen Blätter mitnehmen, sondern wirklich tief graben um an die Essenz und das eigentlich Nahrhafte zu kommen.

Jens Jacobsen – UX-Metriken


Vielen Dank Jens für den Vortrag, der auf viel Zustimmung gestoßen ist – aber im täglichen Umfeld immer wieder zu Diskussionen führt. Im Kern des Vortrags stand das Schlagwort „ROI für UX“ geht das überhaupt? Und warum wird eine Metrik von den Stakeholdern überhaupt gefordert? Jens ermahnte uns hier, nicht nur die Endnutzer einzubeziehen, sondern auch auf unsere Stakeholder einzugehen: Warum werden Metriken und KPIs gefordert? Gibt es da ggf. eine Zielvereinbarung? Wie werden die Zahlen verwendet? Und ich finde, eine der wichtigsten Aussagen: Es gibt nicht den einen richtigen KPI für UX. Häufig korrelieren die Metriken auch sehr hoch miteinander. Und wenn ein Dashboard mit einer KPI-Übersicht gefordert ist: Gebt sie den Stakeholdern. Dashboards (auch wenn die Metrik nicht im Detail verstanden wird) geben Sicherheit, alles im Blick zu haben. Und dies ist eben ein Grundbedürfnis mancher Stakeholder.

Simon Krackrügge – Ein Prototyp als Babelfisch


Wie testet man die gleiche Software schnell, mit wenig Wissensverlust in den unterschiedlichsten Kulturkreisen? Braucht man, wie bei „Per Anhalter durch die Galaxis“ immer ein Handtuch? (Um es vorweg zu nehmen: Nein, kein Handtuch, sondern einen Prototypen in unterschiedlichen Fidelity-Stufen). Internationale Tests sind eine Herausforderung, vor der nicht jeder jeden Tag steht. Für mich besonders spannend, stehen wir bei eresult doch auch regelmäßig mit länderübergreifenden Projekten im Austausch mit unseren Kunden. Simon Krackrügge hat hier anhand von drei sehr unterschiedlichen Kulturkreisen (Schweiz, Spanien, China) gezeigt, wie man Dolmetscher, Low- und Highfidelity-Prototypen und das 2er Team aus Deutschland so einsetzen kann, um je nach Kultur den größtmöglichen Output aus Nutzerinterviews zu erhalten. Vielen Dank für die Inspiration – ich habe hier wirklich konkrete Ideen für meinen Arbeitsalltag mitgenommen!

Marina Adam – Data Driven Personas with Empathy


Für uns bei eresult sind Personas mit einer soliden quantitativen Datengrundlage nichts Neues. Sind Sie doch dadurch belastbar und statistisch trennscharf. Dass Zahlen und Skalen nun natürlich wenig Persönliches transportieren, ist vielen auch klar. Dafür benötigt man noch das gewisse Quäntchen empathische Informationen. Und diese bekommt man aus qualitativen Interviews. Dieser Vortrag hat mir gezeigt, dass sowohl die Methode als auch richtig gute Personas noch nicht so weit bekannt sind, wie wir es uns in unserem UX-Kosmos manchmal vorstellen. Hier können wir wirklich mit den Basics anfangen und Vorteile eines sauberen Vorgehens sowie der Kombination aus quantitativ und qualitativ missionieren. Denn leider ja, richtig gute Personas erfordern Zeit und leider auch Geld. Aber es lohnt sich!

2 Tage IA Konferenz in Berlin: Toll war’s!


Ich habe viel für mich mitgenommen. Unter anderem ein Grundgedanke, der mich seitdem nicht mehr loslässt schon mal vorab:
Wir können nicht nur digital. Wir haben so viele tolle Methoden, Tools und Skills. Nutzt diese daher (wie Jim Kalbach) auch außerhalb der klassischen UX-Arbeitsfelder!

Portraitfoto: Melanie Jotz

Melanie Jotz

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

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