Isst das Auge noch mit? Online-Lieferservices im Schnell-Check

Portioniere Lebensmittelboxen

Seit der letzten Betrachtung im usabilityblog.de von Online-Lieferservices für Lebensmittel im Mai 2013 hat sich dieser Service vom Nischenmarkt zu einem ausgereiften Bestandteil im E-Commerce entwickelt. Neben vielen kleinen Startups bieten auch große Supermarktketten wie z. B. Rewe oder Edeka die Option, Lebensmittel bequem von zu Hause aus online zu bestellen.

Demnach ein guter Zeitpunkt aktuelle Anbieter auf die im Rahmen des Blogbeitrags meiner Kollegin entstandenen Gestaltungsregeln hin zu untersuchen. In diesem Beitrag gehe ich auf 7 Anbieter von Abo-Modellen ein, bei denen Lebensmittel in Form von Kochboxen bestellt und geliefert werden können.

 

  1. Vertrauen in das Geschäftsmodell schaffen

 

Auch wenn der Einkauf von Lebensmitteln über das Internet nicht mehr so exotisch ist wie vielleicht vor 2-3 Jahren, wird es dennoch Online-Nutzer geben, die eine gewisse Skepsis gegenüber diesem Geschäftsmodell besitzen. Deshalb bleibt es auch im Jahr 2015 eine wichtige Aufgabe, das Vertrauen der Kunden in diese Dienste zu gewinnen. Dieses Vertrauen können Anbieter durch die Veröffentlichung von Kundenzitaten und Presseberichten, aber auch durch die Erwähnung von Kontaktmöglichkeiten oder gängigen Bezahlverfahren erreichen.

Diese Marktanforderungen haben alle betrachteten Anbieter verstanden und setzen dies bereits sehr gut um auf den Websites. Alle Anbieter verwenden mindestens eines der oben beschriebenen Maßnahmen oder setzen sogar alle Maßnahmen ein, um das Vertrauen in ihr Angebot zu fördern.

 

PresseberichteAbb. 1: BestPractice – Pressestimmen auf kommtessen.de

 

KundenstimmenAbb. 2: Best-Practice – Kundenstimmen auf kochzauber.de

 

Zahlungsarten

Abb. 3: Best-Practice – Transparenz von Zahlungsarten auf gourmetbox.de

 

  1. Hohe Produktqualität visuell transportieren
    Neben dem Vertrauen in den Anbieter spielt das „Look and Feel“ der Produkte eine wichtige Rolle, um den Nutzer von der Qualität und Frische der Lebensmittel zu überzeugen. Da eine sensorische Überprüfung bzw. Kontrolle wie in der Filiale nicht möglich ist, ist es umso wichtiger diese Informationslücke zu schließen. Damit sich Kunden ein Bild von den Produkten machen können, muss den Nutzern eine hochwertige visuelle Produktinszenierung angeboten werden. Dazu können neben hochwertigen Produktabbildungen, detaillierten Beschreibungen auch unabhängige Siegel oder Zertifikate genutzt werden.

 

Auch diese Gestaltungsregel wird von den Anbietern größtenteils recht professionell umgesetzt. Man merkt vielen Websites an, dass sie im Umfeld einer innovativen und modernen Gründerszene entstanden sind, die sich gerne internationalen Vorbildern bedient.

 

Abb. 4: Best-Practice - Hochwertige Lebensmittelabbildungen auf kommtessen.de

Abb. 4: Best-Practice – Hochwertige Lebensmittelabbildungen auf kommtessen.de

 

LandschaftsbilderAbb. 5: Best-Practice – Einladende Landschaftsbilder als Beleg für die Herkunft auf cuppabox.de

 

Siegel ZertifikateAbb. 6: Best-Practice – Zertifikate und Siegel auf biobox.me

 

  1. Transparenz und Kontrolle des Geschäftsmodells ermöglichen
    Ist der potentielle Neukunde von der Seriosität des Anbieters und der Qualität der Produkte überzeugt, muss ihm die Möglichkeit gegeben werden, die mitgelieferten Produkte und Inhalte der Boxen zu überprüfen. Neben einer genauen Auflistung der Lebensmittel (möglichst noch mit Bildern oder zusätzlichen Detailinformationen garniert) bieten die Anbieter auch eine genaue Übersicht an, welche Produkte zu welchem Zeitpunkt geliefert werden. Neben möglichen Zweifeln weckt dies auch die Vorfreude auf die kommenden Wochen, wenn der Nutzer auf seine Koch-Box wartet. Einige Anbieter setzen darüber hinaus die Stärke von Marken ein, indem sie explizit erwähnen, welche Markenprodukte mitgeliefert werden.

 

Genaue ZutatenlisteAbb. 7: Best-Practice – Genaue Auflistung der Zutaten auf kochabo.de

 

 

RezeptübersichtAbb. 8: Best-Practice – Rezeptübersicht der kommenden Wochen auf kochabo.de

 

 

 

MarkenbilderAbb. 9: Best-Practice – Einsatz von Markennamen auf gourmetbox.de

 

  1. Niedrige Einstieghürde für den Neukunden schaffen
    Können letzte Zweifel am Abo-Modell beseitigt werden, kommt die vielleicht größte Hürde für Abo-Modelle zum Tragen. Laut einem aktuellen Beitrag von t3n ist das Geschäftsmodell von Abo-Modellen nur dann rentabel, wenn Kunden das Abo so lange wie möglich beziehen. Am Beispiel von der mittlerweile insolvent gegangenen Firma tollabox, einem Anbieter für Bastel-Spiel-Boxen, hätte die Abo-Dauer 11 Monate betragen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Da es vor dem getätigten Erstkauf schwierig ist, einen Kunden von Beginn an von einer langen Abo-Dauer zu überzeugen, ist es wichtig, die Einstiegshürde möglichst klein zu halten. Um viele Neukunden zu gewinnen, bieten die Anbieter neben einmaligen Probier-Abos auch Geschenkgutscheine an.

ProbierboxAbb. 10: Best-Practice – Probierboxen auf hellofresh.de

 

12_Best-Practice_GeschenkgutscheineAbb. 11: Best-Practice – Geschenkgutscheine auf gourmetbox.de

Die nächste Herausforderung: Das Interesse langfristig aufrechterhalten

Mein Check der 7 Abo-Anbieter zeigt, dass die Unternehmen unsere Gestaltungsregeln und Tipps zur Neukundengewinnung sehr gut umsetzen. Die Seiten sehen insgesamt sehr professionell aus und wecken beim Besucher das Interesse, sich näher mit den Angeboten und den Produkten auseinanderzusetzen und diese dann letztendlich auch zu buchen. Da alle Anbieter die vier Anregungen auf einem recht hohen Niveau beherzigen, konnte ich keinen persönlichen Sieger ermitteln.

Im 2. Teil meines Checks, der schon am Donnerstag erscheint, gehe ich auf Anforderungen ein, um das Interesse an den Abo-Modellen langfristig aufrecht zu erhalten. Ich komme auf Themen zu sprechen, wie Abo-Modelle flexibel auf die Interessen, aber auch Bedürfnisse der jeweiligen Kunden eingehen können, aber auch mittels guter User Experience den Joy of Use zu wecken und zu steigern. Und hier zeigen sich erste größere Unterschiede zwischen den Abo-Anbietern.

Portraitfoto: Ediz Kiratli

Ediz Kiratli

Referent Usability

VBG

Bisher veröffentlichte Beiträge: 24

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