Ist das das richtige Programm? TV-Website im Wandel der Zeit

Second-Screen ist in aller Munde und auch selbst hat sich wahrscheinlich schon einmal jeder beim Spielen mit dem Tablet oder Smartphone während des Fernsehens erwischt. Doch das bedeutet noch lange nicht das TV out ist. Vielmehr ist es Aufgabe der Fernsehsender nun offensiver und attraktiver für sich zu werben. Zum Beispiel mit einer modernen und ansprechenden Website kann der Nutzer für TVs begeistert werden. Aber: Was haben die Sender im Internet zu bieten. Ein kleiner persönlicher Vergleich.

Die Privaten: Bildgewaltig und farbenfroh

Die Betrachtung der Website von ProSieben im Zeitraffer zeigt sofort eines: Die Website wandelt sich stetig. In 2007 war die vorherrschende Farbe Rot. Die Inhalte gingen unter dieser Dominanz verloren – sofern von wirklichen Inhalten mit Mehrwert gesprochen werden konnte. Im Prinzip war diese Seite nichts weiter als eine Infoseite. Der Relaunch vor dem Jahr 2011 kippte das gesamte Farbkonzept und ersetzte die intensive Farbe Rot durch Grau und stellte damit die Inhalte der Website in den Mittelpunkt. Das Grau ermöglichte es, zusammen mit großen Bildflächen, dass die Nutzer direkt auf Inhalte gestoßen wurden, weil nun die Call-to-Action rot und damit aktivierend gestaltet waren. Zudem gab es 2011 auch eine Bühne, die über tagesaktuelle Sendungen und Filme informierte. Im mittleren und unteren Contentbereich kamen durch die dezente Hintergrundfarbe auch Inhalte zum Nutzer, obwohl diese pro Position weniger Priorität genießen. Ganz verabschiedet hat sich ProSieben nun nach dem letzten Relaunch von Farben. Weiß ist nun die Hintergrundfarbe und Flächen statt Farben herrschen damit vor. Vor allem die hochwertigen Bildwelten vermitteln einen guten Eindruck der beworbenen Sendungen und machen Lust auf mehr. Mit dieser Website zeigt ProSieben, was State-of-the-Art ist – und dieses Beispiel zeichnet daneben sehr schön die Entwicklung des Webdesigns nach: Erst auffallen durch Farben, nun auffallen und gefallen durch hochwertige Bilderwelten und den Blick fürs Wesentliche.

Abb. 1: ProSieben (von links nach rechts: 2007, 2011, 2014)

Öffentliche-rechtliche mit beständigem Konzept

Bei der ARD bestimmt seit fast mehr als 10 Jahren die Farbe Blau den Webauftritt. Diese Farbe erzeugt Ruhe und Konzentration, was die Sachlichkeit der Seite unterstützt. Geändert hat sich an der Website der ARD aber die Contentgestaltung. Statt der seit 2006 bis 2013 vorherrschenden drei Spalten, ist jetzt ein großer Contentbereich bestimmend. Die Bühne wurde sehr geschickt in Themenbereiche aufgeteilt, die nur sehr langsam rotieren. Zudem gibt es eine Vorschau durch kleine Teaser. So entgeht dem Nutzer auf den ersten Blick keine wichtige Information – aus unterschiedlichsten Bereichen. Weitere relevante Informationen sind durch ein Panelmodul verfügbar. Das ist für den Nutzer ebenfalls eine sehr gute Lösung, weil Informationen kompakt zu erkennen sind. Zwar wurden die Panels auch schon vorher angeboten, jedoch war die Farbgestaltung (weiß auf blau) nicht aktivierend. In 2014 wurde die Farbgestaltung umkehrt, was der Bedienung eine höhere Aufmerksamkeit geschenkt. Und die neue Contentgestaltung ermöglicht auch ein fluides Raster, was eine responsive Website zur Folge hat. Wichtig!

Abb. 2: ARD (2007 und 2014)

Die Dritten sind nicht dritte Wahl

Der TV-Sender RBB passte seine Website in den letzten Jahren regelmäßig an. Kein grundlegender Relaunch wie bei anderen Websites, sondern eine behutsame Veränderung der zentralen Elemente. Die Website des RBB war jahrelang ebenfalls geprägt von drei Spalten, wo selbst im zentralen Sichtfeld rechts und links unwichtige Informationen versteckt wurden. Zudem waren in 2007 und 2011 die Bilder klein und schwer zu erkennen. Genauso schwer wie der Hinweistext neben den Bildern. Überhaupt waren die Informationen aufgrund der unterschiedlicher Kästen und dem sehr hohen Textanteil schlecht zu erfassen. Werbung für sein Programm wird so jedenfalls nicht gemacht.

Wesentlich besser präsentiert sich der RBB nach dem Relaunch vor 2014: Davon ausgehend, dass ein Bild mehr als tausend Worte sagt, erscheint die Website des RBB aktuell als wunderbar. Der Programmtipp in einer Bühne, die sich auf jeden Browser und Bildschirmauflösung anpasst, macht Lust auf mehr. Die Bilder sind auch vom Bildmotiv so, dass der Nutzer sofort gefesselt und neugierig gemacht wird. Zeitgleich geht ein Text im Gegensatz zu einem Bild eigentlich immer etwas unter, weil dieser, um verstanden zu werden, erst gelesen werden muss. Oder es wird auf eine klare und strukturierte Typografie gesetzt, wie beim RBB. Die weiße Schrift auf rotem Hintergrund passt zum Webauftritt und räumt dem textlichen Hinweis den gleichen Stellenwert ein wie das Bild.

Abb. 3: RBB (von links nach rechts: 2007, 2011, 2014)

Was ist Ihre Intention die Website eines TV-Senders zu nutzen: Informieren Sie sich über das Programm? Interessieren Sie die Meldungen? Suchen Sie nach einer Mediathek?

Zum Projekt „Design im Wandel“:
eResult verfolgt bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen, unter anderem auch von 20 verschiedene TV-Sendern. Die dokumentierten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und Erkenntnisse hier im Usabilityblog vorgestellt – oder gemeinsam mit den Lesern erarbeitet.

Portraitfoto: Thomas Pribbenow

Thomas Pribbenow

User Experience Consultant

Alumni-eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 11

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