mHealth Apps: Die Zukunft der Medizin? – Teil 1

Abb. 1: Das MobiUS SP1 System von MobiSante Abb. 1: Das MobiUS SP1 System von MobiSante

Wie hoch war mein Blutdruck die letzten Tage?
Hab ich gut geschlafen?
Wie viele Kalorien hab ich in der letzten Woche zu mir genommen?
Wie hoch war mein Blutzucker diesen Morgen?





Antworten zu all diesen Fragen und vielen weiteren werden uns in den nächsten Monaten und Jahren zur Verfügung stehen – und das völlig unkompliziert. Mobile Health oder auch mHealth, also das zur Verfügung stellen von Gesundheitsdienstleistungen durch mobile Endgeräte wie z. B. Smartphones, gewinnt immer mehr an Bedeutung. Momentan werden Gesundheitsdaten nur zu bestimmten Zeitpunkten gesammelt und dadurch oft nicht in Zusammenhang gebracht. Unser Körper macht aber jeden Tag viele unterschiedliche Dinge, kann also permanent Daten generieren, welche für die behandelnden Ärzte interessant sein könnten. Mobile Technologien begleiten einen, sie sind verbunden mit unserem Körper und eröffnen viele Möglichkeiten in der Patienten-Arzt-Kommunikation und –Beziehung.

Was macht mHealth so besonders?

Der Gesundheitsbereich ist einer der größten Wachstumsmärkte weltweit. Gründe dafür sind laut der Studie mHealth App Developer Economics 2014 von research2guidance u. a. der demographische Wandel, die vermehrte Verbreitung chronischer Krankheiten, aber auch das Streben des Menschen nach Gesundheit und Wohlgefühl. Dabei geht der Fokus weg von der Akutversorgung hin zu koordinierter, patientenzentrierter Versorgung. Kein Wunder also, dass die Anzahl der mHealth Apps auf den zwei führenden Plattformen iOS und Android sich in den letzten 2.5 Jahren mehr als verdoppelt hat (über 100.000 Apps in Q1 2014). Auch wurde in 2013 ein Umsatz von 2.4 Millionen USD erreicht und wird laut research2guidance auf 26 Millionen USD Ende 2017 prognostiziert.

Schon jetzt gibt es viele so genannte mHealth Apps, mit denen wir aufzeichnen und verfolgen können, wie viel Sport wir getrieben haben (z. B. Runtastic), wie hoch unsere tägliche Herzfrequenz ist (z. B. Health Mate) oder mit denen wir unseren Blutzucker messen können (z. B. iBGStar). Zur Benutzbarkeit solcher Apps gab es hier auch schon einen Beitrag: Auf los geht’s los: Nutzerfreundliche Trainingshilfen für noch mehr Spaß beim Sport.


Auch treten in diesem Zusammenhang mittlerweile immer mehr Wearables, also Geräte, die wir an unserem Körper tragen und welche dann mit mobilen Endgeräten kommunizieren, in unser Leben. So z. B. Misfit Shine, mit dem wir auf dem Smartphone verfolgen können, wie viel wir uns am Tag bewegt haben oder wie lange wir geschwommen sind, und dadurch vielleicht motiviert werden uns die nächsten Tage mehr zu bewegen oder schneller zu schwimmen. Oder der Zepp Golf Sensor, ein Trainingssystem, welches dem Träger erlaubt, seinen Golfschwung in 3D auf dem iPhone zu analysieren und zu verbessern.


mHealth App Kategorien

Größte Gruppe der mHealth Apps in allen Appstores (Apple, Google, Blackberry und Windows Phone) sind Fitness Apps, also Fitness Tracker oder Trainingspartner. Apps zur Überwachung des Gesundheitszustandes wie z. B. Blutzucker und Blutdruck-Apps, als auch zur Diagnose, zur Befolgung von Behandlungsabläufen, Erinnerungs-Apps, Fernüberwachungs-Apps oder Patientenakten-Apps usw., nehmen nur ca. 16 % der mHealth Apps ein.

Abb. 8: mHealth Kategorien in den App Stores

Abb. 8: mHealth Kategorien in den App Stores


Diese Themen werden jedoch in den nächsten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen, stellen gleichzeitig aber auch die Bereiche mit den größten Hürden dar. Dabei müssen wir unterscheiden zwischen mobilen Apps zur Überwachung der eigenen Gesundheit und Fitness und mobilen medizinischen Apps (medizinische Produkte, welche mobile Apps sind) zur z. B. Überprüfung des Blutzuckers durch den Patienten oder zur Unterstützung von medizinischem Personal bei der Diagnose und Behandlung. Das MobiUS SP1 System von MobiSante beispielsweise ist ein mobiles Ultraschall-Gerät to go: Ein Ultraschallkopf in Kombination mit einem Smartphone ermöglicht medizinischem Personal in den entlegensten Orten der Welt Patienten zu untersuchen und Diagnosen zu stellen (bisher allerdings noch nicht CE zertifiziert).

Mobile Apps bedürfen nicht notwendigerweise einer weiteren Kontrolle. Soll jedoch eine App, oder auch die Kombination aus App und Hardware, für tatsächlich medizinische Zwecke genutzt werden, so wird aus einer App ein Medizinprodukt. Dann müssen App und auch die dazugehörige Hardware länderspezifische Richtlinien und Anforderungen entsprechen und diese einhalten, die Apps müssen Normenkonform sein und Schnittstellen überwinden. Dies schließt natürlich immer auch die Usability solcher Apps mit ein.

mHealth wird nicht nur durch die klassische Industrie vorangetrieben

App- und Hardware-Herausgeber sind dabei vor allem traditionelle Player im Gesundheitswesen wie die Pharmaindustrie, Kliniken und medizintechnische Hersteller, als auch Fitnessexperten und Hersteller von Sensoren – alle sehr Umsatzgetrieben. Einen Großteil machen aber auch die sogenannten „Helfer“ aus. Dies sind Menschen (manchmal auch medizinische Spezialisten), die ein Problem erkannt haben und dafür eine App entwickeln, um ihre Mitmenschen bei ihrer körperlichen Gesundheit als auch Fitness zu unterstützen. Umsatz spielt hier eine eher nebensächliche Rolle.
Aber auch andere Organisationen springen auf den mHealth-Zug auf. Die Idee, dass mit Hilfe von mobilen medizinischen Geräten und Applikationen Menschen dazu gebracht werden können gesünder zu leben, welches zur Reduzierung von Kosten im Gesundheitssystem führen könnte, ist ein großer Motivator, sowohl für Versicherungen, als auch für staatliche Organisationen und Regierungen. So veröffentlichte die Europäische Kommission im Dezember 2012 den Aktionsplan “Patienten geben die Richtung vor: Eine digitale Zukunft für das Gesundheitswesen”. Ziel der Kommission ist es „Patienten medizinisch besser zu versorgen, ihnen mehr Kontrolle über ihre Gesundheitsfürsorge zu geben und die Kosten zu verringern.“ Dafür ist es jedoch notwendig, die digitale Gesundheitsförderung zu verbessern, um ihr volles Potential ausschöpfen zu können. Der Aktionsplan spielt wiederum Hard- und Softwareherstellern in die Hände, da diese momentan noch mit vielen Herausforderungen, wie dem Fehlen von Standards, kaum vorhandener Interoperabilität von Systemen, aber auch rechtlichen Unsicherheiten zu kämpfen haben.

Ausblick auf den nächsten Artikel der mHealth Reihe

Im 2. Teil dieser Artikelreihe wird es um technologische Neuheiten im Bereich mHealth und gegenwärtige Herausforderungen gehen, die es noch zu bewältigen gibt.

Portraitfoto: Jumana Al Issawi

Jumana Al Issawi

Senior Consultant

Open Reply Germany

Bisher veröffentlichte Beiträge: 9

Ein Kommentar

  • Ich denke es ist eine super Entwicklung. Das Smartphone wird immer mehr zur Schaltzentrale unseres Lebens. Das Handy ist immer dabei und so auch immer am Mann bzw. der Frau. So gibts ja auch immer mehr Messgeräte, die die Daten an das Smartphone schicken. Warum also nicht alle Daten Zentral speichern und auswerten lassen. Das kann man dann ja auch prima dem Arzt weiterleiten…

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