mHealth: Der Cue Gesundheitstracker

Was passiert gerade in der Welt der mobilen Gesundheit? Vor zwei Monaten hat Apple iOS8 und damit auch das HealthKit herausgegeben. Mobile Health ist in aller Munde; es passiert viel, aber doch wieder nicht so viel und so schnell wie ich erwartet hätte. Fest steht, dass mobile Health nicht aufzuhalten ist, dafür aber noch viel an der Basis gearbeitet werden muss. Die APIs stehen bereit (Apple Health, Google Fit und Microsoft Health), mit den ersten Kliniken wurden Konzepte erarbeitet und gemeinsame Apps entwickelt (z. B. Mayo Clinic) und es wird fleißig an der Hardware gebastelt, welche die Fitness und Gesundheit ihrer Nutzer tracken und interpretieren soll.

Ein sehr interessantes Beispiel dafür möchte ich euch hier vorstellen. Cue ist ein Startup aus San Diego in das gerade 7.5 Millionen Dollar investiert wurden. Die Entwickler des gleichnamigen Produktes Cue wollen die Zukunft der persönlichen Gesundheit eines Menschen in eine kleine Box packen, welche dann – verbunden mit dem Smartphone oder Tablet – dem Nutzer ermöglicht, seine persönlichen Gesundheitsdaten auf molekularem Level zu messen und zu überwachen. Aber was bedeutet das genau und wie soll das funktionieren?

Cue – ein tragbares Labor

Die Idee scheint ganz einfach: Es gibt fünf unterschiedliche „Patronen“- Inflammation, Vitamin D, Influenza, Testosterone und Fertility. Je nach Bedarf wird also die jeweilige Patrone ausgewählt und in die Cue geschoben. Nun muss mit dem Probenstab nur noch eine Speichel- oder Blutprobe oder eine Nasenabstrich genommen und dieser in die Patrone gesteckt werden. Die Daten werden automatisch von Cue analysiert und per Bluetooth 4.0 an das Smartphone oder Tablet geschickt. Das Ganze soll nur wenige Minuten dauern.

Abb. 1: Cue Gesundheitstracker

Abb. 1: Cue Gesundheitstracker

Erst die App „Life Feed“ macht das System jedoch wirklich interessant. Hier wird die tägliche Auswirkung von Aktivität, Ernährung und Schlaf auf die „molekulare Gesundheit“ ansprechend und vor allem verständlich visualisiert.

Die App empfiehlt basierend auf den Ergebnissen, welche Nahrungsmittel eingenommen oder welche sportlichen Aktivitäten durchgeführt werden sollten und synchronisiert diese automatisch mit dem Tagesplan. Außerdem trackt das System das Wetter und empfiehlt bei zu niedrigem Vitamin D Wert, wann und wie lange man an die frische Luft gehen sollte um genügend Sonne für den Tag zu tanken. Frauen die schwanger werden möchten werden dabei unterstützt Lebensmittel zu essen, welche die Fruchtbarkeit unterstützen. Durch tägliche Überwachung der Blutwerte können diese außerdem erfahren, wann ihre Fruchtbarkeit besonders hoch ist. Und hat all die Vorsorge nichts gebracht und man hat sich doch eine Erkältung eingefangen, so kann man sein Netzwerk informieren, so dass diese Vorsichtsmaßnahmen treffen – und vielleicht auch ein bisschen mehr Abstand halten – können.

Ist Cue wirklich so sinnvoll wie es auf den ersten Blick scheint?

Gute Frage! Schwanger werden will man nicht jeden Tag, mein Testosteronlevel auf ein Hoch zu bringen ist auch nicht mein Ziel und mit Grippe lieg ich hoffentlich auch maximal ein Mal im Jahr im Bett. Interessanter ist da schon das Inflammation-Modul. Dieses soll meine Entzündungswerte messen, also die Reaktion meines Körpers auf Stimuli wie Verletzungen oder Krankheiten. CRP ist ein Entzündungsmarker der wichtig für die Abwehr ist, da er für die Zerstörung oder den Abbau von Krankheitserregern und von Körperzellen, die verbraucht oder krank sind sorgt. DER CRP-Wert erhöht sich durch akute Infektionen oder Entzündungen deutlich und ist ein mögliches Anzeichen für eine Entzündung. Die Entzündungswerte wiederrum beeinflussen wie schnell Verletzungen heilen und wie Gesund das Blutkreislaufsystem im Allgemeinen ist. Studien sollen bewiesen haben, dass sogar Bewegung und Sport die Entzündungswerte erhöhen. Cue könnte also dabei helfen diese zu beobachten, bei Bedarf Werte an Ärzte zu übermitteln und ggf. Sport- und Erholungsphasen zu optimieren und die Ernährung so anzupassen, dass die Entzündungswerte gesenkt werden.

Noch ist Cue nicht zu haben. Eine Vorbestellung ist leider aber auch nicht mehr möglich, sonst hätte ich mich vielleicht nicht zurückhalten können. Dafür gibt es eine Warteliste auf der ich nun warte. Alle erfolgreichen Vorbesteller sollen Cue im Frühling 2015 erhalten. Bis dahin ist das Produkt aber noch nicht durch die FDA freigegeben, darf also nicht für medizinische Zwecke und Diagnosen genutzt werden. Das Gerät dient zu Anfang nur Studienzwecken. Alle Vorbesteller werden also dazu aufgerufen, das Gerät und die zugehörige App ausgiebig auszuprobieren und ihre Erfahrungen und Probleme mit der Firma zu teilen, so dass diese die Informationen später für das Usability Testing, welches für die FDA-Zertifizierung notwendig ist zu nutzen. Schlau!

Abwarten und Testen

Ich bin gespannt was die Erstnutzer von Cue halten. 149 Dollar sind kein Schnäppchen, das Produkt muss also einen tatsächlichen und auch langfristigen Mehrwert liefern. Das Produktdesign selbst sieht aber auf jeden Fall vielversprechend aus. Sollte der Probenstab jedoch wirklich nur einmal nutzbar sein, so produziert jeder Cue-Nutzer ziemlich viel Abfall.

Mich würde interessieren, was ihr über ein solches Produkt denkt. Vielleicht gibt es unter euch ja auch jemanden, der zu den Vorbestellern gehört und schon mehr weiß bzw. demnächst berichten kann?

Portraitfoto: Jumana Al Issawi

Jumana Al Issawi

Senior Consultant

Open Reply Germany

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