Mobile Payment im Test: Cringle und PayPal im UX-Check

Einleitungstext Seit einigen Wochen beschäftige ich mich genauer mit dem Thema Mobile Payment. In einem kürzlich verfassten Blogbeitrag zu diesem Thema habe ich die Mobile Payment Landschaft etwas genauer betrachtet und dort auch zwei Person-to-Person Payment Apps vorgestellt. Außerdem haben wir vor kurzem eine Online-Umfrage unter deutschen Smartphone-Nutzern zum Thema Mobile Payment durchgeführt. Die Umfrage kam zu dem Ergebnis, dass unter den Mobile Payment Verfahren das Person-to-Person (P-2P) Mobile Payment am bekanntesten ist und am häufigsten genutzt wird. Beim P-2-P Mobile Payment, können (kleine) Geldbeträge an andere Personen über die App versendet werden.

Wir bei eResult gehen öfter gemeinsam mittags essen oder kochen zusammen. Eine Person ist für den Einkauf zuständig und die Kollegen zahlen dann die kleinen Beträge zurück an diese Person. Das Auseinanderrechnen ist aber immer wieder ein Zeitfresser und wer hat schon immer den passenden Kleingeldbetrag im Portemonnaie? Deshalb wollten wir etwas Neues ausprobieren und haben intern P-2-P Apps getestet, um herauszufinden, ob solche Apps das Zurückzahlen von Mini-Beträgen tatsächlich erleichtern. Wir haben dazu zwei Apps, Cringle und PayPal, genauer unter die Lupe genommen.

Die Cringle App im Test: Einfache Bedienung und ansprechendes Design

Als erstes habe ich die Cringle App getestet. Im Play Store konnte ich mir die App kostenfrei herunterladen. Sie ist sowohl für Android als auch für iOS verfügbar. Danach musste ich mich mit meiner E-Mail-Adresse und meinen persönlichen Daten, einschließlich meiner Kontodaten, registrieren. Um Transaktionen durchführen zu können, musste ich mein Konto einmalig freischalten. Der Registrierungsprozess insgesamt war recht einfach, schnell und unkompliziert. Für alle Transaktionen gilt, das Senden und Empfangen von Geld ist kostenlos. Die Beträge werden direkt von meinem hinterlegten Konto abgebucht, allerdings gibt es ein Transaktionslimit von 100 € im Monat, bei DKB Kunden liegt das Transaktionslimit bei 250 € pro Monat. Die App eignet sich also tatsächlich nur für Transaktionen mit kleinen Beträgen.

Wenn die Person bereits bei Cringle registriert ist, kann eine Transaktion sofort durchgeführt werden. Man kann aber auch Geld an Personen verschicken oder von Personen anfordern, die noch nicht registriert sind. In dem Fall erhält die Person dann eine SMS mit einem Link zu der App. Momentan muss die Person dann den Registrierungsprozess durchlaufen, bevor die Transaktion durchgeführt werden kann. Das Empfangen von Geld ohne Registrierung ist bereits möglich. Es müssen lediglich die Kontodaten einmalig eingegeben werden. Aber auch das Senden soll wohl bald möglich sein. Über die ein- und ausgehenden Zahlungen wird man zusätzlich per E-Mail von Cringle benachrichtigt.

Insgesamt macht die App einen positiven Eindruck. Sie ist auf das wesentliche reduziert und dadurch sehr einfach zu bedienen. Die App ist ansprechend gestaltet, das Design sehr modern. Das Senden und Empfangen von Geldbeträgen ist recht nutzerfreundlich gestaltet. Beim Klick auf einen Kontakt öffnet sich ein Chatfenster, in dem man Nachrichten an die andere Person schicken kann. Unter „Freund hinzufügen“ kann direkt eine Person aus den eigenen Telefonkontakten eingeladen werden. Auch das Senden und Empfangen von Beträgen ist einfach durchzuführen. Bei Klick auf „senden“ oder „anfordern“ öffnet sich die Telefonkontaktliste und es kann ein Kontakt ausgewählt werden. Alternativ kann man auf einen der bereits verfügbaren Kontakte klicken und im Chatfenster über das Kreuz oben rechts den Dialog zum Senden oder Anfordern von Geldbeträgen öffnen.

Um die App dann in der Praxis zu testen, habe ich mir nach dem Mittagessen nicht das Geld in bar zurückzahlen lassen, sondern schickte eine Anfrage an meine Kollegin. Sobald sie mir den angeforderten Betrag zusendet hatte, erhielt ich eine Bestätigung in Form eines grünen Häkchens.


Screenshot Cringle App: Anfordern und Erhalten von Geldbetrag

Screenshot Cringle App: Anfordern und Erhalten von Geldbetrag


Positiv an der App ist der Überblick über alle vorhandenen Kontakte und ob diese sich bereits registriert haben. Weniger ansprechend ist, dass es keine Übersicht über die gesamten Transaktionen gibt, sondern, dass man nur in den einzelnen „Chats“ mit seinen Kontakten den Verlauf von gesendeten und empfangenen Beträgen sehen kann.


Screenshot Cringle App: Übersicht Kontakte

Screenshot Cringle App: Übersicht Kontakte


Hier im Büro haben gleich drei Leute die App heruntergeladen und ausprobiert und wir waren uns alle einig, dass die Registrierung und Bedienung der App denkbar einfach ist. Allerdings kamen auch Diskussionen zur Sicherheit auf. Zum einen kann man sich nicht aus der App ausloggen. Somit hat jeder, der Zugriff auf das Handy erhält, auch die Möglichkeit von dem Handy Geld zu senden. Da das monatliche Transaktionslimit bei 100 € liegt, ist der Schaden allerdings eingegrenzt. Bei Verlust des Handys gibt es leider auch keine Telefonnummer, an die man sich wenden kann. Man kann lediglich eine E-Mail an den Support von Cringle senden, um sein Konto sperren zu lassen. Außerdem soll man die DKB bei Missbrauch oder Diebstahl des Handys hierüber informieren. Diesen Weg finde ich etwas umständlich und wenig kundenfreundlich. Wenn mein Handy gestohlen wird, dann würde ich mich sicherer fühlen, wenn ich umgehend alle Zugriffe auf mein Konto, die über mein Handy erfolgen, sperren lassen kann.

Die PayPal App im Test: größere Sicherheit durch Passwort

Als zweites habe ich mir zum Vergleich die PayPal App angeschaut. Um das P-2-P bei PayPal nutzen zu können, musste ich mir zunächst ein PayPal Konto einrichten. Dieser Schritt entfällt natürlich für jeden, der bereits ein PayPal Konto besitzt. Außerdem musste ich ein SEPA-Lastschriftmandat erteilen und anschließend mein Konto freischalten lassen. Um das P-2-P Payment mit der PayPal App nutzen zu können, musste ich allerdings erst noch einen von mir festgelegten Betrag auf mein PayPal Konto überweisen. Da bei Cringle alles direkt vom Konto abgebucht wird, entfiel dieser Schritt. Im nächsten Schritt konnte ich mir dann die PayPal App herunterladen (auch diese ist natürlich für Android und iOS verfügbar).

Für die App muss ein Passwort zum Einloggen festlegt werden, dies gibt mir persönlich irgendwie ein sicheres Gefühl, da ich weiß, dass nicht jeder, der mein Handy in die Hände bekommt, die App nutzen kann. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu Cringle ist, dass PayPal keine Gebühren für das Empfangen von Beträgen erhebt. Außerdem kann man PayPal bei Fragen oder Problemen jederzeit kontaktieren, und sein Konto sperren lassen.

Für den Test der PayPal App ließ ich mir ein zweites Mal nach dem Mittagessen die Beträge nicht in bar auszahlen, sondern forderte das Geld über PayPal an.


Screenshot PayPal: Anfordern und Erhalten von Geldbetrag

Screenshot PayPal: Anfordern und Erhalten von Geldbetrag


Beim Anfordern des Geldbetrages trat leider ein Problem auf, sodass mir meine Kollegin den Betrag direkt senden musste. Dies wäre im „echten Leben“ natürlich total ärgerlich, weil man die entsprechende Person dann auf andere Weise kontaktieren müsste und das dem Sinn eine solchen P-2-P App widerspricht.

Insgesamt ist auch die PayPal App gut gelungen. Sie ist wie die Cringle App recht benutzerfreundlich gestaltet und das Design ist ebenfalls ansprechend. Ein Vorteil gegenüber der Cringle App ist, dass man einen Überblick über alle seine Transaktionen auf einen Blick hat. Bei der Cringle App kann man nur in dem jeweiligen Chat mit seinen Kontakten sehen, welche Beträge man versendet oder empfangen hat.

Ein Nachteil gegenüber der Cringle App ist, dass man Geldbeträge nur an registrierte User schicken bzw. anfordern kann. Und selbst hier scheint es noch einige Probleme zu geben, die PayPal beheben sollte, wie unser Test gezeigt hat. Das ist bei der Cringle App wesentlich besser gelöst, denn hier kann man jedem seiner Telefonkontakte eine Einladung schicken bzw. von allen Kontakten Geld empfangen oder ihnen Geld senden. Da man auch kein extra Konto einrichten muss, ist dieser Weg wesentlich schneller und einfacher. Die andere Person muss dann eben nur dazu bereit sein, ihre Kontodaten einmalig anzugeben (bzw. sich selbst bei Cringle zu registrieren).

Selbstverständlich bietet PayPal noch eine Reihe von weiteren Services, die nicht Bestandteil des Tests waren. PayPal ist auch sehr weit verbreitet, viele nutzen es bereits.

Fazit

Die folgende Tabelle stellt die beiden Apps noch einmal gegenüber:


Tabelle: Vergleich Cringle und PayPal P-2-P App

Tabelle: Vergleich Cringle und PayPal P-2-P App


Insgesamt muss ich sagen, dass mir die Nutzung beider P-2-P Apps gut gefallen hat und diese für mich eine echte Alternative zum Bargeld sind. Das größte Problem dabei ist, seine Familie, Freunde, Bekannten und Kollegen davon zu überzeugen, diesen Service ebenfalls zu nutzen, denn der Service lebt davon, eine möglichst große Nutzerschaft zu haben. Wenn niemand meiner Kontakte den Service nutzt, macht er für mich keinen Sinn. Für mich als Person, die selten Bargeld parat hat, stellt eine solche App tatsächliche eine Erleichterung beim Zurückzahlen von Mini-Beträgen dar. Von der Nutzerperspektive finde ich die Cringle App besser, da zusätzliche Schritte wie das Einrichten eines Kontos, das mit Geld aufgeladen werden muss, entfallen. Wenn man allerdings bereits ein PayPal Konto hat und dieses regelmäßig für andere Transaktionen nutzt, ist dies vermutlich nicht so entscheidend. Man kann auch niemanden direkt dazu einladen, PayPal zu nutzen, allerdings ist der Service auch schon sehr weit verbreitet. Unsere vor kurzem durchgeführte Online-Umfrage zum Thema Mobile Payment ergab, dass etwa 67 % der deutschen Smartphone Nutzer regelmäßig online mit PayPal bezahlen (im Downloadbereich können Sie sich den vollständigen Studienband kostenlos herunterladen). Obwohl mir persönlich die Nutzung der Cringle App besser gefallen hat, sehe ich bei der PayPal App ein größeres Potential, da sie eine Einbindung in eine Reihe von weiteren Services darstellt und sehr viele PayPal bereits kennen und nutzen. Reine Mobile Payment Lösungen werden derzeit noch eher selten verwendet.

Ich bin gespannt, wie sich nicht nur das P-2-P Mobile Payment, sondern mobile Bezahlverfahren insgesamt in der Zukunft entwickeln werden und bleibe auf jeden Fall dran an diesem Thema!

Portraitfoto: Isabel Schwier

Isabel Schwier

Junior User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 4

7 Kommentare

  • Beatrix

    Die Gebühren von 10 Cent pro Transaktion ist für „kleine Beträge“ aber nicht gerade vorteilhaft…

    • Isabel Schwier

      Vielen Dank für eure Kommentare und das aufmerksame Lesen meines Beitrags!
      Die Transaktionsgebühr von 10 Cent für das Senden von Geldbeträgen wurde von Cringle mittlerweile abgeschafft. Auch ist das Empfangen von Geld ohne vorherige Registrierung bereits möglich (man muss nur einmalig seine Kontodaten eingegeben). Die Analyse der App hat schon vor einigen Wochen stattgefunden, daher sind die Neuerungen im Beitrag nicht berücksichtigt worden.
      Viele Grüße
      Isabel

  • Oliver

    Ich nutze für solche Dinge jetzt Number26 – ich finde es praktisch, dass ich einfach Beträge per E-Mail verschicken kann. Ohne Transaktionsgebühren o.ä. – Anmeldung ist natürlich möglich aber das Überweisen per Money Beam aus der App finde ich tatsächlich sehr praktisch.

  • Malte

    Eine kleine Anmerkung zum Thema Sicherheit:
    Bevor eine Transaktion getätigt werden kann, wird zur Identifizierung eine PIN abgefragt.
    Sollte das Handy verloren gehen oder jemand mein Smartphone nehmen, ist die Durchführung von unautorisierten Transaktionen somit nicht möglich.
    Auch sind die persönlichen Daten hinter der PIN und somit vor Zugriffen Dritter geschützt.

  • Giovanni

    Vielleicht ist ja auch relevant, dass es sich bei cringle um eine deutsche Firma handelt. Ich habe schon einige Zeit nach einer Alternative zum amerikanischen PayPal gesucht und jetzt gefunden 🙂

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