Moritz Keck – Was wurde aus dem Gewinner des eResult Usability-Contest 2009?

Wir freuen uns Ihnen heute Moritz Keck vorstellen zu dürfen. Moritz gewann im Jahr 2009 den eResult Usability-Contest mit seiner Abschlussarbeit zum Thema:

„Die Generation Plus und das iPhone – Nutzungsverhalten und neue Möglichkeiten.“

Die Arbeit entstand im Diplomstudiengang Media System Design an der Hochschule Darmstadt.

Profilbild Moritz Keck

Moritz Keck (flinc GmbH)

Nach dem Studium wirkte Moritz als Gründer, UX Designer und UX Berater & Forscher mit großen Erfolgen und entwickelte dabei seine Kompetenzen stetig weiter. Seit Mitte 2012 ist Moritz im Business Development bei der flinc GmbH beratend für Unternehmen & Regionen tätig, die die Mobilität ihrer Mitarbeiter, Bürger und Kunden verbessern wollen.




Auch wenn sein Fokus heute auf Vertrieb und Kundenbetreuung liegt – User Experience Design und die Nähe zu Produkt und Nutzer liegt Moritz nach wie vor sehr am Herzen. Nicht nur als gern gesehener Gast und Unterstützer des erfolgreichen Eventkonzeptes „Usability-Testessen“.

Prämierung-eResult-Contest-2009

Preisgeldverleihung Frankfurt am Main

In unserem Interview wollten wir mehr von Moritz erfahren; mehr zu seinem beruflichen Werdegang und welche Bedeutung dabei der Gewinn des eResult Usability-Contest im Jahr 2009 hatte.








Ein spannendes Thema, dem Du Dich schon in 2008/2009 angenommen hast: „Die Generation Plus und das iPhone“
Wie bist Du auf das Thema gekommen, was hat Dich motiviert?

Ich war auf Themensuche für meine Diplomarbeit und zu Besuch bei meiner Oma. Dabei fiel mir auf, dass sie seit einiger Zeit ein Nokia-Handy besaß, das sie nie benutzte. Es verstaubte im ausgeschalteten Zustand auf der Fensterbank. Und selbst auf Ausflügen war es nie in ihrer Handtasche.
Auf meine Frage, warum sie ihr Handy nicht benutzt, sagte sie: „Weil mir die Bedienung zu kompliziert ist.“ Nachdem ich festgestellt hatte, dass neben meiner Oma auch andere Personen – trotz spezieller Senioren-Handys sowie hohem Bedürfnis nach Kommunikation und Mobilität – ihr Handy nie benutzten, ging ich dieser Problematik in meiner Diplomarbeit auf den Grund.

Eine tolle Arbeit, die Du dann geschrieben und bei uns eingereicht hast.
Wie bist Du damals auf den eResult Usability-Contest aufmerksam geworden?

Ein Kommilitone, der wiederum von einer Professorin an unserer Hochschule davon mitbekommen hatte, hatte mich darauf aufmerksam gemacht.

Und dann dachtest du: „das könnte was für mich sein“?

Zunächst habe ich mir gar nicht allzu viel dabei gedacht oder ausgerechnet – das iPhone, Multi-Touch-Interfaces und Mobile Usability waren damals ja noch lange nicht so gefragt wie heute.
Aber aus dem Bauch heraus habe ich genau deshalb gedacht: meine Forschungsergebnisse muss ich mit anderen teilen. Gerne auch mit Experten aus der Branche. Und ich war sehr gespannt, wie das Thema wohl ankommen würde.

Und die Arbeit kam sehr gut an :). Ich habe gesehen, dass Du den Gewinn des eResult Usability-Contest in Deinem XING Profil erwähnst. Wirst Du darauf angesprochen, konntest Du diese Auszeichnung in Deinem Lebenslauf schon zu Deinem Wohle einsetzen?

Absolut! Bereits unmittelbar nachdem ich (und damit auch die Öffentlichkeit) über meinen Gewinn des eResult Usability-Contest informiert wurde, gingen die ersten Anfragen von Agenturen ein. Zumal ich ja selbst zu diesem Zeitpunkt auf Jobsuche war – der Gewinn machte also den Berufseinstieg viel einfacher.
Auch sehr schön: bis heute erhalte ich immer mal wieder eine Anfrage zur damaligen Arbeit – nicht nur aus der Smartphone-/Mobile-Branche, sondern auch von Anwendern aus der Zielgruppe. Und der Austausch mit Nutzern macht mir bis heute Spaß.

Du hast nach dem Studium eine spannende und abwechslungsreiche Berufserfahrung in den letzten Jahren gewonnen (XING Profil von Moritz). Welche Bedeutung hatte bzw. hat das Thema UX / Usability für Dich?

UX/Usability ist für mich bereits seit meinem Studium ein essentieller Bestandteil. Nicht nur in meinem Beruf, sondern auch privat. Weil UX in so vielen Produkten, Systemen und Objekten steckt, die uns umgeben. Und ja, auch weil bis heute sehr viele Dinge so unglaublich kompliziert sind. Dinge, die nur darauf warten, einfacher und angenehmer nutzbar gemacht zu werden. Nicht nur Smartphones :).

Immer mehr Unternehmen integrieren UX Methoden & Verfahren in Konzeptions- und Entwicklungsprozesse, stellen UX’ler (Inhouse) ein und lassen sie eng in agilen Projekten mit Produktmanagern und Entwicklern zusammenarbeiten. Wie schätzt Du diese Entwicklung ein?

Ich begrüße diese Entwicklung sehr. Denn sie schärft das Bewusstsein innerhalb von Unternehmen für die Wichtigkeit von UX. Idealerweise sind interne UX’ler die Schnittstelle zu Nutzern/Kunden und dem Produktmanagement/der Entwicklung.
In Verbindung mit den richtigen Methoden und einer agilen Arbeitsweise macht das Prozesse schlanker. Und Kunden glücklicher. Hinzu kommt: Inhouse-UX’ler erleichtern den Zugang für professionelle Usability-Agenturen, die wiederum von außen/extern ein Unternehmen betreuen.
Und mit den internen UX’lern einfacher kommunizieren können als mit den Entwicklern.
Wichtig ist, dass interne UX’ler nie den Blick von außen verlieren – was schnell passieren kann, wenn man im Unternehmensalltag/Daily Business steckt. Hier hilft die regelmäßige Zusammenarbeit mit externen UX-Professionals.

Wie ist das bei euch, der flinc GmbH, organisiert, wie beachtet ihr Nutzerwünsche und –meinungen in der Entwicklung?

flinc als Produkt wurde von Anfang an nutzerzentriert entwickelt. Inzwischen ist unser Team stark gewachsen. Neben einem Produktmanager haben wir zwei UX’ler sowie eine agile Produktentwicklung.
Auch unsere Konzepter und Entwickler achten auf Nutzerbedürfnisse und Kundenfeedback. Zudem nehmen wir durch unsere Kundenbetreuer und Business Developer immer wieder Impulse auf, die vom Markt (extern) in unser Unternehmen (intern) getragen werden. Zudem tauschen wir uns kontinuierlich mit UX’lern anderer Unternehmen/Produkte oder auch Agenturen aus.

Lass uns schließen mit einem Tipp für angehende UX’ler und Young Professionals: Was sollten Sie tun, um eine ähnliche attraktive Karriere und Laufbahn wie Du einschlagen zu können?

Den Usability-Contest gewinnen! 😉 Und – noch viel wichtiger: sich in der UX-Welt vernetzen. Veranstaltungen wie das Usability-Testessen besuchen. Usability-Tests beobachten und selbst durchführen. Verschiedene Verfahren ausprobieren, um herauszufinden, was einen selbst begeistert.
Ebenfalls essentiell: immer und überall für das Thema UX sensibilisieren und selbst sensibilisiert bleiben. Nicht nur im Job/mit Kollegen, sondern auch privat. Wenn ich mal einen Tag rausgehe und durch die Frankfurter Innenstadt fahre, fallen mir eine Vielzahl an Problemen und Anwendungsfelder in meiner Umwelt auf. Das geht schon beim Bahnfahren/Ticket-Kauf oder Parken im Parkhaus los. Oder an der Kasse im Geschäft. Oder bei der Tisch-Reservierung im Restaurant – online wie offline gibt es da draußen eine Menge, bei der die UX verbessert werden kann.

Gibt es Bücher, Blogs oder andere Quellen, die auf diesem Weg unbedingt Beachtung finden sollten?

Ich lese gerne auf http://www.uxbooth.com beziehungsweise deren Facebook-Seite (https://www.facebook.com/UXBooth/).
Sehr inspirierend waren und sind für mich die Bücher „Don’t make me think!“ sowie „The Design of Everyday Things“ – seit dem Lesen begegne ich jeder Tür in meinem Alltag mit anderen Augen.
Wer sich zudem neben Produktentwicklung/UX auch noch von Unternehmertum, Startup-Welt und ein wenig Verrücktheit begeistern lassen will, sollte unbedingt die aktuelle Biografie zu Elon Musk „Wie Elon Musk die Welt verändert“ lesen.

Vielen Dank, Moritz, für dieses tolle Interview, die zahlreichen Tipps und Einblicke in Deinen Werdegang und Deine Ansichten zu den Themen UX und Usability.
Es hat mir viel Freude gemacht das Interview mit Dir vorzubereiten und durchzuführen.
Bleib uns weiter treu als Leser und gern auch Autor hier im Blog. Unsere Leser würden sich sicher freuen mehr über Dich und Deine Erfahrungen zu lesen.

Portraitfoto: Thorsten Wilhelm

Thorsten Wilhelm

Gründer & Geschäftsführender Gesellschafter

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 288

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