Oliver Sieler: Interview mit dem Science Award Gewinner 2016

In einem Beitrag haben wir bereits Kebrina Urbaniak, die Gewinnerin des eresult Usabiliy-Contest 2016 in der Kategorie Design Award vorstellt. Heute möchten wir gern Oliver Sieler, Gewinner in der Kategorie Science Award zu Wort kommen lassen.

Oliver Sieler (links, Gewinner des Science Awards) und Ediz Kiratli (eresult GmbH) bei der Preisverleihung des Usability-Contest 2016

Oliver Sieler hat an der Hochschule Zittau/Görlitz Kommunikationspsychologie mit dem Schwerpunkt Multimediapsychologie studiert. Sein Fokus lag dabei auf UX, Usability und e-Learning. Seinen Abschluss machte er im August 2015. Der Titel der Abschlussarbeit lautet „Crowd-Usability-Testing – Ein Methodenvergleich zwischen Labor-Test und asynchronen Remote-Usability-Testing“. Beim World Usability Day 2016 in Hamburg, haben wir Oliver seinen Sieger-Scheck überreicht und sprachen mit Ihm über seine Teilnahme beim eresult Usability-Contest.

Warum hast Du Deine Arbeit beim eresult Usability-Contest eingereicht?

Als Student hat man es schwer seine Ergebnisse publik zu machen, auch wenn Thema und Ergebnisse einen pragmatischen Nutzen haben. Der Usability Contest war dafür eine gute Plattform. Eigenwerbung und Preisgeld waren natürlich auch Gründe für mich, wobei Letzteres eine untergeordnete Rolle für mich spielte. Als Absolvent in diesem Metier ist es auch nicht einfach einen Job nach dem Studium zu finden, der den eigenen Ansprüchen genügt und einen erfüllt. Ich denke, das habe ich auch Dank der Teilnahme geschafft.

Du hast Dich mit Deiner Arbeit von den anderen Teilnehmern abgegrenzt und konntest die Jury mit Deinem fundierten Usability-Wissen überzeugen. Wie bist Du auf das Thema «Effizienz von Usability Verfahren» gekommen?

Ich habe während des Studiums für einen Crowd-Anbieter viele Remote Tests für Usability-Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurde mir weitestgehend freie Hand gelassen und ich versuchte in meinem Kopf die Ergebnisse, mit denen klassischer Usability-Untersuchungen zu vergleichen. Da ich ein Faible für explorative Untersuchungen habe, lag für mich das Thema meiner Abschlussarbeit auf der Hand. Das Untersuchungsdesign hatte ich bereits 3 Jahre vor Studienabschluss fertiggestellt, ich war wirklich neugierig.

Würdest Du das Thema erneut wählen? Gibt es Bereiche, die Du heute anderes siehst?

Das Thema wäre definitiv dasselbe. Vielleicht würde ich bei einem erneuten Versuch noch mehr Probanden akquirieren.

Was machst Du heute? Gibt es neue Projekte oder Pläne im Bereich Usability?

Ich arbeite bei der T-Systems Multimedia Solutions in Dresden. Momentan liegt mein Schwerpunkt im Functional Testing, dort gibt es viel Neues für mich zu entdecken. Wir probieren viel aus versuchen gerade mit einem kleinen Team eine neue Crowd Plattform aus dem Boden zu stampfen – ich bin also voll in meinem Element.

Wie siehst Du die Entwicklung der Usability Forschung? Kannst Du Trends benennen?

Mir fällt es schwer sogenannten Trends zu folgen. Usability ist für mich sehr konstant und ein solides Werkzeug. Lediglich die Art und Weise, wie ich diese in Unternehmen umsetze, sollte sich anhand des Geschäftsmodells und der sich ändernden Prozesse anpassen. Ich sehe, dass viele Firmen Neologismen kreieren und mit Anglizismen um sich schmeißen um ihre Produkte besser zu verkaufen. Aber ein Hammer bleibt ein Hammer, ich kann daran nicht viel optimieren. Was sich ändert sind immer wieder neue Materialien, innovative Produkte und deren Anwendungsgebiete. Wichtig ist, dass ich viele Werkzeuge habe und diese beherrsche um auch Kundenwünsche umzusetzen.

Kannst Du folgenden Satz vervollständigen: Usability bedeutet für mich,…

Glückseligkeit.
Jemand, den ich sehr schätze, hat mal gesagt: „Mache etwas zu deinem Job, was dir Spaß macht und du musst nie wieder arbeiten.“

Ich denke, da bin ich sehr dicht dran.

Gibt es einen Tipp für angehende Uxler und Young Professionals, den Du zu Beginn Deiner Karriere gern bekommen hättest?

Füllt euren Werkzeugkasten, sammelt Erfahrungen in unterschiedlichen Unternehmen und probiert euch aus. Versucht eure Ideen bei Vorgesetzten durchzusetzen und wagt etwas.

Hast Du abschließend noch einen Link-, Buch- oder Blogtipp für unsere Leser?

Mir fällt niemand aus dem Berufsleben ein, der sich mit Primärliteratur beschäftigt. Molich und Nielsen sind zeitlose Klassiker. Ferner gibt es im Journal Of Usability Studies unzählige Studienarbeiten, die leider viel zu wenig Beachtung finden. Die Informationen dort sind für unseren Stand unschätzbar.

Einsteigern empfehle ich „Methoden der Usability Evaluation“ von Sarodnick & Brau.

Auch Medien wie Website Boosting oder usabilityblog.de sind sehr gute Quellen. Letztgenanntes hat mir oft im Studium geholfen, um den Überblick zu behalten.

Oliver, wir danken Dir für Deine Antworten und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg.

Portraitfoto: Tatjana Balcke

Tatjana Balcke

PR- und Marketingassistenz

eresult GmbH

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