Please get smart now! SmartLive als Initiative für mehr Verständnis im Smart Home-Markt

einstiegsbild_smartliveWarum der Smart Home-Markt hinter den Erwartungen zurückbleibt, wurde in verschiedenen Studien (s. u.) schon hinreichend analysiert. Was man dagegen tun kann, ist jedoch mindestens genauso wichtig und wird unter anderem im Projekt SmartLive thematisiert. Am 2. November 2016 fand dazu ein Fachseminar statt, das nicht nur verschiedene Perspektiven beleuchtete, sondern Smart Home-Lösungen auch im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ machte. Nachfolgend eine kurze Zusammenfassung zum Status quo im Smart Home-Markt und Ausblicke in die Zukunft.

Den Veranstaltungstitel „Get smart – Die Zukunft im Smart Home Markt“ könnte man auch so verstehen, dass es jetzt endlich an der Zeit ist, dass die Nutzer nun bitte mal „smart“ werden und ihr Zuhause mit entsprechender Technik ausstatten. Jahrelange Entwicklungsarbeit, jede Menge investierte Zeit und ausgegebenes Geld müssen sich doch nun einmal lohnen. Warum ziert Ihr Euch so?

Welche Bedenken und Vorurteile es gibt, ist inzwischen recht gut erforscht: Hohe Anschaffungskosten, Bedenken zum Datenschutz oder Zweifel am Mehrwert sind nur einige der Gründe, sich heute doch noch nicht für eine Smart Home-Lösung zu entscheiden. Ganz zu schweigen von der schier grenzenlosen Auswahl von Anbietern und Geräten, die auch trotz erster Produktberater und –vergleiche (siehe unten) unübersichtlich bleibt. Ein großer Pluspunkt des Seminars war in diesem Zusammenhang die Begehung der „Living Labs“, die das Erleben und Anfassen von Smart Home-Komponenten ermöglichte.

Verschiedene Ansätze – ein Ziel?

Sehr erfrischend fand ich den Vortrag von Herrn Wacholder der Städtischen Werke aus Kassel, einer Stadt mit vergleichsweise hohem Altersdurchschnitt. In der Kommunikation zu den Smart Home-Angeboten der Städtischen Werke wird konsequent auf Einfachheit, für den Anfang bewusst auf eine kleine Auswahl und natürlich Service gesetzt – fokussiert auf Mieter, die aufgrund von Entscheidungsunsicherheit vielleicht gern die Angebote der lange bekannten (und vertrauten) Stadtwerke nutzen. Warum sich eine solche Einrichtung in diesen schwierigen Markt vorwagt? Auch hier muss an Kundenbindung, aber vor allem Imagepflege und zusätzliche Einnahmequellen gedacht werden.

Nach nicht weniger interessanten Vorträgen von Anbietern wie Devolo oder Casenio, ging es nach dem Mittag mit der Nutzersicht weiter. Mein Kollege Richard Bretschneider stellte Ergebnisse aus verschiedenen eresult-Studien vor. Er zeigt auf, welche Bedenken bei noch unbedarften Nutzern vorherrschen und warum auch potenzielle Multiplikatoren heute noch nicht immer die besten Ansprechpartner sind. Zu guter Letzt hat er sich angeschaut, wie denn der – oftmals allein auf sich gestellte Nutzer – dann bei seiner Recherche im Web abgeholt wird und welche Good Practices es hierfür gibt. Sein Vortrag steht auch in der eresult Download-Area bereit.

Smart Home-Lösungen im Dauertest

Was die Nutzer während des Einsatzes von Smart Home-Lösungen erleben, was sie stört und welche teils überraschenden Erkenntnisse es hier in einer Studie der Uni Siegen gab, stellte Corinna Ogonowski anschließend zusammen mit Nutzer „Martin“ (einem Teilnehmer aus der Testgruppe) vor. Die Uni stattete mehr als ein Dutzend Testhaushalte mit Smart Home-Komponenten aus und begleitete sie über ein Jahr lang mit regelmäßigen Besuchen, Interviews und Live-Tests. In der Tat hat selbst ein in der IT tätiger Proband nicht alle Funktionen und Einstellungen sofort so konfiguriert bekommen, wie er es wollte. „Man braucht schon seine Zeit, bis es läuft, aber dann läuft’s“, berichtete er. Erst nach mehreren Monaten waren alle Szenarien so eingestellt, wie er es wollte. Aber der Spieltrieb war geweckt: Es wurden weitere Komponenten geordert und sogar zusätzliche Systeme/Standards versucht zu integrieren – teils unter Zuhilfenahme von Online-Foren (z. B. FHEM) und Tutorials, die ähnliche „Bastler“ bereitstellten.

Die gute Nachricht ist, dass es interessante Ansätze gibt, den identifizierten Hürden zu begegnen. Die Vorträge im Ausblick beschäftigten sich beispielsweise mit einem Bestellsystem für Smart Home-Komponenten, in dem die Einsatzbereiche direkt mit angegeben werden können, so dass der Nutzer ein fertig konfiguriertes System nach Hause geliefert bekommt. Oder mit der Nutzung von Algorithmen, die aus gesammelten Daten Nutzungsszenarien und Routinen berechnen, denen der Nutzer dann nur noch zustimmen muss. So müsste er seinem System dann nicht mehr sagen, wann er aufsteht und wie lange vorher die Heizung laufen muss, damit es warm ist. Sein smartes Home würde es ihm bereits vorschlagen. Womit bisher vor allem Google Nest wirbt, könnte dann also für fast alle Systeme gelten, die solche Daten aufzeichnen können.

Neben solchen Veranstaltungen ist die Initiative SmartLive mit seinen Partnern auch insofern eine gute Sache, als dass sie Räumlichkeiten und Testmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Neben dem Living Lab in Siegen wird es in Kürze ein weiteres in Oldenburg geben, was externen Firmen und Interessierten zur Verfügung gestellt werden kann. Selbstverständlich ist Know-how und Methodenberatung im Netzwerk vorhanden, so dass Nutzerfeedback auf professionellen Füßen steht!

Projektübersicht SmartLive

Inhalte & Ziele im Projekt „SmartLive“



Einige Linktipps rund um Smart Home

Produktberatung:

  • Smart Home-Angebote bei Chip im Überblick
  • Die besten Smart Home-Lösungen für Einsteiger von der Computerwoche
  • Beschreibung von Tink als Beratungsplattform sowie Meldung zu Conrad Connect auf t3n
  • Erfahrungsberichte und Produkttests in einer eigenen Rubrik auf cnet.com

Smarthome & UX:

  • Usability und Smart Home: Herausforderungen und Implikationen im itemis Blog
  • Warum “smart” zu sein das falsche Ziel ist, wird auf uxzentrisch.de thematisiert

Studien & Artikel:

Portraitfoto: Elske Ludewig

Elske Ludewig

Principal UX-Consultant & Managing Partner

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 112

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