Reiseportale im Wandel der Zeit

Das Internet ist die große Plattform für das Suchen und Buchen von Reisen. Zwar buchen und informieren sich auch noch sehr viele deutsche Reisende im Reisebüro (im Vergleich zu anderen europäischen Ländern), doch von Jahr zu Jahr verlagert sich diese Prozedur immer weiter ins Internet. Häufig wird das angedachte Reiseziel zunächst online erkundet, verschiedene Angebote werden im Internet ermittelt und miteinander verglichen. Doch welche Angebote findet der Nutzer im Netz vor und wie haben sich die Startseiten der Reiseportale verändert?

Wenig Veränderung, wenig Innovation

Schauen wir uns zwei deutsche Websites im Zeitraffer an. Beginnend bei Bucherreisen. In den letzten acht Jahren hat sich hinsichtlich des Designs nur wenig verändert. Von 2006-2010 hat sich die Farbstruktur der Website geändert: Dort, wo ehemals weiße Flächen waren, sind nun rote. Zudem wurde versucht die Seite mit Hilfe von Kästen zu strukturieren, was sicherlich gelungen ist. Die Kategorieeinstiege sind ebenfalls durch den grauen Hintergrund deutlicher zu erkennen. In den Jahren 2010-2014 gab es keinerlei signifikante Veränderungen an der Website, weder hinsichtlich des Layouts noch des Designs. Aus der Konsumentenpsychologie ist zwar bekannt, dass warme Farben den Nutzer stärker anziehen und länger verweilen lassen, doch wirkt die gesamte Seite 2014 fast schon antiquiert. Das Design lenkt zudem sehr stark von den Inhalten und Funktionalitäten ab.


Abb. 1: Bucher Reisen (von links nach rechts: 2006, 2010, 2014)

Ferner findet vor allem die Recherche nach Urlaub mit vielen verschiedenen Endgeräten statt. Der Nutzer muss daher auf allen Endgeräten und Auflösungen die gleichen Funktionalitäten und Inhalte vorfinden: Stichwort responsive Design. Doch flexible Breiten und skalierbare Bilder sind bei Bucher Reisen nicht zu finden. Im Gegenteil, die Website ist mit dem Tablet und Smartphone fast gar nicht bedienbar.

TUI ist da zumindest schon etwas weiter und bietet dem Nutzer wenigstens eine mobile Website an. Das Suchen nach interessanten Angeboten ist so schon eher möglich. Wie hat sich die Website von TUI sonst im Verlauf der letzten Jahre entwickelt?


Abb. 2: TUI (von links nach rechts: 2006, 2010, 2014)

Veränderungen und kleine Anpassungen prägen das Bild von TUI. Zum einen steht dem Nutzer nun eine sehr auffällige Suchmaske zur Verfügung, die sich dem Nutzer auch sofort erschließt. Diese steht im Vergleich zu 2006 im Zentrum der Aufmerksamkeit und überzeugt mit einem zeitgemäßen Design. Zum anderen bietet TUI seinen Nutzern nun Vorschläge für Destinationen. In diesem Segment ein sehr hilfreiches Angebot, weil Nutzer nicht gleich die Seite zum Buchen von Hotels, sondern zum Stöbern und Inspirieren aufrufen. Bezüglich des Designs gibt es auch im Vergleich der Jahre 2010 und 2014 erhebliche Unterschiede: Die Website wurde 2014 stark verschlankt und wartet zu 2010 mit weniger Hintergrundfarben auf. Der Aufbau der Seite wird dadurch klarer. Auch die Inhalte und unterschiedlichen Einstiege sind wesentlich besser für den Nutzer zu erkennen. Hier von dem Flat Design zu sprechen, erscheint zwar übertrieben, aber das Design der Website bewegt sich zumindest in die richtige Richtung. Verbessert werden sollten aber auf jedoch Fall noch die Kontraste und die Bilderwelten. Insbesondere letztere sind wenig überzeugend und zu klein dargestellt.

Der Blick über den großen Teich lohnt sich

Die Metasuchmaschine für Flüge und Reisen Kayak besticht durch eine sehr reduzierte und schnörkellose Darstellung. Die Startseite ist fokussiert auf die Suchmaske und bietet darunter Bilder von Destinationen, die Lust auf das Reiseziel machen. Der Nutzer sieht sehr schnell, welche Möglichkeiten er hat, weil keine Banner, Angebote oder dergleichen hervorgehoben werden. Diese grafisch nicht überladene Seite, die flachen Buttons und das dezente Setzen von Kontrasten (orangefarbene Farbhinterlegung) stellen die Bedienbarkeit in den Mittelpunkt. Damit zeigt Kayak, dass weniger gleich mehr und Flat Design im Jahr 2014 State-of-the-Art ist.

Abb. 3: kayak.com

Abb. 3: kayak.com


Ein weiteres Beispiel für eine sehr gelungene Website einer Reiseseite ist lonelyplanet.com. Zwar steht hier die Buchung weniger im Mittelpunkt der Seite, dennoch überzeugt diese mit ansprechenden Bilderwelten. Und genau diese Bilderwelten spiegeln die Herausforderung im Reisemarkt der nächsten Jahre wieder. Der Nutzer wird individueller und will keine standardisierten Reisen von der Stange, bei denen er lediglich noch das Land auswählen kann. Vielmehr sind die Kontexte entscheidend. Das bedeutet, der Nutzer sucht nach situationsspezifischen Angeboten (Erlebnis=“Adventure tours“). Genau diese Bedürfnisse werden von Lonely Planet angeboten – mit Hilfe wunderbarer Bilderwelten. Die Website ist zudem responsive, das das Informieren und Stöbern mit dem Tablet und Smartphone zu einem Erlebnis werden lässt.

Abb. 4: lonelyplanet.com

Abb. 4: lonelyplanet.com


Welche Erfahrungen haben Sie gemacht mit dem Informieren und Buchen von Reisen im Internet. Welche Websites haben Sie überzeugt? Welche haben Sie weniger überzeugt?

Zum Projekt „Design im Wandel“:
eResult verfolgt bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen, unter anderem auch von 30 verschiedene Reiseportale für Deutschland und die USA. Die dokumentierten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und Erkenntnisse hier im Usabilityblog vorgestellt – oder gemeinsam mit den Lesern erarbeitet.

Portraitfoto: Thomas Pribbenow

Thomas Pribbenow

User Experience Consultant

Alumni-eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 11

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