Reiseziele suchen: Was bringt Googles neue Funktion Nutzern und Destinationen?

Seit einiger Zeit bietet Google auf Smartphones und Tablets eine neue Ansicht. Bei der Suche nach Regionen oder Orten in Verbindung mit dem Begriff „Reiseziele“ werden relevante Daten wie z. B. mögliche Aktivitäten, Angebote vor Ort, Klima und Preise von Hotels und Flügen zusammengeführt und für jedes Reiseziel dargestellt. Wie das genau aussieht zeigt dieses Video von Google:

Wie überzeugend ist die Reisezielsuche umgesetzt?

Screenshot Google-Recherche Reiseziele Deutschland

Abb.: Google-Recherche nach einem Reiseziel in Deutschland

Der Eindruck beim Austesten ist erst einmal positiv.
Sowohl für Kontinente, als auch für Länder und Bundesländer bietet Google eine gute Auswahl typischer Reiseziele. Auch die von Panoramio geladenen Bilder sind meistens ansprechend und machen Lust auf Reisen (von einigen Winterbildern, die zu dieser Jahreszeit weniger einladend wirken mal abgesehen).

Die Bedienbarkeit der Reisezielansicht ist gut an die mobile Nutzung angepasst:
Touch-Flächen sind groß und die zum Text gehörenden Bilder sind ebenfalls klickbar, so dass es leicht fällt, Elemente gezielt auszuwählen.
Pfeile dienen als Hinweis auf weitere Informationen, die aufgerufen werden können.
Listen z. B. die der Top-Sehenswürdigkeiten oder weiterer interessanter Orte lassen sich horizontal scrollen, so dass der Gesamtüberblick über die Seite beim Auschauen nicht verloren geht.

Nützlich bei der Auswahl eines Reiseziels ist vor allem Darstellung von Daten wie

  • Preisentwicklung je Reiseziel über die nächsten Monate
  • Günstigster Reisezeitraum nach Beliebtheit, Temperaturen und Regenwahrscheinlichkeit
  • Interessen, denen man am Reiseziel nachgehen kann. Die entsprechende Filtermöglichkeit passt sich dabei an die bei der Suche eingegebene Region an

Diese Informationen bekommt man sonst kaum so gut gebündelt und vergleichbar für verschiedenste Reiseziele dargestellt.

Welche Schwachpunkte und Einschränkungen hat die Reisezielsuche?

Vor allem der Funktions- und Informationsumfang ist derzeit noch eingeschränkt.
So ist die Reisezielsuche ausgelegt auf die Anreise per Flugzeug und die Übernachtung im Hotel. Nur bei sehr kurzen Entfernungen wird das Auto für die Anreise vorgeschlagen, weitere Alternativen fehlen ganz.
Die Personenzahl, für die geplant werden kann, ist beschränkt auf ein bis zwei Personen, so dass Familien oder kleine Gruppen durch das Raster fallen.
Auch hinsichtlich der Suchmöglichkeiten gibt es Einschränkungen. So funktioniert die Suche nur für politisch definierte Regionen. Sucht man z. B. nach „Südfrankreich“, „Ostsee“ oder „Allgäu“ erhält man keine Reisezielansicht. Zudem sind zunächst die meisten Treffer Städte oder größere Orte. Sucht man z. B. auf Kontinentebene, werden ländliche Urlaubsregionen erst berücksichtigt, wenn man entsprechend filtert. Dabei ist die Auswahl der neun jeweils angebotenen Filter nicht immer nachvollziehbar. (Kurioses Beispiel: eine von neun Interessen, nach denen für Deutschland gefiltert werden kann sind „Tiger“ – ob danach so häufig gesucht wird?)
Hat man ein potentielles Reiseziel gefunden, ist der Gehalt an Hintergrundinformationen zu einzelnen Reisezielen begrenzt auf die Informationen, die bei Wikipedia verfügbar sind. Außerdem wird pro Ziel nur ein größeres Bild angezeigt.

Alles in allem reichen die Funktionen und Informationen aber bereits jetzt aus, um sich für einen spontanen Kurzurlaub zu entscheiden und diesen evtl.  direkt über die Weiterleitung zur Flug- und Hotelsuche zu buchen.
In jedem Fall kann eine Vorauswahl des Reiseziels nun bereits bei Google stattfinden. Und das führt direkt zur nächsten Frage:

Sind Destinationswebsites in Zukunft überflüssig?

Meiner Meinung nach kann die Ansicht Destinationswebsites nicht ersetzen.
Sicher haben Google-Anwendungen das Potential, Gewohnheiten grundlegend zu ändern. Aber so gut der Suchalgorithmus auch funktioniert, die Reisezielsuche bleibt eine automatisierte Zusammenstellung von Inhalten anderer Anbieter. Beschreibungen, inspirierende Texte und Bilder sowie eine eigens an die Besonderheiten des Ziels angepasste Ansprache der Nutzer sind nur begrenzt machbar.

Zumindest bei allem, was über einen spontanen Wochenend-Kurztrip hinausgeht, werden sich viele deshalb noch tiefergehend auf Destinationswebsites informieren. Schließlich steigert die Recherche auch die Vorfreude auf die Reise.

Sicher aber werden sich die Nutzung und damit die Anforderungen an Destinationswebsites und deren Betreiber ändern.
Sie werden in vielen Fällen nicht mehr erster Anlaufpunkt für Information sein, zumindest nicht für die Nutzer mobiler Geräte. Der erste Eindruck entsteht bei Google, ebenso die Vermittlung wesentlicher Fakten. Wer die Destinationswebsites besucht, hat häufig bereits eine (Vor)Auswahl für sein Reiseziel getroffen.

Deshalb gilt es nun für Betreiber von Destinationswebsites diejenigen Nutzer abzuholen, die noch überzeut werden müssen, die sich genauer über ihr Reiseziel informieren wollen und die ihre Vorfreude auf die Reise steigern wollen. Stimmungsvolle Bilder dürften dabei eine Rolle spielen, aber auch gut aufbereiteten Detailinformationen über die jeweilige Region.

Und noch etwas sollten die Betreiber nutzen: Sie haben die Chance, bereits bei Google für einen guten Eindruck ihres Reiseziels zu sorgen. Denn der Content von Wikipedia und Panoramio, auf den Google zurückgreift, kann jederzeit bearbeitet und ergänzt werden. Insbesondere bei kleineren Urlaubsorten ist da oft noch Luft nach oben.
Wie sich die Suche nach Reisezielen weiterentwickelt, bleibt sicher spannend zu beobachten.

Portraitfoto: Johanna Möller

Johanna Möller

User Experience Consultant

eresult GmbH

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