Second Screen Studie: Das Fernsehen im Wandel

Was machen Sie parallel zum abendlichen Fernsehprogramm? Auch schon mal zum Smartphone oder Tablet gegriffen, um zusätzliche Informationen bezugnehmend zur laufenden TV-Sendung aufzurufen?




Um ehrlich zu sein, hat mein Smartphone bzw. Tablet schon einen festen Platz auf der Couch und kommt sehr häufig zum Einsatz. Für mich ein guter Grund dieses Verhalten, also das Thema „Second Screen“, genauer zu untersuchen. Die Ergebnisse aus einer sehr regen Diskussion in unserem Zielgruppenblog möchte ich nun vorstellen.

Heute starte ich hier im Usabilityblog eine kleine Beitragsserie, wo ich in regelmäßigen Abständen über das Thema Second Screen, die Nutzungsszenarien und die daraus resultierenden Veränderungen des Fernsehens sprechen bzw. gern auch diskutieren möchte. Im Rahmen einer Grundlagenstudie zu diesem Thema habe ich 20 regelmäßige Second Screen Nutzer in unserem „Digital Living“ Zielgruppenblog eingeladen und diskutiere Verhaltensweisen, Wünsche und Bedürfnisse rund um das spannende Thema „Second Screen“.

Was bedeutet eigentlich „Second Screen“?

Hierunter wird das gleichzeitige/parallele Nutzen von TV-Gerät und einem anderen Endgerät (z. B. Smartphone, Tablet, Notebook etc.) verstanden. Wichtig hierbei ist jedoch, dass die Nutzung des mobilen Endgerätes bezugnehmend zum laufenden Fernsehprogramm geschieht. Ein Beispiel: In einer TV-Sendung wird auf die Facebook-Seite des Programms verwiesen. Wenn ich mir nun diese Facebook-Seite parallel zur TV-Sendung anschaue, dann wird von Second Screen Nutzung gesprochen.
Beantworte ich beispielsweise meine E-Mails während des laufenden TV-Programms, so ist das keine Second Screen Nutzung im eigentlichen Sinne (weil kein Bezug zur Sendung). Dies wird als parallele Nutzung beschrieben.

Wie verbreitet ist die Second Screen Nutzung?

Hier gibt es mehrere Studien mit sehr unterschiedlichen Angaben. Die Zahlen schwanken zwischen 10-35 % der deutschen Internetnutzer. Da in einigen Studien auch die parallele Nutzung als Second Screen interpretiert wird, ist der tatsächliche Anteil sicherlich eher zwischen 10-20 % der deutschen Internetnutzerschaft anzusiedeln. Die stärkste Nutzergruppe ist zwischen 14- und 29 Jahren alt.
Der Anteil an Second Screen Nutzern wird in den nächsten Jahren sicherlich stark ansteigen und damit auch das Fernsehen und die Inhalte des Fernsehens verändern. Schon heute wird immer häufiger innerhalb der Sendungen ein direkter Verweis zu Facebook, Twitter, Hangouts und Chats bereitgestellt. Viele Beispiele oder Aufforderungen zur Second Screen Nutzung lassen sich im Rahmen von TV-Übertragungen der aktuell laufenden Fußballweltmeisterschaft finden.

Zum Beispiel bietet die ARD eine „Sportschau FIFA WM App“ an. Hierüber können zusätzliche Informationen zu den Spielen und den Spielern abgerufen werden. Nun, dies ist in der Tat nichts Neues und wird von anderen TV-Sendern in ähnlicher Form bereitgestellt. Neu ist, dass sich der Nutzer der App verschiedene Spielszenen (Highlights) aus bis zu 20 frei wählbaren Kamerapositionen anschauen kann. Auch stehen umfangreiche Statistiken zum laufenden Spiel zur Verfügung (z. B. Vergleiche von Spielerdaten etc.).

Solch mobile Services werden zukünftig noch viel stärker angeboten werden und das gewohnte Fernsehen, meiner Meinung nach, auch stark verändern. Jedoch denke ich, dass das Fernsehen auch in der Zukunft immer noch Freizeitbeschäftigung Nr. 1 bleiben wird.

Um diese Veränderung zu untersuchen, haben wir 20 regelmäßige Second Screen Nutzer in unserem „Digital Living“ Zielgruppenblog zur Diskussion eingeladen. In diesen Blog werden in regelmäßigen Abständen Themen zur Second Screen Nutzung zur Diskussion gestellt. Ziel ist es, aktuelle Nutzungsszenarien kennenzulernen, Mehrwerte der Second Screen Nutzung zu erforschen sowie Wünsche und Anregungen für die Zukunft abzuleiten.

Digital Living Blog



Mein erstes Thema hatte den Titel „Fußball-WM im TV: Welche Informationen werden während eines Spiels abgerufen?“. Ziel ist es, folgende Fragestellungen zu beantworten:
– Wird das Smartphone/Tablet parallel zu einem WM-Fußballspiel genutzt?
– Was wird konkret während eines WM-Fußballspiels mit dem Smartphone/Tablet genutzt?
– Welche Apps oder Webseiten werden parallel zu einer Fußballübertragung aufgerufen?

Folgende Erkenntnisse lassen sich ableiten:

Grundsätzlich ist das Smartphone bzw. Tablet bei dieser Nutzergruppe immer während des Fernsehens griffbereit. Die Möglichkeit, einfach und schnell auf weitergehende Informationen zur laufenden Fernsehsendung (z. B. Fußballspiel) zurückzugreifen oder sich diesbezüglich mit anderen Menschen auszutauschen, wird als zentraler Antrieb für die Second Screen Nutzung beschrieben.

  • Messenger/Chat: Spontaner Austausch mit Freunden
    Ein sehr reger Austausch findet über Messenger und Chats (WhatsApp) während Fußballübertragungen statt. Es wird über Spielszenen, Spieler und Teams diskutiert.
    Zitat: „Natürlich habe ich mit Freunden via Smartphone gechattet, mit denen ich das Spiel nicht gemeinsam auf dem Sofa anschauen konnte. Wir haben uns über Spielsituationen wie Tore und Fouls unterhalten (z. B. die drei Tore von Thomas Müller oder die Rote Karte).“
  • Kommunikation über Facebook: Posten von Kommentaren und Fotos
    Auch die Kommunikation über Facebook während des Spiels wird gern parallel zur Übertragung aktiv geführt. Beiträge (Status), Aufenthaltsorte und Fotos (z. B. Selfies) werden gepostet. Auch werden andere Beiträge und Kommentare zum Spiel gelesen und kommentiert.
    Zitat: „Dann gucke ich natürlich auch mal bei Facebook was gerade gepostet wird oder schreibe einfach so mit Freunden. Ich poste auch gern selbst ein Foto vom Public Viewing.“
    Zitat: „Ich nutze mein Smartphone, um die Kommentare über Facebook oder Sport1 zu lesen, um zu schauen, was da gerade aktuell zum Spiel geschrieben wird.“
  • Schnelle Recherche nach Informationen rund um das Spiel
    Auch das Recherchieren nach Informationen rund um das laufende Spiel wird mittels Smartphone oder Tablet häufig vollzogen. Während der Fußball-Übertragung werden zusätzlichen Informationen zu den Teams und speziell zu den Spielern mobil abgerufen. Ausgangspunkt der Recherche ist meist Google und teilweise auch Sportinformationsportale wie kicker.de, sport1.de oder eurosport.de. Auch Wikipedia wird hierzu gern aufgerufen.
    Zitat: „Sport1 bevorzuge ich, aber oft google ich auch einfach nur Hintergrundinfos. Manchmal sagt der Kommentator irgendetwas Interessantes und da kann man mal schnell das Handy zur Hand nehmen und sich noch mehr Infos holen.“
    Zitat: „Da die Reporter während der Spiele doch einige Fragen offen lassen, bediene auch ich mich dem (mobilen) Internet als Informationsquelle. Dabei wichtig für mich sind die Seiten wikipedia.de, kicker.de und bild.de.“
  • Live-Ergebnisse schnell und einfach abrufen
    Live-Ergebnisse und Spielstände werden ebenfalls häufig über das mobile Endgerät parallel abgerufen. Jetzt bei der WM ist das Tippfieber wieder „ausgebrochen“ und es wird häufig via Smartphone auf aktuelle Tippstände zugegriffen.
    Zitat: „Ich habe während des Spiels mehrfach eine Tippspielseite im Internet aufgerufen, um meine Platzierung zu überprüfen.“
  • Shopping in den Pausen
    Interessant: In Pausen (Werbung, Halbzeitpause, langweiliger TV-Inhalt etc.) wird gern das Smartphone bzw. Tablet genutzt, um ein wenig in Online-Shops zu stöbern.
    Zitat: „Bei langweiligen Spielen stöbere ich gern auf Amazon oder eBay. In der Halbzeitpause vom letzten Deutschland-Spiel war ich mit der Amazon-App shoppen bzw. habe nach Artikeln gesucht.“

Fazit: Insbesondere der Austausch mit Freunden über soziale Medien wie WhatsApp und Plattformen wie Facebook wird während einer Fußballübertragung intensiv geführt. Neben dem Austausch steht das Sammeln von Zusatzinformationen im Fokus. Über Suchmaschinen oder spezielle Online-Portale werden diese Informationen eingeholt.

Im nächsten Teil der Studie geht es um die Frage, welche Apps und aus welchem Anlass diese parallel zum Fernsehen bzw. Fernsehprogramm genutzt werden.

Portraitfoto: Jan Patrick Schultze

Jan Patrick Schultze

Senior UX-Consultant & Leiter IT

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 24

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