Shopping auf Facebook erleben: Produktpräsentation zwischen Netzwerk und Online-Shop

Die Verknüpfung mit Facebook ist für viele Online-Shops noch eine Herausforderung. An der Vielzahl von verschiedenen Konzepten ist zu erkennen, dass es die ideale Umsetzung noch nicht gibt. Es wird immer noch viel ausprobiert, neue Shops werden eingebunden, andere verschwinden wieder. Vor einiger Zeit hatten wir über den Facebook-Shop von fahrrad.de berichtet. Heute möchten wir aktuelle Beispiele zeigen, wobei der Fokus auf der Produktpräsentation liegt.

Wie binden Online-Shops ihre Produkte in die Facebook-Fanpage ein? Wie sind die verschiedenen Ideen aus Nutzersicht zu bewerten?
Unser erstes Beispiel ist der Facebook-Shop von Baur.

In diesem Fall handelt es sich um eine sehr aufwändige Produktpräsentation. Es gibt große Titelbilder und eine eigens gestaltete Navigation. Man könnte fast vergessen, dass man sich auf Facebook befindet, lediglich der Header erinnert daran:

Baur Übersichtsseite

Ausschnitt Mehrbildansicht im Facebook-Shop von Baur

Die Navigation gelingt problemlos und auch die Detailseite ist gut aufgebaut. Einzig bei den Verlinkungen bzw. Benennungen „Startseite“ und „BAUR-Shop“ könnten Irritationen auftreten: Tippen Sie doch mal, wo Sie hinkommen, wenn a) auf das Logo, b) auf den Reiter „BAUR-Shop“ unter dem Facebook-Suchfeld und c) auf den Startseitenlink im Breadcrumb klicken. Man könnte sogar noch den Startseitenlink von Facebook (im Bild oben rechts) ins Spiel bringen. Der Zugang zum Shop von der Fanpage aus heißt übrigens „Online Shop“. Ganz schön viele Bezeichnungen, die der Nutzer richtig deuten muss. Jedoch ist es richtig, dass es einen Zugang zurück zur Startseite des Facebook-Shops gibt, wo der Nutzer seine Suche neu beginnen kann.

Auch sonst ist der Shop ansprechend gestaltet und macht es dem Nutzer leicht: Dadurch, dass viele Elemente aus dem eigentlichen Shop übernommen wurden, muss der Nutzer die Bedienung nicht neu lernen. Sogar einen Warenkorb kann man hier auf Facebook füllen. Sobald man jedoch die Bestellung fortsetzen möchte, wird in den eigentlichen Baur-Shop verlinkt. Bei meiner ersten Nutzung des Baur Facebook-Shops kam diese Verlinkung überraschend, weil es weder eine Ankündigung gab noch ein neues Tab aufging, so dass man bei Bedarf schnell zurück kam. Inzwischen erscheint zumindest kurz ein Layer mit dem Hinweis, dass man zu Baur.de weitergeleitet wird.

Auch bei Otto gibt es aus dem Facebook-Warenkorb heraus eine Verknüpfung zum Shop Otto.de. Der Otto Trendshop auf Facebook ist jedoch etwas anders aufgebaut als der von Baur. Hier werden die Artikel über eine Art Karussell dargestellt, die Detailseite erscheint in einem Layer.

Otto Übersichtsseite

Ausschnitt aus dem Otto Facebook-Shop: Alternative Produktpräsentation und stark fokussiertes Sortiment

Gut gelöst ist auch die Verbindung zu otto.de: Schon im Facebook-Warenkorb ist der Button so beschriftet, dass eindeutig erkennbar ist, dass eine Verlinkung in den eigentlichen Otto-Shop folgt. Zudem öffnet sich die neue Seite in einem neuen Tab.

Otto Warenkorb

Warenkorb im Facebook-Shop von Otto: Eindeutige Button-Benennung

Was es in den beiden genannten Shops noch nicht gibt, ist eine Suchfunktion. Die Shops von Otto und Baur möchten durch eine attraktive Produktpräsentation eher inspirieren und zum Stöbern einladen. Ein anderes Konzept findet man bei Thalia. Hier soll der Nutzer vor allem Finden, die einzelnen Artikel sind eher sachlich (und an das Facebook-Layout angelehnt) präsentiert. Dafür handelt es sich hierbei auch um einen sehr übersichtlichen und leicht zu bedienenden Shop.

Thalia Suche

Ausschnitt einer Suchergebnisseite im Facebook-Shop von Thalia

Auch die Detailansicht ist sehr aufgeräumt und funktional. Von dort aus geht es jedoch direkt zu thalia.de. Auch hier ist auf eine verständliche Button-Bezeichnung geachtet worden. Interessant: Das Thalia-Logo verlinkt hier nicht wie bei Baur auf die Startseite des Facebook-Shops, sondern zur thalia.de-Homepage.

Tausendundeine Möglichkeit?

Je länger man sich mit dem Thema Shopping auf Facebook beschäftigt, desto mehr Variationen der Konzepte tun sich auf. Nicht jeder Shop verfolgt mit dem Facebook-Auftritt dasselbe Ziel. Wichtig ist jedoch die konsequente Umsetzung des Konzeptes, was gründliche Vorüberlegungen erfordert. Dazu gehört auch eine Einschätzung der Zielgruppe und ihrer Intentionen, die sie beim Besuch der Fanpage verfolgt. Es kann genauso gut sein, den Facebook-Shop nur aus einem Suchfeld bestehen zu lassen, wie attraktive Mehrbildansichten mit umfangreichen Filtermöglichkeiten bereitzustellen.

Der User muss jedoch vor allem einen Nutzen erkennen und sich trotz der noch unüblichen Shopping-Umgebung auf Facebook leicht orientieren können. Denn noch ist Shopping auf Facebook ja eher spontaner Neugier zuzuschreiben. So wird ein Nutzer mit dem festen Vorhaben ein Buch zu kaufen wohl eher direkt zu Thalia oder anderen Shop gehen, als Facebook aufzurufen. Umso wichtiger ist es, dass die Shops auf Facebook gut bedienbar sind, wenn es hier bestimmte Umsatzziele gibt. Sonst besteht die Gefahr, dass der Shop beim ersten Misserfolg wieder verlassen wird.
Die Entwicklung des Vertriebskanals Facebook für Online-Shops bleibt spannend. Aktuell steigt die Zahl der Facebook-Shops, sie sind aber wie gesagt noch sehr unterschiedlich. Vielleicht kristallisiert sich in Zukunft ein erfolgreiches Konzept heraus, vielleicht nutzen Shops die Plattform aber auch gerade dafür, ihre Unterschiedlichkeit zu betonen.

Portraitfoto: Elske Ludewig

Elske Ludewig

Principal UX-Consultant & Managing Partner

eresult GmbH

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