Usability im Fahrzeug? Unbedingt notwendig!

Links das Cockpit des Golf 3, rechts  das Cockpit des Golf 8: Man stelle sich eine Person vor, die einen solchen Generationswechsel ohne Zwischenschritte vollzieht

Links das Cockpit des Golf 3, rechts das Cockpit des Golf 8: Man stelle sich eine Person vor, die einen solchen Generationswechsel ohne Zwischenschritte vollzieht

Autofahren ist keine leichte Aufgabe: Das eigene Fahrzeug muss sowohl in der Spur als auch auf der gleichen Geschwindigkeit gehalten werden. Gleichzeitig muss der mitfahrende Verkehr und der Gegenverkehr im Auge behalten werden. In der Stadt kommen noch unzählige Fußgänger, Radfahrer, Kinder, Hunde etc. hinzu, die ebenfalls im Auge behalten werden müssen. Gefahren und Risiken sollten erkannt werden, bevor sie eintreten – damit dies verhindert wird. Fahrassistenzsysteme sollen uns dabei unterstützen, noch sicherer zu fahren. Die Einführung diverser Fahrassistenzsysteme geschieht zwar schrittweise und meist gibt es Erweiterungen dann für spezifische Streckenabschnitte (z. B. zuerst auf Autobahnen oder bis maximal 30 km/h), dennoch häufen sich mittlerweile die Anzahl und der Umfang dieser Systeme. Fahrer müssen nicht mehr nur entscheiden, welchen Radiosender sie hören und wie die Temperatur geregelt wird, sie steuern mehr denn je einen Computer: Einparkhilfen, Geschwindigkeits- und Abstandsregler, Spurassistenten, Stauassistenten, Müdigkeitssensoren, Sprachsteuerung und Multimediasysteme sind nur eine kleine Auswahl der für den Fahrer eventuell noch sichtbaren „Assistenten“. Welche Rechenleistung und Algorithmen sich erst hinter einem Autopiloten oder dem neuen Mercedes Concept Car verbergen, ist im Einzelnen für den normalen Fahrer nicht mehr auszumachen. Der technische Sprung von der Assistenz und Teilautomatisierung (wie dem Stauassistenten von Daimler) hin zur Vollautomation, bei der sich der Fahrer von der Fahraufgabe abwenden und das System nicht mehr überwachen muss, ist somit schon gelungen. Die zunehmende Integration und Verknüpfung der einzelnen Komponenten wird damit immer relevanter: Die alleinige Fahraufgabe wird zwar sicherer und komfortabler, aber immer mehr durch Nebenaufgaben ergänzt. Hierzu ist es notwendig, dass alle Systeme ineinander greifen und den Fahrer nicht behindern oder überfordern. Eine gute Benutzeroberfläche, die es dem Fahrer trotz dieser Häufung ermöglicht, sich auf die Straße zu konzentrieren ist daher unablässig, um die Fahrsicherheit zu gewährleisten.

Wir sagen Ihnen, welche Fragestellung zu welchem Zeitpunkt relevant wird:

Binden Sie Ihre Kunden von Anfang an in die Entwicklung Ihres Systems mit ein. Schon in der Entwurfsphase sollte das Verständnis des Bedienkonzepts evaluiert werden. Dies kann ganz einfach mit einem Papierprototyp im Usability-Labor beginnen und bis hin zu einem Lane-Change-Test am PC führen. (Ein Lane-Change-Test ist eine Fahraufgabe, bei der die Probanden zu einem bestimmten Zeitpunkt auf einer zwei- oder mehrspurigen Straße die Fahrbahn wechseln müssen. Dabei ist eine Nebenaufgabe, wie die Bedienung eines Navigationsgeräts, auszuführen. Gemessen wird damit z. B. die Ablenkung, welche diese sekundäre Aufgabe auf die primäre Fahraufgabe hat.)


Die wichtigsten Punkte, die Sie in den einzelnen Testphasen beachten sollten

Die wichtigsten Punkte, die Sie in den einzelnen Testphasen beachten sollten


Die wichtigsten Fragestellungen beziehen sich in dieser frühen Phase auf das Verständnis und die Erlernbarkeit des Bedienkonzeptes. Lassen Sie auch die ältere Generation Ihrer Kunden und andere Nutzergruppen nicht außer Acht. Dadurch ergeben sich oft neue Erkenntnisse, welche die Barrierefreiheit oder Verständnisschwierigkeiten durch unterschiedliche Vorerfahrungen ergeben. Gerade in dieser frühen Phase der Entwicklung ist es noch sehr einfach und kostengünstig, Änderungen vorzunehmen. Zudem helfen Ihnen iterative Nutzertests dabei, Entscheidungen zu treffen – diskutieren Sie nicht lange, fragen Sie Ihre Kunden!

Der nächste Schritt der Entwicklungsphase läuft häufig im Fahrsimulator ab, zu Beginn oft in einer „Sitzkiste“, welche nur das Cockpit des Fahrzeugs darstellt. Hier sollten Sie nun neben dem Verständnis auch auf die ergonomische Gestaltung und Anordnung der Bedienelemente achten: Erreichen alle Personen die Bedienelemente, ohne sich nach vorne zu beugen oder den Blick zu lange abwenden zu müssen? Wie sicher ist die Fahrweise Ihrer Probanden, wenn sie die Bedienelemente betätigen? Hier zeigt sich, ob die Anordnung und Gestaltung auch während dem Fahren intuitiv verständlich sind und den Fahrer nicht zu stark von der Fahraufgabe ablenken.

Die finalen Tests sollten in einem echten Fahrzeug unter Realbedingungen, mindestens auf einer Teststrecke stattfinden. Hier fehlt die schützende Sicherheit des Fahrsimulators, in dem auch bei einem Fahrfehler keine schlimmen Konsequenzen drohen. In dieser Phase ist das Bedienkonzept nahezu ausgereift und Änderungen werden sehr teuer. Sie sollten demnach hier nur noch kleinere Optimierungspunkte finden. Die Fahrsicherheit der Probanden, den Überblick über die Fahrsituation, das Vertrauen in die Technik und das Sicherheitsempfinden sind hier wichtige Punkte, die Sie hier realitätsnah erheben können.

Achten Sie von Beginn an auf ein optimales Informationsmanagement, welches Ihre Kunden weder über- noch unterfordert. Eine transparente Vermittlung von Statusinformationen und ein intuitives Verständnis der Bedienelemente, welche in einem iterativen, nutzerzentrierten Entwicklungsprozess erarbeitet wurden, liefern Ihnen den Schlüssel zum Erfolg!

Wir, die eResult GmbH, unterstützen Sie sowohl mit einem „Rundum-sorglos-Paket“ – von der Festlegung von Fragestellungen, über die Studienkonzeption bis hin zu konkreten Optimierungsempfehlungen – als auch als Berater und Dienstleister für Ihre eigenständig durchgeführten Automotive-Studien.

Portraitfoto: Melanie Wieland

Melanie Wieland

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 20

Ein Kommentar

  • Oha, mir steht tatsächlich bald ein „Generationswechsel“ bevor, da bekomme ich ja direkt ein bißchen Angst – ich fahre seit 12 Jahren dasselbe Auto (mit Kassettendeck!) und trenne mich auch nur ungern, denn „früher war ja eh alles besser“ 😉
    Aber ich vertraue mal drauf, dass die Usability dabei soweit berücksichtigt wurde, dass mir ein Umstieg leicht gemacht wird und ich mich intuitiv zurecht finde – ich bekomme direkt Lust, mal aus Spaß Samstag in ein Autohaus zu gehen und mir aktuelle Modelle anzusehen…
    Was mir noch einfiel: Rückruf wegen Fehler im UI, trauriges Beispiel: http://www.theregister.co.uk/2015/01/07/ford_recalls_suvs_to_fix_the_ui

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