User Centered Design zur Verbesserung der Nutzung von Geräten

UCD

Seit kurzem nutze ich ein Armband, das mir täglich rückmeldet, wie es um meinen Schlaf und meine Bewegung steht. Die Synchronisierung erfolgt über eine App, das Gerät selbst verfügt nur über einen einzigen Knopf, der Wechsel zwischen Tag- und Nachtmodus.

Um ein solches Gerät aus der Familie der Wearables zur Marktreife zu führen und den langfristigen Verkaufs- und Nutzungserfolg sicherzustellen, bedarf es einer guten Anforderungsanalyse sowie Konzeptions- und Testing-Phasen.

Folgende Methoden aus dem User Centered setzen wir sukzessive bei Geräte-Tests ein, um in verschiedenen Entwicklungsphasen die Zielgruppe einzubeziehen, wenn es denn einmal nicht um Websites oder Software geht, sondern um Hardware.

Fokusgruppen zur Bestimmung von Anforderungen und relevanter Features:

Um hier noch einmal auf das Beispiel des Fitnessarmbandes zurückzukommen: Die Zielgruppe ist nicht homogen, sondern definiert einerseits mit echten Fitness-Fans, aber auch Personen, die einfach mehr auf sich und ihre tägliche Bewegung im Alltag achten wollen. Um beiden Sub-Zielgruppen gerecht zu werden, empfiehlt sich stets eine getrennte Durchführung von Fokusgruppen, so ist sichergestellt, dass sich nicht eine Gruppe in der Diskussion durchsetzt und auch die Anforderungen und Bedürfnisse der anderen Gruppe genug Gehör finden, die ebenso wichtig für den Markterfolg sind.

Eine eher lockere Diskussionsatmosphäre ermöglicht, die unterschiedlichen Anforderungen und auch erste Nutzungsszenarien zu sammeln, die Teilnehmer inspirieren sich gegenseitig, daher eigenen sich Fokusgruppen auch insbesondere zur Ideenfindung und Konkretisierung von Ideen. Verschiedene Brainstorming-Verfahren kommen zum Einsatz, außerdem können Stimuli, Bilder, Videos oder gar Prototypen präsentiert werden.

Iterative Konzeption mit Einbeziehung der Nutzer:

Während der Konzeptionsphase kommen Prototypen in unterschiedlicher Form zum Einsatz, gescribbelt wird zunächst auf Papier oder am Whiteboard für das Interface und das Interaction Design, aber natürlich auch erste Modelle der späteren Geräte selbst werden erstellt. Hier gilt es, die ersten Ideen und Entwürfe zu präsentieren und den Umgang des Nutzers damit zu beobachten. Welche Funktionen und Bedienungen sind klar verständlich, ggf. schon bekannt von anderen Anwendungen/Geräten. Und wichtiger: Was sind für den Nutzer neue, unverständliche Abläufe oder Bedienkonzepte, die überarbeitet werden müssen und dann erneut kritisch hinterfragt werden. Angelehnt an den Ablauf bei einem iterativen Klickdummy-Test werden auch hier in mehreren Schleifen die Nutzer einbezogen, um eine stufenweise Weiterentwicklung zu unterstützen und die gefundenen Probleme Stück für Stück zu beheben. Mit 2-3 Testschleifen ist man hier schon auf einem guten Weg, optional können weitere durchgeführt werden.

Designvarianten testen unter Einbeziehung einer größeren Stichprobe:

Wenn es um das Design oder Layout geht, scheiden sich oft die Geister – aber auch diese Komponente kann beleuchtet werden. Hierzu sollte nicht mit einzelnen Personen gesprochen werden, sondern eine größere Stichprobe befragt werden (quantitativer Ansatz). Auch hier natürlich insbesondere die Zielgruppe berücksichtigen. Über ein Panel sind solche Online-Befragungen in sehr kurzer Zeit möglich, d.h. auch wenn die Zeit knapp bemessen ist, sollte man zusätzlich zu seinem eigenen Bauchgefühl die Chance nutzen, um Feedback zur Anmutung, Layout und auch mögliche Assoziationen der späteren Nutzer einzuholen. Gute Fotos bzw. virtuelle Modelle als Bewertungsgegenstand sind eine Voraussetzung, um valide Werte zu erhalten.
Die Auswahlentscheidung auf mehr Schultern (und insbesondere die potenziellen Käufer) zu verteilen bringt Sicherheit und ist oft die entscheidende Argumentation, wenn es um die finale Entscheidung geht.

Nutzertagebücher für mehrwöchige Studien:

Der Härtetest im real life: Das Gerät (hier denke ich an jegliche Geräte wie Fernseher, Smartwatches, Waschmaschinen) wird an ausgewählte Testpersonen versendet und im Alltag eingesetzt – die Prüfung auf Herz und Nieren. Sind die konzipierten Use Cases und Bedienungsabläufe korrekt und werden diese von den Testpersonen verstanden, gibt es Lerneffekte im Verlauf der Untersuchung, wovon hängen diese ab und wie lassen sie sich beschleunigen, all solche Fragestellungen lassen sich erörtern und letztendlich finale Ableitungen treffen.

Über einen längeren Zeitraum von einigen Wochen werden die Probanden mit dem Untersuchungsgegenstand ausgestattet und berichten über ihre Erfahrungen – in einer Art Tagebuch. So manche Überraschung kann hier noch auftreten und führt zu wertvollen Hinweisen für die Weiterentwicklung. In der natürlichen Umgebung im Gegensatz zur Laborsituation werden dann mögliche Hürden bei der (häufigen) Verwendung erkannt – von der Anzahl nur noch gering, wenn der bisherigen Vorgehensweise gefolgt wurde, aber manchmal doch bis dato unentdeckt.

Meist erfolgt diese Testphase erst sobald die erste Serienproduktion verfügbar ist. Besteht schon vorher die Möglichkeit, mit einer Kleinserie zu arbeiten und die Erkenntnisse noch vorab einfließen zu lassen, ist das noch besser, Kosten und Nutzen müssen hier sorgfältig abgewogen werden. Je hochpreisiger das Gerät und je höher die späteren Stückzahlen, desto eher kann eine Investition zu diesem Zeitpunkt lohnen. Ansonsten fließen die Erkenntnisse spätestens in die Nachfolger-Optimierung ein.

Die Stichprobengröße kann hier von wenigen Teilnehmern bis zu einer größeren Gruppe von 30-60 Personen variieren, wichtig ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Gerät in dieser Phase.

Frühzeitige Planung beginnen ist das A+O:

Die aufgezeigte Methodenvielfalt macht es glaube ich deutlich: In den verschiedenen Phasen kann mit unterschiedlicher Herangehensweise ein Erkenntnisgewinn für die Weiterentwicklung geschaffen werden. Jedoch muss immer auch der Zeitplan im Auge behalten werden, frühzeitig Gespräche geführt werden, die Machbarkeit angefragt werden und natürlich auch Puffer berücksichtigt werden, so dass nicht der Zeitdruck plötzlich das Team überrascht und die Forschung hinten runter fällt. Je früher mögliche Schwachstellen oder Optimierungspotenziale erkannt werden, desto geringer sind die Anpassungskosten und je geringer wird die Gefahr der späteren Flop-Rate.

Portraitfoto: Anja Weitemeyer

Anja Weitemeyer

Managing Partner & Senior UX-Consultant

Alumni-eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 113

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