Wer sucht der kauft – Suchfunktionen Teil 3: Qualität von Trefferlisten

Nach den Anforderungen an das Sucheingabefeld und Qualitätskriterien für Erschließung und Suchalgorithmus in den ersten beiden Teilen zu Suchfunktionen, geht es jetzt um den letzten wichtigen Bereich im Ablauf einer Suche: die Ergebnisse.

Welche Erwartungen haben Nutzer an die Präsentation der Ergebnisse ihrer Suche?
Welche guten Lösungen gibt es hier, an denen man sich orientieren kann?

Darum soll es in diesem dritten Teil zu Suchfunktionen gehen.

Ziel eines guten Rankings von Suchergebnissen muss es sein, dass die Treffer, die am besten der Suchanfrage entsprechen, auch ganz oben gerankt werden. In erster Linie geht es hierbei um eine Relevanzbewertung von Inhaltselementen einer Suche. Damit hängt das Ranking eng zusammen mit dem Vorgang des Matching nach Auslösen einer Suche: also dem Prozess, über den der Algorithmus aus der Menge der Inhaltselemente die Relevantesten heraussucht. Je genauer ein Inhaltselement für die Suchanfrage passt, desto höher soll es auch in der Trefferliste gerankt werden.

Natürlich spielen bei der Ausgestaltung des Rankings nach einer Suche auch häufig unternehmerische Faktoren eine Rolle. Bezahlte Treffer, Sonderangebote oder besonders nachgefragte Produkte werden prominenter platziert, um damit Geschäftsziele besser zu erreichen. Aber auch nicht-kommerzielle Überlegungen können ein Ranking abweichend von der reinen Relevanz sinnvoll machen. Entfernung ist in lokalen Suchszenarien ein wichtiges Auswahlkriterium. Bestimmte Medientypen haben für viele Use Cases vielleicht eine höhere Bedeutung und werden im Ranking höher platziert.

Sortierfunktion

Zu einer gut gestalteten Trefferliste gehört vor diesem Hintergrund unbedingt auch die Option, die Sortierung der Treffer so weit wie möglich nach den eigenen Wünschen anpassen zu können. Preis, Entfernung, Aktualität, Alphabet und Relevanz sind einige Kriterien, die bei Sortierfunktionen häufig anzutreffen sind. Es hängt jedoch von den Eigenschaften der Inhaltselemente und den damit zusammenhängenden Suchmotivationen ab, welche Kriterien in einer Sortierfunktion angeboten werden sollten. Für die Entscheidung der Kriterienauswahl müssen also die Inhaltselemente analysiert, die zentralen Suchmotivationen identifiziert und die damit zusammenhängenden Anforderungen an die Sortierung unter Einbeziehung der Nutzer erhoben werden.

Bei der Gestaltung dieser Sortierfunktion muss immer klar erkennbar sein, dass hier sortiert werden kann und wonach die Treffer aktuell sortiert sind. Bewährt hat sich eine Darstellung wie beim Onlinehändler Otto: die Option wird benannt (Sortieren nach) und im Dropdown-Menü ist das aktuelle Sortierkriterium sichtbar.

Sortierfuntion ist wichtig für Suche

Sortierfunktion bei www.otto.de

Ergebnisse eingrenzen: Filtermöglichkeiten

Die Sortierfunktion bewirkt, dass die aktuellsten, die günstigsten, die am nächsten gelegenen Inhaltselemente ganz oben gerankt werden. Für viele Suchszenarien reicht dies als Unterstützung der Suche jedoch nicht aus. Zum Beispiel möchte jemand nur blaue und schwarze Hosen angezeigt bekommen. Oder ein Vertriebsmitarbeiter hat nach einem Produkt gesucht und braucht aber nur Preislisten dazu. Eine Eingrenzmöglichkeit nach den entsprechenden Merkmalsausprägungen erleichtert die gezielte Suche erheblich. Dies kann durch einen Filter erreicht werden. Am weitesten verbreitet ist der Facetten-Filter.

Weitere Filtermöglichkeiten erleichtern die Suche

Facetten-Filter bei www.zalando.de

Zur Gestaltung eines Facetten-Filters werden die Inhaltselemente daraufhin analysiert, über welche Merkmale sie beschrieben werden können. Eine Hose ist zum Beispiel bestimmt durch die Farbe, den Preis, die Marke, die Größe und so weiter. Für jede Hose lässt sich eine Ausprägung für jedes der verschiedenen Merkmale festlegen.

Bei der Suche kann dann je nach den eigenen Vorlieben immer weiter eingegrenzt werden, bis nur noch Inhaltselemente angezeigt werden, die genau den gewünschten Kriterien entsprechen. Dies schafft Kontrolle über die Suchergebnisse und vermeidet ein langes Suchen in großen Treffermengen.

Trefferdarstellung: schnelle Orientierung in der Trefferliste unterstützen

Für eine schnelle Orientierung in der Trefferliste ist es entscheidend, wie die einzelnen Treffer dargestellt werden. Ein Treffer muss klar beschrieben werden, so dass die wichtigsten Merkmale auf einen Blick sofort erkennbar sind. Für die Bewertung eines Treffers unwichtige Details müssen weggelassen werden. Dies erleichtert die schnelle Beurteilung und verringert die visuelle Komplexität insgesamt und damit die notwendige Anstrengung beim Scannen der Trefferliste erheblich.

Gerade bei Suchen nach Informationen sollte bei jedem Treffer durch Markierung des Suchbegriffs erkennbar sein, weshalb er als Ergebnis der Suche angezeigt wird. Hier ist auch die Anzeige eines Textausschnitts mit dem markierten Suchbegriff im Kontext zu empfehlen. Dadurch wird die Relevanzbeurteilung in der Trefferliste erleichtert, ohne in den Treffer klicken zu müssen.

Im eCommerce ist die Anzeige von Produktbildern in der Trefferliste Standard. Einerseits machen attraktive Bilder Lust zur Exploration und zum Stöbern. Andererseits erfolgt der Klick zur Detailseite gezielt auch bei Gefallen des Produktbildes und unnötiges Klicken wird vermieden.

Betreiber von Webseiten sind manchmal interessiert, Nutzer auf Detailseiten zu bringen, etwa wenn ein bestimmter KPI hieran festgemacht wird und Werbeeinnahmen davon abhängen. Der Nutzer will einen Treffer schon in der Ergebnisliste so gut wie möglich nach Relevanz bewerten können. Überflüssige Klicks in Detailseiten aufgrund von fehlender Information machen die Suche mühsam und frustrierend. Es müssen hier also Interessen auch in Bezug auf andere KPIs wie Traffic abgewogen werden.

Fazit

Es gibt zahlreiche Aspekte, die die Qualität von Suchfunktionen beeinflussen und berücksichtigt werden müssen. Jede Suchfunktion hat hierbei auch ihre eigenen Anforderungen abhängig von den Inhaltselementen und auch der Zielgruppe und ihren Suchmotivationen. Beziehen Sie frühzeitig und regelmäßig Ihre Nutzer in den Optimierungsprozess ein und erhöhen Sie damit den Erfolg Ihrer Suchfunktion.

Was sind Ihre Erfahrungen mit Suchfunktionen? Sehen Sie weitere Aspekte, die für die Qualität von Suchfunktionen entscheidend sind? Ich freue mich über Ihre Kommentare.

Portraitfoto: Rita Strebe

Rita Strebe

Senior User Experience Consultant

eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 14

2 Kommentare

  • Hallo Frau Strebe,

    sehr gut geschriebener Artikel der viele nützliche Informationen enthält.
    Man muss allerdings bei den Inhaltselementen vorsichtig sein. Es ist sehr schwierig, eine Produktbeschreibungen o.ä. möglichst relevant für eine Suchmaschine aber auch gleichzeitig möglichst emotional und überzeugend für einen Kunden zu schreiben. Hier benötigt es sehr viel Übung und viel „learning bei doing“.

    Glauben Sie, dass alle Suchmaschinen Algorythmen ähnlich funktionieren? Oder sollte man bei verschiedenen Suchmaschinen auch auf verschiedene Algorythmen (Rankingfaktoren) setzten?

    • Rita Strebe

      Hallo Herr Schweitzer,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Zu Ihrer Frage: es ist nicht immer Relevanz das am besten geeignete Rankingkriterium. Bei der lokalen Suche zum Beispiel ist Entfernung ein wichtiger Aspekt. Bei Produkten kann der Preis vorrangig für das Ranking sein. Algorithmen für das Ranking können also sehr unterschiedlich sein. Wenn Sie an Web-Suchmaschinen denken, dann fließen auch in das Relevanzranking sehr verschiedene Gewichtungsfaktoren ein.

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