Wie lange isst das Auge mit?

Im zweiten Teil meines Schnell-Checks von Kochbox-Anbietern gehe ich auf Gestaltungsregeln ein, die das Interesse der Abonnenten möglichst langfristig aufrechterhalten sollen. Wie im ersten Beitrag angedeutet, brauchen Anbieter eine (recht) lange Abo-Laufzeit, um mit ihrem Geschäftsmodell erfolgreich zu sein. Wie die Anbieter diese Herausforderung bewältigen, lesen Sie im heutigen Beitrag.

  1. Flexibel auf die Anforderungen der Abonnenten eingehen

    Wer kennt das nicht? Arbeitsstress in der Woche, angekündigter Besuch am Wochenende oder der anstehende 3-Wochenurlaub im Sommer. Dies sind Momente in dem es wichtig wird, den Kunden durch kurze sowie flexible Lieferzeiten entgegenzukommen, so dass die Box nicht zum Ärgernis wird.

    Auf diesen Punkt gehen die meisten Anbieter eher zurückhaltend ein. D.h. der Kunde muss die Informationen etwas umständlich suchen in den FAQs. Häufig findet sich auch nur die allgemeine Aussage, dass Boxen jederzeit kündbar bzw. pausierbar sind, ohne konkret auf den Ablauf einzugehen.

    Sehr transparent mit diesem Thema gehen die beiden Anbieter kochzauber.de und kochabo.de um. Die Informationen sind ohne lange Suche direkt auf der Startseite einsehbar. Bei hellofresh.de besteht zusätzlich die Möglichkeit den Termin der Lieferung flexibel zu gestalten.

    Pausierung auf Startseite Abb. 1: Best-Practice – Infos zur Pausierung direkt auf der Startseite auf kochzauber.de

    Flexible Lieferzeiten
    Abb. 2: Best-Practice – Flexible Lieferzeiten auf hellofresh.de


  2. Kochboxen an die verschiedenen Bedürfnisse der Kunden anpassen
    Geschmäcker können sehr verschieden sein und demnach ist es eine riesige Herausforderung diese verschiedenen Bedürfnisse mit einer Kochbox abzudecken. Diese Vielfalt versuchen die Anbieter durch unterschiedlich gestaltete Boxen abzudecken. Neben Single-, Paar und Familienboxen finden sich auch immer häufiger auf spezielle Ernährungsgewohnheiten (z. B. vegan oder kalorienreduzierte) angepasste Pakete. kommtessen.de versucht es zusätzlich mit einem Paket speziell fürs Abendbrot. Unabhängig davon, welche Modelle sich am Ende durchsetzen werden, die Kunden können durch diese Vielfalt nur gewinnen.

    Bestimmte Ernährungsgewohnheiten Abb. 3: Best-Practice – Optimierte Kochboxen für unterschiedliche Ernährungsstile

  3. Positive User Experience rund ums Kochen anbieten
    Da Kochen und Essen deutlich mehr widerspiegelt als die reine Nahrungsaufnahme, sollten Anbieter den sozialen Faktor beim Nahrungskauf und der Zubereitung nicht vernachlässigen. D.h. parallel zur Erfahrung des Ausprobierens und Erlebens in der Filiale, sollte auch online viel Wert auf einen Joy of Use gelegt werden.

    In dieser Hinsicht werden erste größere Unterschiede zwischen den Anbietern ersichtlich. Während (fast) alle Anbieter noch eine Rezept-Übersicht bieten, um einzelne Gerichte nachzukochen, trumpfen einige Anbieter mit Blogs, eigenen Magazinen, aber auch Videos auf. Gourmetbox.de und hellofresh.de besitzen ein Punkte-System, um treue und aktive Kunden zusätzlich zu belohnen. Eine weitere interessante Idee ist ein zusätzlicher Online-Shop, in dem einzelne Produkte nachgeordert werden können (biobox.de).

    Blog mit Ratgeber
    Abb. 4: Best-Practice – Blog/Magazin mit Ratgeber-Themen und Interviews rund ums Kochen

    YouTube-Channel Abb. 5: Best-Practice – YouTube-Channel mit Anleitungen sowie Tipps&Tricks

    Online-Shops Abb. 6: Best-Practice – Online-Shop, um einzelne Produkte nach zu bestellen

Insgesamt ein hohes Niveau mit 3 Klassenbesten

Das nähere Betrachten dieses Geschäftsmodells hat bei mir persönlich das Interesse geweckt, sich näher mit dem Thema auseinander zu setzen und eine Probierbox zu bestellen. Demnach haben es alle 7 Koch-Abo-Anbieter verstanden, Interesse und Lust beim Interessenten zu wecken.

Bei der Frage nach der langfristigen Nutzung können sich drei Anbieter besonders hervortun, die auch insgesamt den besten Eindruck hinterlassen: kochzauber.de, kochabo.de und hellofresh.de. Diese stellen ihre Leistungen in vielen Dimensionen nochmals eine Schippe besser da und sind für mich führend in Usability und auch User Experience.

kommtessen.de, biobox.me, cuppabox.de und gourmetbox.de haben bei mir auch einen guten Eindruck hinterlassen. Es fehlt manchmal an den kleinen Details, die fehlen bzw. noch nicht optimal umgesetzt sind.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Kochboxen? Vor allem interessiert mich, wie lange Sie schon Lebensmittel beziehen und wie es die Anbieter schaffen, Ihr Interesse langfristig zu wecken.

Portraitfoto: Ediz Kiratli

Ediz Kiratli

Referent Usability

VBG

Bisher veröffentlichte Beiträge: 24

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.