Wie usable ist die bundesliga.de?

Am morgigen Freitag beginnt (hoffentlich) eine spannende neue Bundesliga-Saison. Ein guter Zeitpunkt neben den sportlichen Aspekten einen Blick darauf zu werfen, wie gut die Bundesligavereine im Internet aufgestellt sind und aktuelle Themen und Trends wie mobile Nutzung und Social Media umsetzen.

Laut dem letzten DFL-Geschäftsbericht zur finanziellen Situation im deutschen Profifußball machten alle 36 Proficlubs der 1. und 2. Bundesliga einen Umsatz von über 3 Mrd. Euro. Demnach bewegen sich die deutschen Sportvereine in einer Größenordnung von Großkonzernen und diese Professionalität spiegelt sich auch in den Webauftritten der Vereine wieder. Vom responsiven Design bis hin zum Angebot von Apps, der Integration eines Online-Shops sowie dem Online-Ticketverkauf decken die Vereine eine ziemlich große Bandbreite an Funktionen und auch Geschäftsmodellen ab.

Der FC Bayern München zeigt sich dabei auch im Internet in Meisterlaune, aber die eine oder andere Überraschung ist auch dabei.

Vereinsfarben im Styleguide sind ein Muss

Die Vereinsfarben prägen das äußere Erscheinungsbild der Mannschaften (z.B. durch die Trikots) und diese Philosophie wird auch im Internet fortgeführt. Jede Vereinswebsite ist demnach im eigenen Farbcode gehalten – entweder als Hintergrundfarbe oder bei den Schrifttypen – so dass der Besucher sehr schnell erkennt, auf welcher Website er sich befindet. Und wenn dies nicht ausreichen sollte, unterstützt das Vereinslogo, welches sich fast immer oben links auf der Website befindet.

BVB-Vereinsfarben

Vereinsfarben auf der Website am Beispiel von Borussia Dortmund

Emotionen gehören dazu – ob durch Karussells oder Bildbühnen

Profi-Fußball kann eine sehr emotionale Angelegenheit werden und diese Emotionalität transportieren die Vereine auf Ihren Websites auf verschiedene Art und Weise. Stark verbreitet sind nach wie vor hochauflösende Bilder von Spielern entweder als einzelne Bildelemente oder durch ein Karussell auf der Startseite.

Hoffenheim_Full-Screens

Extrembeispiel vom TSG 1899 Hoffenheim, bei der das Bühnenbild die komplette Website einnimmt

An dieser Stelle möchte ich auf den Artikel über den optimalen Einsatz von Bildbühnen verweisen, da diese Elemente auch Nachteile für die Usability mit sich bringen können. Bei Hochglanzbildern muss z.B. darauf geachtet werden, dass diese auch auf kleinen Smartphone-Bildschirmen gut wirken müssen und zudem nicht zu lange Ladezeiten verursachen beim Nutzer.

Hoffenheim Smarthome-Screen

TSG 1899 Hoffenheim – Das gleiche Bühnenbild, aber hochkant auf einem Samsung S4 Mini

Nachholbedarf beim responsive Design – aber Spitze bei Apps

Die mobile Nutzung ist auch in der Bundesliga angekommen und eine Reihe von Websites sind bereits im responsive Design erstellt und passen sich optimal an die jeweilige Displaygröße an. Interessanterweise ist dies nicht unbedingt von der vermeintlichen Größe bzw. Bekanntheit des Vereins abhängig. Während z.B. der FC Freiburg eine responsive Seite besitzt, ist dies z.B. bei borussia.de nicht der Fall. Und auch der FC Schalke 04 besitzt noch eine separate mobile Website (m.schalke04.de). Dieses Handicap wird aber dadurch aufgelöst, dass alle Vereine der 1. Bundesliga eine eigene App besitzen.

Borussia Nicht-Responsive

Nicht alle Vereine haben eine responsive bzw. mobile Website (borussia.de)

Social Media ist auch in der Bundesliga angekommen

Die intensive Nutzung und steigende Bedeutung von Social Media ist auch für die Bundesliga-Vereine ein großes Thema. So bietet nahezu jeder Verein Inhalte auf den meist genutzten Social Media-Plattformen an: Facebook, Twitter, Instagram, Youtube und auch Google+. Vereinzelte Vereine wie z.B. RB Leipzig haben auch die neueren Plattformen wie Pinterest oder Vine im Angebot.

Social-Media

Beim Thema Social Media ist die Bundesliga vorne dabei (Red Bull Leipzig)

Die Spreizung der Attraktivität der Vereine zeigt sich jedoch auch in diesem Bereich. Während kleinere Vereine wie z.B. der FC Augsburg auf etwas mehr als 100 Tsd. Follower kommen, sind es bei Borussia Dortmund oder dem FC Bayern schon deutlich mehr als 2 Mio. Follower. Dabei bewegen sich die Top-Vereine auf dem Niveau von deutschen Premiummarken wie z.B. Mercedes oder Adidas.

Internationalität ist ein Muss

Der Blick über den deutschen Markt hinaus wird für viele deutsche Vereine immer relevanter. Dies zeigt sich z.B. durch die vielen Auslandsreisen einzelner Vereine. Diese Internationalität wird auch auf den Websites sichtbar. Nahezu alle Vereine, auch die vermeintlich Kleinen, bieten mindestens eine englische Variante Ihrer Website an. Sympathisch ist der regionale Bezug einzelner Vereine: So bietet der SC Freiburg die Website in Französisch und Borussia Mönchengladbach auf Niederländisch an. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die asiatischen, aber auch arabischen Märkte an Bedeutung zunehmen – neben Chinesisch und Japanisch wird eine russische aber auch arabische Site angeboten.

Sprachen 8 Bayern

Die Website des FC Bayern wird für 7 bzw. 8 weitere Sprachen angeboten

Ohne Online-Shop und weitere Zweit- und Drittvermarktung geht es nicht

Zu den größten Erlösquellen von Vereinen zählen neben den Einnahmen aus dem Spielbetrieb (Ticketverkauf), Fernseheinnahmen aus Liga, Pokal und internationalem Wettbewerb auch das Sponsoring. Bei den weiteren Einnahmequellen zeigen sich die Vereine aber sehr erfinderisch und pushen dies auch sehr stark auf der jeweiligen Website.

  • Obligatorisch sind der Fan-Shop bzw. Online-Shop der auf keiner Website fehlen darf. Neben dem Verkauf von Trikots und weiteren Sportbedarf gibt es häufig auch Freizeitkollektionen für Herren und Damen sowie eine eigene Kategorie für Kinder oder den Hausbedarf.
  • Auch das Thema Video-on-Demand wird von den Vereinen erfolgreich umgesetzt. Auf eigenen TV-Kanälen können jederzeit Videos von Spielen oder Trainingslagern angeschaut werden. Aber auch Abo-Modelle, um Spiele live zu sehen, sind bereits Standard für die Vereine.
  • Wer sich näher auf den Websites umschaut wird auch andere Erlösmodelle, wie z.B. Reisen bzw. Travel, Mobilfunk aber auch Banking finden. In dieser Hinsicht muss aus User Experience-Sicht darauf geachtet werden, ob dies noch zur Zielgruppe und der Website passt oder ggf. an der Zielgruppe vorbei entwickelt wird.

Nun sind Sie an der Reihe. Welche Vereins-Website ist aus Ihrer Sicht Deutscher Meister und Warum? Ich bin gespannt auf Ihre Rückmeldungen.

Portraitfoto: Ediz Kiratli

Ediz Kiratli

Referent Usability

VBG

Bisher veröffentlichte Beiträge: 24

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