Wie Websites Kinder als Zielgruppe entdeckten – Kinderportale im Wandel der Zeit

In der Beschreibung von Zielgruppen wird immer von den Digital Natives oder den Early Adopters gesprochen. Doch auch schon Kinder unter 14 Jahren nutzen mehr und mehr das Internet als Informations-, Kommunikations- oder Lernplattform. Doch welche Angebote werden Kindern im Internet gemacht? Und vor allem, wie haben sich Portale für Kinder in den letzten Jahren verändert? Ein kleiner Vergleich.

Toggo: Mit Farbreduzierung zur besseren Nutzerführung

Schauen wir uns als erstes das Portal von Toggo an, einer Tochter des Kindersenders Super RTL. Dieser TV-Sender, seit Jahren Marktführer in der Zielgruppe der 3-11-Jährigen, bietet seinen Nutzern auf der Website toogo.de Informationen zum aktuellen TV-Programm, Videos und Spiele. Alle Inhalte sind deutlich am TV-Sender orientiert.

Die Website war seit 2008 geprägt von einer Farbe: Orange. Diese sehr warme Farbe steht für Geborgenheit und wirkt auf seinen Betrachter positiv und aktivierend. Insbesondere die letzte Eigenschaft der Farbe sollte den Betrachter anregen, aktiv auf der Seite zu agieren. Doch nur, was sollte der Nutzer in 2008 auf der Website machen? Aufgebaut war die Seite durch drei Spalten, in denen vertikal Kästen angeordnet waren. Eigentlich ein probates Mittel, um Struktur zu schaffen, hier jedoch stiftete es eher Verwirrung. Erst auf den zweiten Blick sah der Nutzer, dass es nur sehr wenig Möglichkeiten zum Agieren gab, weil die Hälfte der Kästeninhalte Werbung war. Der Hinweis auf Werbung jedoch war ebenfalls in Orange gehalten, was sehr irreführend war. Vier Jahre später war die Seite vollkommen anders strukturiert und bot dem kindlichen Nutzer auch Inhalte zum Auseinandersetzen. Dass er das auch machte, war bedingt durch den Seitenaufbau und die gute Nutzerführung. In 2012 gab es eine Navigationsleiste, einen deutlichen Login-Bereich und vor allem waren die Angebote (Spiele, Videos etc.) im sofort sichtbaren Bereich abgebildet. Die großen Bildwelten, die an bekannte TV-Formate erinnerten, waren Eyecatcher der Website 2012 und führten dazu, dass der Nutzer nicht lange suchen musste, um das ihn interessierende zu finden. Sehr wichtig vor dem Hintergrund, dass die Zielgruppe der Website unter 12 Jahren alt ist. Gegenwärtig erscheint die Website noch strukturierter: Es gibt eine Navigationsleiste im Header, in der nach Sparten unterschieden wird (Serien, Spiele, etc.). Einstiege in konkrete Inhalte sind darunter in einer scrollbaren Leiste nur mit Hilfe von Bildern gewährleistet. Darunter wird dem Nutzer eine spielerisch gestaltete Bühne angeboten, die sehr einfach und intuitiv bedienbar ist. Unterhalb des Contentbereichs ist Werbung in 2014 nun sofort als solche erkennbar, weil besser gekennzeichnet. Allerdings verzichtet Toggo nun auf fast vollständig auf die Farbe orange und setzt auf einen weißen Hintergrund, was eher steril denn einladend und aktivierend wirkt.


Abb. 2: Toggo (von links nach rechts: 2008, 2012, 2014)

Abb. 2: Toggo (von links nach rechts: 2008, 2012, 2014)

KIKA: Von Text zu Bild

Die öffentlich-rechtliche Konkurrenz mit ihrem Webangebot von kika bleibt hingegen seiner Farbwahl im Vergleich der letzten 6 Jahre bei. Was jedoch auffällig ist, dass der Textanteil in den letzten Jahren erheblich reduziert wurde. In 2008 gab es noch einen großen Contentbereich, der vor allem von Text bestimmt war. Im rechten und linken Seitenbereich gab es dazu noch weitere Einstiege. Eine klare und einfache Nutzerführung sieht anders aus – ebenso eine zielgruppengerechte Gestaltung. Bis zum Jahr 2012 gab es dann einen Relaunch. Die Farben wurden etwas intensiviert und der Aufbau der Seite übersichtlicher gestaltet. Die blau-grüne Hintergrundfarbe machte die Seite zwar ruhig, jedoch zogen die deutlich stärker hervortretenden Bildwelten die Aufmerksamkeit auf sich. Diese waren so farbgewaltig und vor allem in der Anzahl hoch, dass der Nutzer ein klares Konzept (sprich Einstieg) nicht erkannte.

In 2014 wurde die Seite weiter verschlankt. Das bedeutet, unterhalb des Headers gibt es nun eine Bühne und darunter drei Top-Themen in Kästen. Überhaupt wurde auch hier die Strukturierung der Seite mit Kästen gewählt, um die Seite übersichtlicher zu machen. Auch sind die Kästen im Vergleich der Jahre zuvor durch die Farbgebung wesentlich präsenter und besser voneinander abgegrenzt. Nur wirkt die Seite wenig spielerisch, was negativ auf die Gesamtbewertung der Seite zurückwirkt – trotz der besseren Nutzerführung.

Die Maus setzt auf Erklärung durch Bilder (oder doch nicht?)

Schon im Jahr 2008 wartete die Website wdrmaus.de mit einem One-Page-Design auf. Das hier natürlich noch nicht dem entsprach, was wir eigentlich darunter verstehen. Dennoch schaffte es die Website in 2008 klar zu kommunizieren, was der Nutzer hier findet und wie er navigieren kann. Ansprechend war die Seite dadurch dennoch nicht. Vielmehr wirkte die Seite wie eine sehr einfache und günstige Variante.

In 2012 wurde die Seite komplett neugestaltet, blieb aber seiner Struktur treu. Die Farben waren ähnlich denen bei Toggo gewählt. Der etwas helle Contentbereich strahlte Fröhlichkeit und Vitalität aus. Die weiteren Bildelemente dienten einerseits als spielerisches Element und andererseits als Kategorieneinstiege und folglich Orientierung. Der Text auf der Website war auf das wesentliche beschränkt, was der Zielgruppe sehr entgegenkam. In 2014 gab es allerdings wieder einen Rückschritt, was das Layout und Design anbelangt. Dem Nutzer werden zwar mehr Inhalte und Funktionen angeboten, aber der Aufbau ist doch sehr verwirrend (geworden). Der Fokus des Nutzers fällt sofort auf die vielen Bilder, die zwar strukturiert angeordnet sind, aber nicht so wirken. Positiv ist aber dennoch weiterhin der Header: Durch größere und verständlichere Icons kann der Nutzer sehr schnell zu seinem Ziel gelangen. Die Navigation ist hier bei allen drei betrachteten Websites sicherlich am besten gelöst.

Kennen und Nutzen Sie bzw. Ihre Kinder, Geschwister oder Neffen Kinderportale? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Zum Projekt „Design im Wandel“:
eResult verfolgt bereits seit mehreren Jahren die Entwicklung des Webdesigns von 50 verschiedenen Branchen, unter anderem auch von 20 verschiedene Kinderportalen. Die dokumentierten Screenshots werden regelmäßig ausgewertet und Erkenntnisse hier im Usabilityblog vorgestellt – oder gemeinsam mit den Lesern erarbeitet.

Portraitfoto: Thomas Pribbenow

Thomas Pribbenow

User Experience Consultant

Alumni-eresult GmbH

Bisher veröffentlichte Beiträge: 11

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